Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nach Drohnenangriff in Saudi-Arabien Ölversorgung "gesichert" ++ Bangen um Börsengang von Aramco

Brennende Ölraffinerie von Saudi-Aramco (links im Bild, Nasa Aufnahme aus dem All): USA halten Iran für den Initiator der Drohnenangriffe
NASA Worldview /AFP
Brennende Ölraffinerie von Saudi-Aramco (links im Bild, Nasa Aufnahme aus dem All): USA halten Iran für den Initiator der Drohnenangriffe

Der Drohnenangriff auf die größte Erdölraffinerie Saudi-Arabiens sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten und in der Politik. Die USA drohen mit Vergeltung - und nehmen Iran in den Blick. Lesen Sie die wichtigsten News dazu im Ticker.

16.30 Uhr: Bei den Angriffen auf zwei Öl-Anlagen in Saudi-Arabien sind nach Angaben der im Jemen kämpfenden Militärkoalition Waffen aus dem Iran zum Einsatz gekommen. Bei der noch laufenden Untersuchung deute alles darauf hin, "dass die Waffen, die bei beiden Angriffen genutzt wurden, aus dem Iran stammten", erklärte der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, Turki al-Maliki. Nun werde untersucht, von wo aus die Waffen abgefeuert wurden. Die mutmaßlichen Drohnenangriffe auf zwei Anlagen des Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten Saudi-Arabiens waren am Samstag erfolgt. Zu den Attacken bekannten sich die Huthi-Rebellen aus dem Nachbarland.

15.45 Uhr: Ungeachtet der derzeitigen geopolitischen Lage hält die Mineralölwirtschaft die Ölversorgung in Deutschland "im vollen Umfang" für gesichert. Engpässe bei Mineralölprodukten, vor allem Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin, "sind nicht zu befürchten", teilte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) mit. Demnach bezog Deutschland im vergangenen Jahr gerade einmal 1,7 Prozent seiner Ölimporte aus Saudi-Arabien, im ersten Quartal 2019 waren es 0,8 Prozent. Dem MWV zufolge bezieht die Bundesrepublik Öl aus rund 30 Ländern, vor allem aus Russland. Diese Importe betrugen 2018 rund 85 Millionen Tonnen.

15 Uhr: Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien stellen einen baldigen Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Frage. Wie das "Wall Street Journal" am Montag berichtete, diskutieren die Offiziellen in Riad angesichts des Anschlags vom Wochenende, den Börsengang vorläufig zu verschieben. Die Verantwortlichen wollen zunächst wissen, wie groß der Schaden tatsächlich ist, bevor sie ihre Börsenpläne weiter vorantreiben, so die Zeitung. Erst vergangene Woche hatte Bloomberg eingeweihte Personen mit der Aussage zitiert, dass das Unternehmen in diesen Tagen Gespräche mit Banken führen wolle. So sollte es möglicherweise schon Ende September eine Präsentation für Analysten geben. So gebe es Pläne, Aktien von Aramco noch in diesem Jahr, wahrscheinlich im November an der Börse in Saudi-Arabien zu verkaufen. Aramco hatte sich auf Anfrage von Bloomberg dazu nicht äußern wollen. Einen Termin für den Börsengang gibt es offiziell noch nicht.

14 Uhr: Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Fed auch wegen der jüngsten Preissprünge am Ölmarkt zu einer Zinssenkung aufgefordert. Es brauche eine "große" Senkung des Leitzinses und weitere Schritte, um die Wirtschaft anzukurbeln, forderte Trump am Montag auf Twitter. Seine Aufforderung kam nur zwei Tage vor der nächsten Entscheidung der Zentralbank zur Höhe des Leitzinses. Trump bezeichnete die Notenbank und deren Chef Jerome Powell auch erneut als "ahnungslos". Trump fordert seit langem niedrigere Zinsen.

13 Uhr: Iranische Revolutionsgarden (IRGC) haben nach eigenen Angaben im Persischen Golf ein Schiff mit 250.000 Litern illegalem Öl an Bord beschlagnahmt. Alle Schmuggler am Bord seien festgenommen worden, teilten die IRGC am Montag auf ihrer Website weiter mit. Die Schmuggler hatten das Öl demnach von mehreren Schlepperschiffen in der Sang-Salameh-Region auf das Schiff geladen, seien aber von der IRGC-Küstenwache gestoppt, festgenommen und der Polizei übergeben worden. Details über das Schiff und Nationalität der Besatzungsmitglieder gaben die IRGC nicht bekannt. Im Persischen Golf gibt es immer wieder Schiffe und Boote, die illegal Öl und Gasöl in die benachbarten arabischen Golfstaaten schmuggeln.

12.15 Uhr: Der saudiarabisch Ölkonzern Aramco muss nach den Drohnenangriffen auf seine Anlagen höhere Zinsen zahlen. Die Rendite der Anleihe mit Laufzeit bis 2049 steigt in der Spitze auf 4,057 Prozent, das ist so viel wie seit sechs Wochen nicht mehr.

