Energiewende Strompreise sinken auf breiter Front

Erstmals seit Beginn der Energiewende senken die Versorger flächendeckend die Strompreise. Nach langem Zögern geben Vattenfall, EnBW und Co. die niedrigeren Preise für Börsenstrom an Millionen Privatkunden weiter. Die Chancen, dass der Rückgang Bestand hat, stehen gut.
Strom wird billiger - die Zeit großer Preissprünge ist offenbar vorbei

Strom wird billiger - die Zeit großer Preissprünge ist offenbar vorbei

Foto: Armin Weigel/ dpa

Hamburg - Die Zeit massiver Strompreis-Erhöhungen ist in Deutschland offenbar vorerst vorbei: Zum Jahreswechsel verbilligen die Versorger Elektrizität auf breiter Front.

Bisher haben 76 Grundversorger angekündigt, die Preise zu senken - im Schnitt um 2,5 Prozent. Das hat eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox ergeben, die manager magazin vorliegt. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt spare etwa 30 Euro im Jahr, heißt es bei Verivox. Betroffen sind Gebiete mit 11,5 Millionen Haushalten.

Noch bis zum Donnerstag kommender Woche können Anbieter Preisänderungen für den Jahreswechsel anmelden. Nur drei Grundversorger haben bisher höhere Preise angekündigt - für ein Gebiete mit lediglich 30.000 Haushalten.

Wendepunkt für die Energiewende?

Es ist das erste Mal seit Beginn der Energiewende, dass Versorger flächendeckend die Preise senken. Seit dem Jahr 2000 hatte sich der Strompreis für Privatkunden verdoppelt - wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien, höherer Steuern und hoher Vertriebsmargen. Noch vor einigen Monaten waren viele Wirtschaftsvertreter sowie Medien  davon ausgegangen, dass Strom auf absehbare Zeit immer teurer werde.

Branchenkenner machen nun vor allem die gesunkenen Börsenpreise für die Entwicklung verantwortlich. "Die Versorger konnten sich nicht länger rausreden", sagt Energieexperte Felix Matthes vom Öko-Institut gegenüber manager magazin.

Schon in den vergangenen Jahren war Elektrizität an der Börse deutlich billiger geworden. Die meisten Anbieter hatten jedoch argumentiert, sie seien an langfristige Lieferverträge gebunden und könnten ihre Kunden nicht an der Entwicklung teilhaben lassen.

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Größte Preissenkung in Baden-Württemberg

Auch die leicht gesunkene Ökostromumlagetrug zum Preisrückgang bei. Sie geht zum Jahreswechsel um 0,07 Cent auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde zurück.

Zu den Versorgern, die nun den Preis senken, gehören Vattenfall (0,6 Prozent) und EnBW  (minus 1,4 Prozent). RWE und Eon haben sich noch nicht geäußert. Am deutlichsten profitieren Kunden der Albstadtwerke in Albstadt (Baden-Württemberg) mit minus 6,4 Prozent.

Nach Ansicht von Matthes ist die Zeit der großen Strompreiserhöhungen wegen der Energiewende nun vorbei: "Die kommenden zwei bis drei Jahre bleiben die Preise stabil." Zwar könnten einzelne Abgaben wie die EEG-Umlage oder die Netzentgelte steigen. Doch der Effekt sinkender Börsenstrom-Preise gleiche dies aus.

Etwas Luft für Bundeswirtschaftsminister Gabriel

Erst nach 2017, wenn weitere Offshore-Windparks die Ökostrom-Umlage erhöhen, werde Strom für die Privathaushalte wieder etwas teurer, sagt Matthes. "Aber Strompreissteigerungen wie in den vergangenen Jahren werden wir nicht mehr sehen."

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erhält bei der Energiewende nun etwas Luft. Er sorgt sich vor allem um die Energiekosten für die Industrie.

Für energieintensive Firmen, die von staatlichen Abgaben weitgehend befreit sind, hatte sich die Lage wegen der niedrigen Börsenpreise bereits deutlich entspannt. Wenn nun auch Privathaushalte und kleinere Unternehmen profitieren, dürfte der Druck auf Gabriel sinken, die Abgaben Rabatte für die Großindustrie zu kürzen.

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