Freitag, 19. Juli 2019

Fast 700 Arbeitsplätze betroffen Wölbern-Anlageskandal treibt Medizin-Unternehmen in die Insolvenz

Millionenschwere Bürgschaften: Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte lässt hunderte Medizin-Mitarbeiter zittern
Wölbern Invest
Millionenschwere Bürgschaften: Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte lässt hunderte Medizin-Mitarbeiter zittern

2. Teil: Schulte soll Gesellschafterkreis verlassen

Als nächstes, so Frieling in der Mail weiter, werde ein Konzept entwickelt, um einen neuen Eigentümer und Finanzier zu finden. Hilfreich sei dabei die gute Geschäftsentwicklung, mit einem Umsatzplus im dritten Quartal von 4 Prozent und einem Wachstum auf Jahresbasis von 9 Prozent. Auch Insolvenzverwalter Münzel & Böhm stellt in seiner Mitteilung fest: "Alle Unternehmen sind kerngesund." Gegenüber manager magazin online teilt die Kanzlei mit, es gebe jede Menge Interessenten für das Investment. Das Auswahlverfahren solle diese Woche beginnen.

Nach Informationen von manager magazin online hofft das Endokrinologikum auf eine Kapitalspritze von einem neuen Geldgeber im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Zwei von drei bisherigen Gesellschaftern streben zudem an, auch nach dem Einstieg eines neuen Investors an dem Medizinverbund beteiligt zu bleiben und den Betrieb wie bisher weiterzuführen. Dabei handelt es sich um Geschäftsführer und Mediziner Frieling, der gegenwärtig 34 Prozent der Anteile hält, sowie dessen Kompagnon Michael Späth, ebenfalls Mediziner, mit 10 Prozent der Anteile.

Wölbern-Chef Schulte dagegen soll den Gesellschafterkreis verlassen. In der Mail Frielings klingt deutlich an, dass man sich eine Zukunft mit dem der Untreue verdächtigen Emissionshauschef nicht vorstellen kann. Aus dem Endokrinologikum ist zudem deutlicher Unmut zu hören. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die Schultes Umtriebe im Fondsgeschäft erzeugt hätten, schadeten der medizinischen Unternehmensgruppe, heißt es. Dabei habe das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

Auch der Insolvenzverwalter teilt dazu auf Nachfrage sybillinisch mit, bei einem solchen Verfahren liege es in der Natur der Sache, dass es zu Umstrukturierungen im Gesellschafterkreis komme. Der umstrittene Hauptgesellschafter Schulte war für eine Stellungnahme zu den Vorgängen nicht zu erreichen.

Staatsanwälte brauchen noch Zeit

Zum Hintergrund: Am 23. September führten staatliche Ermittler Durchsuchungen in den Geschäftsräumen des Fondsanbieters Wölbern Invest in der Hamburger Hafencity sowie in privaten Räumen von Wölbern-Invest-Inhaber und Chef Heinrich Maria Schulte durch.. manager magazin online berichtete über die Ereignisse exklusiv. Schulte selbst wurde am gleichen Tag verhaftet, sein gesamtes Vermögen eingefroren.

Der Mediziner und Fondshausbesitzer soll aus Immobilienfonds seines Unternehmens insgesamt 137 Millionen Euro unrechtmäßig abgezweigt haben. 37 Millionen Euro davon seien an Schulte privat geflossen, so der Vorwurf der Staatsanwälte. Schulte war für eine Stellungnahme dazu bislang nicht zu erreichen. Er hat die Vorwürfe aber schon früher mehrfach zurückgewiesen.

Nach wie vor sitzt der Wölbern-Invest-Chef in Untersuchungshaft. Ob Schultes Verpflichtungen bei Medivision bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eine Rolle spielen, wollte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage nicht kommentieren. Es sei noch zu früh, um Detailfragen zu beantworten, hieß es. Noch würden die bei der Razzia gewonnenen Informationen ausgewertet, was aufgrund des Umfang einige Zeit dauern könne, sagte die Sprecherin.

Hintergrund: Anlageskandal bei Wölbern Invest - die ganze Geschichte

Exklusive Bilder: Die Razzia bei Wölbern Invest in der Hamburger Hafencity

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