10.45 Uhr: Die Huthi-Rebellen im Jemen drohen mit weiteren Angriffen auf die saudiarabische Ölindustrie. Die Anlagen des staatlichen Öl-Konzerns Aramco seien nach wie vor ein Ziel, erklärte die Miliz am Montag. Sie könnten jederzeit angegriffen werden. Die Huthi haben die Angriffe am Samstag auf zwei Ölraffinerien in Saudi-Arabien für sich reklamiert. Sie seien mit Drohnen verübt worden, die mit normalen und mit Düsenantrieben ausgestattet gewesen seien, teilte ein Sprecher der Aufständischen via Twitter mit. Er forderte Saudi-Arabien auf, seine "Aggression und Blockade des Jemen" zu beenden. Die USA vermuten, dass der Huthi-Verbündete Iran hinter den Angriffe steckt. Die Islamische Republik weist die Vorwrfe zurück. Im Bürgerkriegsland Jemen kämpft ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis gegen die Huthis.

10.15 Uhr: Der Drohnen-Angriff auf die Ölanlage von Saudi-Aramco am Samstag hat zu dem größten Preissprung von Brent-Öl seit dem Golfkrieg geführt. Wie stark die Erdölpreise in den folgenden Tagen reagieren werden, hängt nach Einschätzung der Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie von Goldman Sachs. Den deutlichsten Preisanstieg erwarten die Goldman-Experten, falls der gegenwärtige Produktionsausfall von etwa 5,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) länger als sechs Wochen anhalten sollte. In diesem Fall sei zum einen damit zu rechnen, dass die Industrieländer ihre strategischen Ölreserven anzapfen. Zudem dürfte der europäische Brent-Ölpreis auf über 75 US-Dollar steigen.

Am Montag kostete ein Barrel Nordseeöl gut 65 Dollar - rund fünf Dollar oder knapp neun Prozent mehr als am Freitag. Sollte der Ausfall in Saudi-Arabien dagegen nur kurz anhalten, beispielsweise eine Woche, würde sich nach Einschätzung der Experten die Risikoprämie am Rohölmarkt moderat erhöhen. Erwartet wird ein Anstieg um etwa drei bis fünf Dollar je Barrel. Bei einem Ausfall zwischen zwei und sechs Wochen wird ein etwas stärkerer Preisanstieg erwartet.

9.45 Uhr: Der Preissprung bei der Nordsee-Ölsorte Brent ermuntert Anleger zum Einstieg bei europäischen Ölwerten. Die Aktien der Förderer BP, OMV, Repsol, Shell und Total steigen um bis zu 3,9 Prozent. Die Papiere von Dienstleistern wie Schoeller Bleckmann, Saipem oder Petrofac gewinnen ähnlich stark. Auch die Aktie von BASF, die über ihre Tochter Wintershall im Ölgeschäft aktiv ist, profitiert.

08.12 Uhr: Die wachsenden Spannungen in der Golf-Region nach dem Angriff auf saudiarabische Öl-Anlagen machen Anleger nervös. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuert sich um 1,6 Prozent auf 1511,91 Dollar je Feinunze.

Lehnt Treffen mit Trump ab: Irans Präsident Rohani
Iranian Presidency/ Anadolu Agency/ Getty Images
Lehnt Treffen mit Trump ab: Irans Präsident Rohani

9.10 Uhr: Irans Präsident Hassan Rohani will seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump am Rande der nächsten UN-Vollversammlung in New York nicht treffen. "Weder steht ein solches Ereignis an, noch wird es stattfinden", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Abbas Mousavi, am Montag im staatlichen Fernsehen und schob hinterher: "Ein solches Treffen wird es nicht geben." Teheran hat ein solches Treffen wiederholt abgelehnt. Das Weiße Haus hatte am Sonntag die Möglichkeit für ein Treffen nicht ausgeschlossen. Die Islamische Republik wies zuvor erneut Vorwürfe aus den USA zurück, für die Angriffe auf saudiarabische Ölanlagen verantwortlich zu sein. "Diese Anschuldigungen werden als inakzeptabel und völlig unbegründet verurteilt", sagte Außenamtssprecher Mousavi. Am Sonntag hatte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter erklärt, der Iran stecke hinter dem Angriff auf die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt.

9.00 Uhr: Der Dax Börsen-Chart zeigen eröffnet mit Verlusten. Der deutsche Leitindex fällt wieder unter die Marke von 12.400 Punkten zurück.

