Freitag, 20. September 2019

Skandal um Ex-Wölbern-Chef Schulte Heliskiing, Segeln und nach Bayreuth in die Oper

Segelyacht vom Typ "Oyster": So oder so ähnlich gefällt es Ex-Wölbern-Chef Schulte offenbar in seiner Freizeit

Neue Details aus dem Untreueprozess gegen Heinrich Maria Schulte: Für private Zwecke soll der Ex-Wölbern-Invest-Chef insgesamt 60 Millionen Euro aus Fonds seines Hauses verwendet haben. Ein Zeuge erläuterte heute dem Gericht, wo das Geld gelandet sein soll.

Hamburg - Im Prozess gegen Heinrich Maria Schulte, Ex-Chef des Fondshauses Wölbern Invest, ging es vor dem Landgericht Hamburg am heutigen Donnerstag ans Eingemachte. Auf dem Zeugenstuhl hatte ein Referent der Hamburger Staatsanwaltschaft Platz genommen, der maßgeblich an der Aufschlüsselung der Finanzströme im Hause Wölbern Invest beteiligt war. Genauer: Der Finanzströme zwischen August 2011 und September 2013. Während dieser Zeit soll Schulte laut Anklage insgesamt 147 Millionen Euro aus geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest veruntreut haben, was der Mediziner selbst bestreitet.

Die konkreten Zahlungsströme zwischen den Fondsgesellschaften, verschiedenen Wölbern-Firmen sowie weiteren Konten allerdings dürften unstrittig sein. Die Staatsanwaltschaft hat die Kontobewegungen anhand von Bankunterlagen offenbar penibel genau nachvollzogen und dokumentiert. Das geht aus der Klageschrift hervor, und es wurde am heutigen 13. Verhandlungstag im Gericht noch einmal deutlich.

Besonders spannend dabei: Insgesamt sollen von den aus Wölbern-Fonds entnommenen Geldern nicht weniger als 60 Millionen Euro für Zwecke verwendet worden sein, die dem Privatbereich des Angeklagten Schulte zuzurechnen sind. Allein gut 40 Millionen Euro landeten laut Staatsanwaltschaft direkt auf einem Konto, das auf Schultes Namen lief und deshalb von den Ermittlern als dessen Privatkonto eingestuft wird. Weitere 20 Millionen wurden über andere Wölbern-Konten für private Zwecke verendet, so der Referent der Staatsanwaltschaft vor Gericht.

Was sich dabei hinter der Umschreibung "private Zwecke" verbirgt, macht die folgende Auflistung deutlich - dies sind die wohl bemerkenswertesten und wichtigsten Einzelverwendungen, die die Anlegergelder von Wölbern Invest laut Staatsanwaltschaft letztendlich gefunden haben sollen:

  • Rund 26 Millionen Euro für die Anzahlung und für Sicherheiten der neu aufgelegten Wölbern-Immobilienfonds Frankreich 05 und Deutschland 05.
  • 7,5 Millionen Euro für die Begleichung einer Forderung des Bankhauses Wölbern im Jahr 2011, wegen derer Professor Schulte bereits eine Zwangsvollstreckung drohte (gegenüber manager magazin online hatte Wölbern Invest auf Anfrage Anfang 2013 explizit mitgeteilt, es sei kein Geld aus Fonds zur Abwendung einer Zwangsvollstreckung gegen Schulte verwendet worden).
  • Rund 1,2 Millionen Euro, um der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigeneine Provisionsforderung gegenüber der Wölbern Invest KG abzukaufen.
  • Mehrere Millionen Euro sollen als Finanzspritze in die Hamburger Medizin-Unternehmensgruppe Medivision ("Endokrinologikum") geflossen sein.
  • Mehrere hundert Tausend Euro sollen in jenes finnische Unternehmen Schultes gesteckt worden sein, das an der wiederholt im Prozess erwähnten Entwicklung eines Wirkstoffs gegen Blasenkrebs forschte.
  • Erwerb von Gold Börsen-Chart zeigenfür beinahe eine Million Euro.
  • 2,5 Millionen Euro gab Schulte nach Angaben des Referenten der Staatsanwaltschaft für Handwerkerrechnungen im Zusammenhang mit Baumaßnahmen an seiner Privatvilla an der Hamburger Elbchaussee aus.
  • Für die Nutzung von Privatflugzeug und Segelyacht (Typ "Oyster") wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft fast zwei Millionen Euro aufgewendet.
  • Auf den Kauf von Kunst und Schmuck entfallen laut Staatsanwaltschaft zusammen rund eine Million Euro.
  • Der Zeuge erwähnt eine Überweisung von 31.000 Euro mit dem Verwendungszweck Heliskiing (mit dem Hubschrauber auf den Berg, auf Skiern wieder runter).
  • Theater- und Opernbesuche (Bayreuth!) sollen Kosten von mehr als 11.000 Euro verursacht haben.

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