Samstag, 19. Oktober 2019

Währung Libra sorgt für Streit Facebooks Cyberwährung ruft die Notenbanken auf den Plan

Facebooks Libra-Pläne versetzen Notenbanken in Sorge

Die Pläne des sozialen Netzwerks Facebook Börsen-Chart zeigen für eine eigene Kryptowährung schrecken weltweit die großen Notenbanken auf. Die Bank von England, die Federal Reserve, alle großen Zentralbanken und Aufseher müssten eine Aufsicht über dieses Projekt haben, sagte der Chef der Bank von England, Mark Carney, am Freitag dem Sender BBC. "Es muss sicher sein, oder es wird nicht passieren."

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte auf einer Veranstaltung in Eltville vor den Risiken solcher Cyberdevisen. Auch er hält letztendlich eine Form der weltweiten Regulierung für erforderlich.

Facebook hatte vor wenigen Tagen angekündigt, eine eigene Cyberdevise mit dem Namen "Libra" in der ersten Hälfte 2020 an den Start bringen zu wollen und damit in den weltweiten Zahlungsverkehr einzusteigen. Facebook wird jeden Tag von etwa ein bis zwei Milliarden Menschen genutzt. Libra soll es allen Nutzern des Netzwerks ermöglichen, untereinander Geld zu versenden und Waren von Unternehmen zu erwerben - für Facebook ein gewaltiger Schub.

Branchenkenner halten es für nicht ausgeschlossen, dass Facebook damit das traditionelle Finanzsystem auf den Kopf stellen könnte. "Libra" soll ein sogenannter stablecoin sein. Solche Digitalwährungen sollen durch Koppelung an staatliche Währungen weniger anfällig für Preisschwankungen sein als bestehende Cyber-Devisen wie etwa Bitcoin. Daher könnten stablecoins auch als Zahlungsmittel große Verbreitung finden und somit traditionellem Geld Konkurrenz machen.

Nach Datenskandal: Wir sollen ausgerechnet Facebook Geld anvertrauen - ernsthaft?

Bundesbank-Präsident Weidmann sieht in derartigen Kryptowährungen Gefahren für die Verbraucher. "Insbesondere gibt es die Frage, wie der Wert von Stablecoins garantiert werden kann." Auch für die Finanzbranche drohten Risiken, sollten stablecoins große Verbreitung finden. "Sie könnten das Einlagengeschäft der Banken und ihre Geschäftsmodelle untergraben", sagte Weidmann.

Sein EZB-Ratskollege, Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau, sagte auf einer Veanstalung, es sei im Interesse aller, dass Offenheit gegenüber Innovationen auch mit Entschlossenheit bei der Regulierung einhergehe. Die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten habe eine Arbeitsgruppe zu dem Thema eingesetzt. Die Projektgruppe, in der Zentralbanken-Vertreter sitzen sollen, werde von EZB-Direktor Benoit Coeure geleitet.

Bitcoin und Libra: Geld ist leider dumm

Frankreich hat derzeit den Vorsitz in der G7-Staatengruppe. Die G7-Finanzminister und Notenbank-Gouverneure wollen am 17. Juli in Chantilly zusammenkommen. Facebooks Pläne waren in vielen Ländern auf Misstrauen gestoßen. Der Banken-Ausschuss des US-Senats setzte für den 16. Juli eine Anhörung dazu an. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire plädierte für eine stärkere Kontrolle von Technologiegiganten wie Facebook. Aus Sicht des EU-Abgeordneten Markus Ferber (CSU) sollten die Pläne für Libra Aufsichtsbehörden in Alarmbereitschaft versetzen.

Bitcoin wieder nahe 10.000 Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin setzt unterdessen ihre jüngste Rally fort. In der Nacht zum Freitag stieg der Bitcoin-Kurs um knapp fünf Prozent bis auf gut 9800 Dollar und damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2018. Die Digitalwährung befindet sich nach einer Schwächephase in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in einem seit Monaten andauernden Höhenflug.

Seit dem Zwischentief im Dezember legte der Kurs um mehr als 200 Prozent zu. Von ihrem Rekordhoch von 20 000 Dollar, das Ende 2017 erreicht wurde und dem ein heftiger Absturz folgte, ist die Digitalwährung aber noch weit entfernt.

la/reuters

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