8.00 Uhr: Die Luftangriffe auf wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien sind der US-Regierung zufolge eher aus dem Iran oder Irak und nicht aus dem Jemen verübt worden. Auf Satellitenaufnahmen seien mindestens 17 Einschläge zu erkennen und diese seien durch Angriffe aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung verursacht worden, berichtete die "The New York Times" am Sonntag (Ortszeit) nach einem Hintergrundgespräch mit US-Regierungsbeamten. Dies passe eher zu Angriffen aus dem nördlichen Persischen Golf, also dem Irak oder Iran, als zu Angriffen aus dem südlich von Saudi-Arabien gelegenen Jemen. Die jemenitischen Huthi-Rebellen hatten sich am Samstag zu den Angriffen bekannt.

Außerdem deute die Kombination aus vielen Drohnen und Raketen auf einen Grad an Umfang, Präzision und Finesse hin, der über die Fähigkeiten der Huthi-Rebellen allein hinausgehe, zitierte das Blatt einen US-Regierungsbeamten. US-Außenminister Mike Pompeo hat den Iran direkt für die Angriffe verantwortlich gemacht. Die Führung in Teheran bestreitet vehement jede Tatbeteiligung. Saudi-Arabien bezeichnete die Angriffe als "Terrorakt", hat aber den Iran bislang nicht direkt beschuldigt.

07.55 Uhr: Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie Saudi Arabiens hat US-Präsident Donald Trump den Urhebern mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Trump machte allerdings keine Angaben dazu, wen die USA für den Urheber des Angriffs halten. Sein Außenminister hingegen hatte sich am Wochenende ziemlich klar positioniert. Trump schrieb auf Twitter: "Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen." Die USA stünden Gewehr bei Fuß ("locked and loaded"), warteten aber auf eine Bestätigung und auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache und unter welchen Bedingungen vorgegangen werden solle.

Lufthansa: Aktie stark unter Druck
Silas Stein/ DPA
Lufthansa: Aktie stark unter Druck

07.49 Uhr: Drohende zusätzliche finanzielle Belastungen durch den Ölpreis-Anstieg setzen Lufthansa Börsen-Chart zeigen zu. Die Aktien verlieren vorbörslich 3,3 Prozent, weil Treibstoff der Hauptkosten-Faktor für Fluggesellschaften ist. Der Dax Börsen-Chart zeigen wird ebenfalls deutlich niedriger erwartet.

07.46 Uhr: Der Preissprung des wichtigen Handelsgutes Rohöl gibt den Währungen von Exportländern wie Kanada und Russland Auftrieb. Im Gegenzug verbilligt sich der Dollar um jeweils ein knappes Prozent auf 1,3204 kanadische Dollar und 63,7940 Rubel.

07.39 Uhr: Aus Furcht vor Liefer-Ausfällen nach den Angriffen auf Öl-Anlagen in Saudi-Arabien decken sich Anleger panikartig mit Rohöl ein. Die Verknappung des weltweiten Öl-Angebots hat den Ölpreis auf den höchsten Stand seit sechs Monaten getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um zehn Prozent auf 66,51 Dollar, ein Barrel US-Leitöl um neun Prozent auf 59,96 Dollar, nachdem die Produktion in zwei saudischen Ölförderanlagen nach Drohnenangriffen gedrosselt werden musste. Der Ausfall betrifft rund fünf Prozent des weltweiten Ölangebots.

07.30 Uhr: Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen hat sich zu Wochenbeginn kaum von der Stelle bewegt. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1070 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1096 Dollar festgesetzt. Kursgewinne verbuchten dagegen der japanische Yen, der Schweizer Franken und einige Währungen von Ländern mit starker Rohölförderung.

07.10 Uhr: Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat US-Präsident Donald Trump die Freigabe nationaler Ölreserven im Falle von Engpässen bewilligt. Ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er, falls erforderlich, die Freigabe genehmigt, schrieb Trump am Sonntagabend auf Twitter. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Er habe zudem die zuständigen Behörden informiert, um die Genehmigungsverfahren für die Ölpipelines in Texas und anderen Staaten zu beschleunigen. Die strategischen Ölreserven der USA umfassen nach Angaben des US-Energieministeriums 630 Millionen Barrel. Saudi-Arabien produzierte der OPEC zufolge im vergangenen Monat rund 9,8 Millionen Barrel Öl pro Tag. Zuvor hatte bereits das US-Energieministerium mitgeteilt, im Falle von Engpässen seien die USA zur Freigabe von Ölreserven bereit.

07.00 Uhr: Vom Iran unterstützte jemenitische Rebellen bekannten sich zu dem Anschlag auf zwei Werke des saudischen Konzerns Saudi Aramco. Die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten verteuerte die Anlagen in sogenannte sichere Häfen. So stieg der Goldpreis im frühen Handel in Asien um ein Prozent. "Wenn den Anlegern der Risikoappetit vergeht wegen der Sorgen vor Vergeltungsmaßnahmen, könnten einige Schwellenländer unter doppelten Druck geraten", sagte Mitul Kotecha, Spezialist für dieses Gebiet bei TD Securities.

mit Agenturen

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung