Sonntag, 26. Januar 2020

Wölbern-Prozess Professor Schulte und der unglaubliche Goldraub in der Schweiz

"Größte Peinlichkeit meines Lebens": Ex-Wölbern-Chef Schulte erzählte dem Gericht von einem Goldraub

Im Untreueprozess gegen Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte erzählte der Angeklagte vor Gericht am Donnerstag eine echte Räuberpistole: Gold im Wert von knapp einer Million Euro sei ihm 2012 in der Schweiz aus einem Auto gestohlen worden. Möglicher Täter: Der dritte Mann.

Hamburg - Eine abgelegene Gegend in der Schweiz, irgendwann im Jahr 2012. Ein Mann, vielleicht Ende 50, smarte Erscheinung, gräbt ein Loch, legt eine Reihe von Goldbarren hinein und schaufelt es wieder zu. Dann wirft er verschiedene Dokumente - Pässe, Führerschein, womöglich auch Kreditkarten - in ein Feuer, steigt in seinen Nobelsportwagen und braust davon in Richtung deutscher Grenze.

Wer am heutigen Donnerstag im Landgericht Hamburg den Prozess gegen Heinrich Maria Schulte, früherer Chef des Fondshauses Wölbern Invest, beobachtete, konnte durchaus solche Szenen vor dem inneren Auge haben. Schulte ist angeklagt wegen des Vorwurfs der gewerblichen Untreue in 360 Fällen. Insgesamt rund 147 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds von Wölbern Invest soll er zweckentfremdet haben, was der gelernte Mediziner bestreitet.

Am heutigen 16. Verhandlungstag wird der Hamburger Rechtsanwalt Tjark Thies, der als Insolvenzverwalter in mehreren Wölbern-Gesellschaften tätig ist, als Zeuge und Gutachter befragt. Das Gespräch zwischen Thies und dem vorsitzenden Richter Hartmut Loth verläuft eher schleppend, es geht um Gutachten, Berichte, gesellschaftliche Verflechtungen und verschiedene Finanzströme, die so oder so ähnlich schon an vorherigen Verhandlungstagen thematisiert wurden.

Bis Thies auf die Sache mit dem Gold Börsen-Chart zeigen zu sprechen kommt. Der Insolvenzverwalter bringt die Geschichte aus der Erinnerung zwar nicht mehr vollständig zusammen. Es geht jedoch um mehrere Goldbarren, so viel wird klar. Es geht auch um einen angeblichen Diebstahl im Ausland. Und es geht um eine ebenfalls involvierte "dritte Person", an deren Namen sich Thies aber nicht mehr genau erinnern kann.

Das Abenteuerlichste, das es im Schulte-Prozess bislang zu hören gab

Ein Goldraub? Im Ausland? Zudem ein unbekannter Dritter? Die Zuhörer werden hellhörig. Aber was genau ist da passiert?

Nachdem auch der Staatsanwalt dazu Fragen gestellt hat, sieht sich der Angeklagte am Ende der Verhandlung schließlich veranlasst, persönlich Stellung zu nehmen. Es folgt eine Schilderung der laut Schulte "größten Peinlichkeit" seines Lebens. Und das mit Sicherheit Abenteuerlichste, das es im Schulte-Prozess bislang zu hören gab.

Laut Schulte passierte folgendes:

Im Jahr 2012 hatte Wölbern Invest Schwierigkeiten, für den neu aufgelegten Fonds Deutschland 05 bei Anlegern ausreichend Geld einzusammeln. Es wurde daher ein Ausweichfinanzier gesucht und auch gefunden: Mit einem gewissen "Herrn Stein", sesshaft angeblich in Zürich, habe es Verhandlungen und mehrere Treffen gegeben, sagte Schulte im Gericht.

Dieser Herr Stein, so Schulte, war schließlich auch gewillt, die erforderlichen Gelder für den Fonds zur Verfügung zu stellen. Allerdings habe es zuvor noch einer "vertrauensbildenden Maßnahme" bedurft.

Vereinbart wurde daher - man möchte fragen: was läge näher? - ein Tauschgeschäft Gold gegen Geld: Barren im Wert von einer Million Euro sollte Schulte liefern, sagt er. Um sie in einem Parkhaus in der Schweiz an "Herrn Stein" zu übergeben.

Was macht also Professor Schulte?

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