Mittwoch, 26. Juni 2019

Paul Singer und weiterer Investor machen Druck Hedgefonds fordern Aufspaltung von Ebay - Aktie hebt ab

Paul Singer "verordnet" Ebay einen Fünf-Punkte-Plan

Vier Jahre liegt die nicht ganz unfreiwillige Trennung von dem schneller wachsenden Bezahldienst Paypal zurück. Schon damals machten Finanzinvestoren Druck. Seitdem arbeitet die einstige Konzernmutter Ebay an ihrem Versprechen, sich im Zeitalter des allgegenwärtigen und übermächtigen Wettbewerbers Amazon neu zu erfinden. Einigen Investoren geht das offenbar viel zu langsam. Erneut drängen sie den Online-Marktplatz, sich weiter aufzuteilen.

So gibt der US-Hedgefonds Elliott in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an das Ebay-Management mehrere "dringend erforderliche" Schritte vor, um den Wert des Unternehmens deutlich zu steigern. Der Fonds des Investors Paul Singer hält nach eigenen Angaben mehr als 4 Prozent der Anteile an der Onlineplattform. Die Aktie von Ebay kletterte an der US-Technologiebörse Nasdaq in der Spitze mehr als 10 Prozent.

In dem Brief fordert Elliot laut Bloomberg unter anderem, sich von StubHub und Ebay Classifieds Group zu trennen. StubHub ist ein Onlinemarktplatz für den An- und Verkauf von Tickets für Konzerte, Theater und Sportveranstaltungen. Ebay Classifieds Group umfasst mehrere Marken wie etwa Ebay Kleinanzeigen. Beide Bereiche arbeiten profitabel. Setze Ebay den geforderten Plan um, könne das Unternehmen seinen Wert um 75 bis 100 Prozent steigern, ist Elliott überzeugt.

Elliott steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Mit dem New Yorker Hedgefonds Starboard Value LP hat Singer offenbar einen zweiten Investor gefunden, der seit Monaten im Gespräch mit dem Ebay-Management sei und es ebenfalls dazu drängt, Geschäftsteile wie das Kleinanzeigengeschäft abzuspalten. Laut Bloomberg soll Value LP eine Position von weniger als 4 Prozent an Ebay aufgebaut haben.

Die Online-Plattform um Ebay-Chef Devin Wenig reagierte am Dienstag verhalten auf den Vorstoß seiner aktivistischen Anteilseigner. Man werde die Vorschläge "sorgfältig prüfen und bewerten", heißt es in einer Antwort, die Bloomberg vorliegt.


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Trotz zuletzt guter Geschäftszahlen waren Sorgen laut geworden, dass Ebay mit den Verkaufsplattformen von Amazon oder des weltgrößten Einzelhändlers Walmart künftig nicht mehr mithalten kann. Insbesondere mit Amazon steht Ebay im scharfen Wettbewerb.

Amazon hat mehr Kunden, wickelt mehr Verkäufe ab und wächst auch schneller als Ebay. Zuletzt verstärkte Ebay seine Werbung und veränderte das Einkauferlebnis auf seiner Plattform, um neue Kunden auf die Website zu locken. Auch versucht sich der Konzern mit Sitz in San Jose (Kalifornien) ganz bewusst von seinem Wettbewerber in Seattle (Bundesstaat Washington) abzugrenzen.

Beide sind auf unabhängige Händler angewiesen, die auf ihren Plattformen verkaufen. Ebay agiert aber als reiner Marktplatz und muss nicht wie Amazon mit eigenen Händler auf der eigenen Plattform konkurrieren.

Wie wichtig die Händler für beide Plattformen sind zeigt sich auch darin, dass Ebay Amazon im Oktober vergangenen Jahres verklagt hatte, weil der Konkurrent angeblich in großem Stil auf illegale Weise Top-Verkäufer abwerben und auf seine Plattform locken wollte.

Elliott beteiligt sich immer wieder an Unternehmen, drängt sie in der Folge zu einer anderen Geschäftspolitik oder zur Abspaltung von Geschäftsteilen. In Deutschland sorgte Paul Singer zuletzt etwa mit seinen Beteiligungen am Industriekonzern Thyssenkrupp , dem Anlagenbauer Gea Group und dem Pharma- und Agrarchemie-Konzern Bayer für Schlagzeilen.

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