Donnerstag, 27. Februar 2020

Erste Sitzung der Zentralbank im neuen Jahr Was von der EZB im Jahr 2020 zu erwarten ist

Neue Herrin über die Zinsen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde leitet am Donnerstag die erste Ratssitzung 2020.

Neues Jahr, neue Präsidentin, und bald wohl auch eine neue Strategie - am heutigen Donnerstag kommt in Frankfurt erstmals 2020 der Rat der Europäischen Zentralbank zusammen. Ein passender Anlass also, sich die Aktivitäten der Notenbank einmal genauer anzuschauen: Was ist in diesem Jahr eigentlich von der EZB zu erwarten?

Kurzer Rückblick: Zuletzt machte die EZB im September 2019 größer von sich reden, unter dem damals noch amtierenden Präsidenten Mario Draghi. Seinerzeit beschlossen die Währungshüter, einmal mehr tief in ihren Werkzeugkasten zu greifen, um den ihrer Ansicht nach bestehenden Abwärtsrisiken für die Euro-Konjunktur entgegenzutreten. Zwar ließen Draghi und Co den EZB-Leitzins unverändert bei 0 Prozent, auf dem Niveau also, auf dem sich der Zins bereits seit einigen Jahren und auch heute noch befindet. Sie senkten jedoch den Strafzins für Banken, die Gelder bei der Zentralbank parken, weiter von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent.

Zudem setzten die Zentralbanker im September ihre milliardenschweren Anleihekäufe wieder in Gang. Ende 2018 hatte die EZB ihr Kaufprogramm, in dessen Zuge sie seit 2015 Wertpapiere im Wert von rund 2,6 Billionen Euro gekauft hatte, zwar eingestellt. Im Herbst 2019 folgte dann jedoch die Kehrtwende. Seither kann die Notenbank wieder monatlich bis zu 20 Milliarden Euro in Anleihen stecken.

Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi übergab seiner Nachfolgerin Christine Lagarde also ein Institut, dessen Geldschleusen weit offen standen. Und er überließ ihr alle Optionen, diese Geldpolitik auf die eine oder andere Weise fortzusetzen. Eine sehr expansive Geldpolitik sei für längere Zeit nötig, sagte Draghi. Die EZB sei allerdings auch bereit, ihre geldpolitischen Instrumente "falls nötig anzupassen".

Wie wird Lagarde also mit diesem Erbe umgehen?

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