Munich Re will Sparte mit Lebensversicherungen verkaufen Die Geduld mit der Ergo Leben ist erschöpft

Stillgelegt sind sie schon, jetzt stehen sie zum Verkauf. Ergo will sich von sechs Millionen Lebensversicherungen und fast genauso viel Kunden trennen. Die Geduld des Mutterkonzerns Munich Re unter ihrem neuen Chef ist offensichtlich am Ende.
Das Lebensversicherungsgeschäft der Munich-Re-Tochter Ergo bereitet dem Mutterkonzern keine Freude mehr

Das Lebensversicherungsgeschäft der Munich-Re-Tochter Ergo bereitet dem Mutterkonzern keine Freude mehr

Foto: DPA

Nun also doch: Die Ergo will sich vom Lebensversicherungsgeschäft trennen - genauer gesagt der Ergo Leben und Victoria Leben. Sechs Millionen Policen und rund 56 Milliarden Euro Kapitalanlagen stehen damit vor dem Verkauf. Eine "tragfähige Lösung" und einen "attraktiven Preis" wolle man erzielen und teste jetzt am Markt dafür das Interesse, wie die Münchener-Rück-Erstversicherungstochter am Dienstagabend in Düsseldorf mitteilte.

Was das für die noch rund 1000 Beschäftigten heißt, wenn sie womöglich an eine Abwicklungsplattform oder einen Hedgefonds verkauft werden, ist noch völlig unklar. Aber vermutlich nichts Gutes, denn dann geht es vor allem darum, die Kosten weiter zu drücken. Laut "Süddeutsche Zeitung " taxieren Experten den möglichen Verkaufserlös auf gut 1 Milliarde Euro. Zu Kaufinteressenten sollen chinesische und britische Investoren sowie US-Hedgefonds zählen.

Die beiden Leben-Töchter schreiben kein Neugeschäft mehr. Die Victoria Leben stellte es 2010 ein, bei der Ergo Leben zog der neue Chef Markus Rieß 2016 die Reißleine. Man werde die Verträge in eigener Regie zu Ende führen, hieß es seinerzeit. Man kokettierte gar damit, sich als Abwicklungsplattform auch für andere Lebensversicherer anzudienen, die sich von ihren Beständen trennen möchten oder müssen.

Das Neugeschäft ist bereits eingestellt

Die aus der Hamburg Mannheimer einst hervorgegangene Ergo Leben sitzt aber nach wie vor auf einem erheblichen Bestand höher verzinster Policen, für die der Konzern nicht unerhebliche Reserven und Rückstellungen bilden muss. Das bindet Kapital und belastet die Bilanz.

Zugleich wird die Erstversicherungstochter Ergo nicht zuletzt wegen ihres Lebensversicherungsgeschäfts den Mutterkonzern Munich Re weiter viel Geld kosten. Von rund eine Milliarde Euro notwendiger Investitionen bis zum Jahr 2020 war im Frühjahr noch die Rede. Das Geld dürfte der seit April 2017 amtierende neue Munich-Re-Chef Joachim Wenning in Zukunft wahrscheinlich woanders besser angelegt sehen.

Zwar kehrte die Ergo im zweiten Quartal dank einer Steuergutschrift wieder in die Gewinnzone zurück. Doch dürfte die Geduld Wennings, die Ergo als "Bremsklotz" in einer langen Hängepartie weiter durchzufüttern, zuletzt weiter gesunken sein. Schließlich musste der Mutterkonzern im gleichen Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen und stellte zuletzt wegen zu erwartender Belastungen durch die verheerenden Wirbelstürme in der Karibik das Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr in Frage.

Munich-Re-Chef warnte bereits - Experten rechnen mit weiteren Verkäufen

Eine unmissverständliche Warnung an die Ergo sprach der Munich-Re-Chef zuletzt im April aus: "Bei der Ergo könnten wir theoretisch den Fehler begehen und sagen: Wenn Ergo nicht liefert, wir zahlen immer. Das machen wir nicht ... ", hatte Wenning im SZ-Interview erklärt. Jetzt ist die Geduld der Münchener offenbar erschöpft, sollen sechs Millionen Verträge und fast genauso viele Kunden ihren Besitzer wechseln.

Die Ergo ist dabei kein Einzelfall. Ende Juni wurde der Verkauf der Arag-Bestände an die Frankfurter Leben genehmigt, womit sich zu diesem Zeitpunkt bereits fünf deutsche Lebensversicherer in Abwicklung befanden.

Lebensversicherern kommt dabei zugute, dass die Abwicklung ganzer Bestände mittlerweile immer mehr Akteure anlockt. Finanzinvestoren haben sich auf diesen "Run-off" spezialisiert und versprechen, die Verträge für die Kunden kostengünstiger weiterzuführen.

Immer mehr Lebensversicherungen ein Fall für den Abwickler

Die Ratingexperten von Fitch erwarten, dass in den kommenden fünf Jahren immer mehr deutsche Lebensversicherer ihre Bestände oder Teile davon abwickeln und zugleich das Neugeschäft einstellen werden. Bis zum Jahr 2022 könnte das Run-off-Volumen von heute 90 Milliarden Euro auf dann 150 Milliarden Euro zulegen.

Ob sich das für die Kunden immer auszahlt, steht eher zu bezweifeln. Schließlich spürt der neue Besitzer der Lebensversicherungen wegen des eingestellten Neugeschäfts bei den Überschussbeteiligungen keinen Wettbewerbsdruck mehr. Er lässt die Policen einfach auslaufen.

Zumindest sollten die Kunden aber darauf vertrauen dürfen, dass sie beim Besitzerwechsel nicht schlechter gestellt werden. Das zu überwachen, verspricht jedenfalls die Versicherungsaufsicht.

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