Panne bei der Zentralbank Der EZB-Direktor, der zuerst seine Dinner-Freunde informierte

EZB-Direktor Coeuré: Erst die Investoren, dann der Markt

EZB-Direktor Coeuré: Erst die Investoren, dann der Markt

Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ Reuters

Fatale Kommunikationspanne bei der Europäischen Zentralbank: Am Dienstag bewegte die EZB mit Informationen über ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm die Märkte. Bereits am Montagabend, Stunden vor der offiziellen Veröffentlichung dieser Infos, erhielt jedoch ein Kreis ausgesuchter Investoren Kenntnis davon - und konnte sich am Markt entsprechend positionieren.

EZB-Direktor Benoît Coeuré höchstpersönlich setzte die Großanleger in Kenntnis. Der Rest des Marktes war da noch außen vor. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und es wurde von der EZB inzwischen bestätigt.

Die Einzelheiten: Am Dienstagmorgen informierte die EZB offiziell über geplante Änderungen am Anleihekaufprogramm. Im Zuge dieses Programms plant die Zentralbank in den kommenden Monaten, Staatsanleihen aus der Euro-Zone im Wert von mehr als einer Billion Euro zu erwerben. So soll vor allem den schwächelnden Euro-Staaten wirtschaftlich unter die Arme gegriffen werden. Zudem will die Zentralbank die Inflation in der Währungszone wieder anfachen. Monatlich sollen Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro vom Markt genommen werden - so der bisherige Plan.

Am Dienstagmorgen erklärte EZB-Direktor Coeuré jedoch der Öffentlichkeit, über die Sommermonate würde die Zentralbank stärker aufs Tempo drücken, sprich: Papiere in größerem Volumen kaufen.

An den Märkten ließ die Reaktion auf diese Botschaft nicht lange auf sich warten. Der Euro  geriet merklich unter Druck, Aktien und Anleihen dagegen setzten zum Höhenflug an. Schließlich gilt die Geldflut seitens der EZB ohnehin als eine der wichtigsten Grundlagen der derzeit hohen Aktienkurse. Auf der anderen Seite schwächt die riesige Menge an Euros, die die Bank auf den Markt wirft, den Wert der Währung.

Euro-Kurs am Montag und Dienstag: Der Experte von Bloomberg wies auf Twitter auf die markanten Ausschläge nach den Äußerungen von EZB Direktor Coeuré hin

Euro-Kurs am Montag und Dienstag: Der Experte von Bloomberg wies auf Twitter auf die markanten Ausschläge nach den Äußerungen von EZB Direktor Coeuré hin

Foto: Twitter / Maxime Sbaihi

Was jedoch erst jetzt herauskommt: Am Abend, bevor EZB-Direktor Coeuré die Kunde offiziell publizierte, war er mit einer Reihe bedeutender Investoren und Zentralbanker in London zum Dinner verabredet. Anlass war eine Konferenz, die zuvor stattgefunden hatte, und zu der ausschließlich geladene Gäste - etwa 125 an der Zahl - zugelassen waren.

Im Zuge dieses Dinners im Londoner Berkeley Hotel weihte Coeuré die Anwesenden bereits in die Pläne der EZB ein.

Die Folge: Die Investoren gewannen einen Informationsvorsprung, den sie zumindest zum Teil offenbar auch zu nutzen wussten, wie ein Blick auf den Chart des Euro-Kurse von Montag und Dienstag zeigt (siehe Abbildung oben).

Am Finanzmarkt sorgt diese asymmetrische Informationspolitik der EZB verständlicherweise für Unmut. "Wenn einige Marktteilnehmer zu anderen Zeiten informiert werden als andere, dann erscheint das unüberlegt", sagt etwa Frances Hudson, globaler Stratege bei Standard Life Investments in Edinburgh, mit einem Anlagevolumen von etwa 383 Milliarden Dollar. "Es wäre besser, die Veröffentlichungen zu synchronisieren, so dass jeder im Markt das Stück Information zur gleichen Zeit erhält."

Der durch die Ankündigung ausgelöste Run auf Aktien und Anleihen erfolgte unmittelbar nach einem zwischenzeitigen Mini-Crash am Bond-Markt, in dessen Zuge die Renditen deutscher Staatsanleihen sprunghaft angestiegen waren.

Die EZB erklärte inzwischen, die Veröffentlichung der Informationen sei nicht so geplant gewesen, wie sie erfolgte. Ursprünglich sollte demnach gleichzeitig mit den Dinner-Gästen in London auch der gesamte Markt informiert werden. Das sei jedoch an einem "prozessualen Fehler" gescheitert.

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