Freitag, 18. Oktober 2019

Zentralbank passt Ausblick an EZB deutet noch niedrigere Zinsen an

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank. Die Notenbank stellt aber wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten die Weichen in Richtung Zinssenkung.

Die Europäische Zentralbank öffnet angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Europas Währungshüter gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder "darunter" bleiben werden, teilte die Notenbank am Donnerstag im Anschluss an eine Ratssitzung in Frankfurt mit.

Eine von Sparern erhoffte und von Kreditnehmern befürchtete Zinswende rückt damit in die Ferne. Zugleich bekräftigte die Notenbank, ihre Bereitschaft, alle Instrumente einzusetzen, sollte sich der Inflationsausblick weiter verschlechtern.

Die Aussicht auf weiter billiges Notenbank-Gelde lockte die Aktienanleger. Der Dax Börsen-Chart zeigen baute am frühen Nachmittag seine Gewinne auf 0,6 Prozent aus, der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen kletterte sogar um bis zu 1,1 Prozent auf ein 14-Monats-Hoch. Der Euro Börsen-Chart zeigen fiel dagegen auf 1,1112 von 1,1140 Dollar.

Die Währungshüter deuteten am Donnerstag in ihrem neuen Ausblick die Möglichkeit noch tieferer Schlüsselzinsen bis Mitte 2020 an. Laut ihrer bisherigen Prognose wollte die EZB bis dahin nicht an den Schlüsselsätzen rütteln. Zudem beauftrage die Notenbank ihre Ausschüsse, alle Optionen zu prüfen, darunter Staffelzinsen sowie erneute Anleihenkäufe.

Den Leitzins beließen die Währungshüter auf dem Rekordtief von null Prozent. Banken erhalten somit frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Auch an den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, rüttelte die Notenbank nicht - vorerst jedenfalls.


Lesen Sie den Kommentar:
Draghi drängt Anleger ins Risiko

Zinsen: Unglaubliche Zeiten


Beobachter rechnen aber damit, dass die EZB auf einer der letzten Ratssitzungen unter ihrem Ende Oktober scheidenden Präsidenten Draghi den Strafzins erhöhen könnte. Um die Banken nicht zu sehr zu belasten sollen Optionen geprüft werden, darunter den Strafzins auf geparktes Geld möglicherweise zu staffeln. An den Börsen wird bereits fest damit gerechnet, dass die Währungshüter den sogenannten Einlagensatz im September weiter in den negativen Bereich drücken. Seit 2014 müssen Geldhäuser auf ihre Einlagen bei der EZB Strafzinsen zahlen.

Oberstes Ziel der EZB ist eine mittelfristige Teuerungsrate weit genug entfernt von der Nullmarke. EZB-Chef Mario Draghi hatte schon im Juni eine weitere Lockerung der Geldpolitik signalisiert, sollte die Inflation nicht anziehen.

Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft. Im Juni lag die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum bei 1,3 Prozent.

Den Kauf frischer Staats- und Unternehmensanleihen hatte die EZB Ende vergangenen Jahres beendet. Die Gelder aus auslaufenden Papieren werden aber vorerst wieder investiert. Seit längerem wird spekuliert, Europas Währungshüter könnten das vor allem in Deutschland umstrittene Programm wieder aufnehmen. Seit Beginn der Anleihenkäufe im März 2015 bis Ende 2018 hatte die Notenbank Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben.

rei/Reuters/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung