Dienstag, 20. August 2019

Eines der wertvollsten Fintechs in Europa Transferwise sammelt 292 Millionen Dollar ein - auch Blackrock steigt ein

Die Gründer von Transferwise: Kristo Käärmann (l.) und Taavet Hinrikus (r.)
Transferwise
Die Gründer von Transferwise: Kristo Käärmann (l.) und Taavet Hinrikus (r.)

Der britische Zahlungsdienstleister Transferwise steigt zu den wertvollsten und am schnellsten wachsenden Fintech-Unternehmen in Europa auf. Das Unternehmen habe bei einer Finanzierungsrunde insgesamt 292 Millionen Dollar eingesammelt, teilte das Londoner Start-up mit. Damit wird Transferwise mit rund 3,5 Milliarden Dollar bewertet.

Mit Transferwise können Nutzer Geld aus einer Währung in eine andere überweisen und die Gebühren, die Banken beim Umtausch üblicherweise erheben, zum Großteil umgehen. Der Dienst ist insbesondere bei Kunden beliebt, die ihr Gehalt in einer Währung ausgezahlt bekommen, es aber bei der Überweisung auf das Heimatkonto in einer Zweitwährung oftmals automatisch minimiert wird. Transferwise streicht eine viel geringere Gebühr ein als es die Banken tun.

Genau dieses Problem brachte die beiden Esten Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann überhaupt erst auf ihre Geschäftsidee. Hinrikus war der erste Skype-Mitarbeiter in Estland, er fing aber bald an, in London zu arbeiten - und verlor jedes Mal Geld, wenn er sein Gehalt nach Hause überweisen wollten. Daher gründete er zusammen mit Käärmann 2011 das Unternehmen Transferwise. Derzeit nutzen mehr als fünf Millionen Menschen weltweit den Service, insgesamt versenden sie rund vier Milliarden Euro pro Monat.

Transferwise konnte Umsatz um 77 Prozent steigern

Mit der neuen Finanzierungsrunde hat das Start-up seit seiner Gründung 689 Millionen Dollar eingesammelt. Zu den neuen Kapitalgebern gehören der Mitteilung zufolge die Investoren Lead Edge Capital, Lone Pine Capital, Vitruvian Partners und der Fondsriese Blackrock. Die bisherigen Anteilseigner Baillie Gifford und Andreesen Horowitz hätten ihre Anteile aufgestockt.

Man habe die Investorenstruktur an die neue, reifere Phase der Unternehmensentwicklung angepasst, sagte CEO Käärmann dem "Handelsblatt". Besonders stolz sei er auf das Engagement von Blackrock. "Wir haben jetzt Anteilseigner, die normalerweise in börsennotierte Unternehmen investieren". Ob auch die beiden Gründer selbst Anteile abgegeben habe, ist unklar. Sie bleiben aber die größten Anteilseigner.


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Gerüchte über einen baldigen Börsengang wies Käärmann gegenüber der Zeitung zurück. Da das Start-up schon jetzt profitabel ist, eilt es auch nicht. Im Geschäftsjahr bis Ende März 2018 machte Transferwise laut Geschäftsbericht einen Umsatz von 117 Millionen Pfund (77 Prozent mehr als im Vorjahr) und einen Gewinn nach Steuern von 6,2 Millionen Pfund. Derzeit beschäftigt die Firma weltweit rund 1600 Mitarbeiter, die Zahl soll in den kommenden zwölf Monaten auf 2350 steigen.

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