Künftiger US-Präsident vs. Fed-Chefin Der Showdown zwischen Trump und Yellen kommt noch dieses Jahr

Im Wahlkampf hat Donald Trump nicht nur Hillary Clinton und Barack Obama attackiert, sondern auch Janet Yellen. Was bedeutet sein Wahlsieg nun für Amerikas oberste Notenbankerin? Eine Antwort gibt es schon im Dezember.
Konfrontation oder Zusammenarbeit: Der künftige US-Präsident Trump und Notenbankerin Yellen werden es miteinander zu tun bekommen

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Wer hätte nicht gerne gelauscht, als Hillary Clinton am Wahlabend Donald Trump anrief, um ihm zum Wahlsieg zu gratulieren? Oder beim Gespräch zwischen Trump und US-Präsident Barack Obama am Donnerstag?

Für Geldanleger steht Mitte Dezember ein weiterer Termin auf dem Programm, bei dem es reizvoll wäre, einmal "Mäuschen" zu spielen. Dann trifft sich der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed, um erneut über die US-Leitzinsen zu entscheiden. Seit Jahren gelten niedrige Zinsen rund um den Globus als Hauptantrieb für den Aufschwung an den Aktienmärkten. Doch die Fed hat vor Jahresfrist begonnen, die Zinsen anzuheben, und beim nächsten Treffen sollte eigentlich der nächste Zinsschritt beschlossen werden.

Nach der überraschenden Wahl Trumps zum US-Präsidenten treffen sich die US-Notenbanker nun aber unter anderen Bedingungen. Nicht nur Clinton und Obama wurden von Trump im Wahlkampf mit Tiraden überzogen. Auch Fed-Chefin Janet Yellen bekam ihr Fett weg. Der Immobilienmilliardär und Kandidat der Republikaner störte sich an den seinen Worten zufolge unnötig niedrigen Zinsen, die angeblich künstlich für gute Stimmung an den Börsen sorgten und seiner Kontrahentin Clinton in die Karten spielten.

Es wird daher spannend, wie die Fed und ihre Präsidentin mit der Situation umgehen werden. Zinsen rauf oder nicht - welche Entscheidung werden sie im Dezember treffen?

Bei genauer Betrachtung spricht einiges dafür, dass es bei dem erwarteten Zinsschritt bleiben wird. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit. Die US-Notenbank versucht grundsätzlich zu vermeiden, dass ihre Maßnahmen zu Unruhen oder Turbulenzen auf den Finanzmärkten führen. Deshalb werden alle Schritte möglichst behutsam vorbereitet und lange im voraus - mehr oder weniger deutlich - kommuniziert. Überraschungen dagegen gilt es für die Notenbanker so weit wie möglich zu vermeiden.
    Aktuell bedeutet das: Nach dem ersten Zinsschritt im Dezember 2015 hatte die Fed ursprünglich vier weitere Schritte im laufenden Jahr in Aussicht gestellt. Diese Zahl wurde inzwischen auf eins reduziert. Damit die Fed ihre Glaubwürdigkeit nicht einbüßt, sollte diese eine Zinsanhebung in diesem Jahr nun aber auch wirklich noch kommen. Und der Dezember-Termin bietet die letzte Gelegenheit dazu.
  • Unabhängigkeit der Fed. Die US-Notenbank ist zwar nicht wie zumindest formell etwa die EZB ausschließlich auf die Preisstabilität fixiert. Sie hat sich bei ihren Entscheidungen den Statuten zufolge vielmehr auch an anderen Größen zu orientieren, wie etwa einem möglichst hohen Beschäftigungsgrad in der US- Wirtschaft.
    Was jedoch beide Zentralbanken gemeinsam haben ist die Vorgabe, unabhängig von politischen Einflüssen zu handeln. Würde die Fed nun nach der Wahl Trumps von ihrer bisherigen Linie abweichen und auf den Zinsschritt verzichten, so müsste der Eindruck entstehen, dass es mit dieser Unabhängigkeit nicht weit her sei. Diesen Eindruck - insbesondere gleich zu Beginn einer Ära Trump - wird die Fed jedoch tunlichst zu vermeiden suchen.
  • Ruhe an den Finanzmärkten. Die Wahl Trumps kam für viele überraschend, weshalb sich die Meinungsforscher, die mit ihren Prognosen falsch lagen, auch einige Kritik anhören müssen. Noch überraschender kam jedoch wohl die Reaktion der Börse auf das Wahlergebnis, welches auch Analysten und Researcher recht alt aussehen lässt, die zuvor einen veritablen Crash im Falle eines Trump-Sieges vorhergesagt hatten.
    Für die Fed entfällt damit der wichtigste Grund, der einen Verzicht auf die Zinserhöhung gerechtfertigt hätte. Wäre der Worst Case eingetreten und der Markt massiv eingebrochen, so hätten die niedrigen Zinsen zur Beruhigung beigetragen. Das ist nun aber nicht erforderlich.
  • Gut laufende US-Konjunktur. Die Reaktion der Märkte auf den Wahlausgang könnte die Entscheidung der Fed noch auf andere Weise beeinflussen: Offenbar befürchten die Investoren von der neuen US-Regierung - anders als noch kurz vor der Wahl angenommen - nun doch keine Beeinträchtigung der Gewinnaussichten der US-Unternehmen.
    Im Gegenteil: Für viele Branchen lassen sich sogar Argumente finden, aus denen sie von Trumps Politik künftig profitieren könnten. Banken etwa hoffen plötzlich auf Deregulierung, Pharma-Konzerne freuen sich auf ein Ende von "Obama-Care", das umstrittene Krankenversicherungssystem des bisherigen Präsidenten, sowie auf ein Ausbleiben der von Hillary Clinton angestrebten Preisgrenzen für Medikamente, und die Öl-Industrie sieht womöglich einem Revival entgegen, das Umwelt- und Klimaschützern weltweit die Haare zu Berge stehen lassen dürfte.
    Unterm Strich, so glauben beispielsweise die Volkswirte der Deutschen Bank  in den USA, könnten Unternehmen unter der Trump-Administration künftig in den Genuss einer gesteigerten Preissetzungsmacht kommen. Für Konsumenten sind das nicht unbedingt gute Nachrichten. Für die Fed jedoch hieße es: Tendenziell steigende Preise, also anziehende Inflation - und damit grünes Licht für höhere Zinsen.
  • Kein Widerspruch zu Trump. Zu guter Letzt: Wenn die Fed die Zinsen im Dezember tatsächlich anhebt, so dürfte sich der künftige Präsident eigentlich nicht darüber echauffieren. Schließlich war er es, der während des Wahlkampfes die Niedrigzinslinie der Fed lautstark kritisiert hatte.

Kurzum: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Fed die Leitzinsen im Dezember ein weiteres Stückchen anheben. Doch wie geht es dann weiter? Wie wird sich das Verhältnis zwischen Trump und Notenbankchefin Yellen langfristig entwickeln? Kommt es zur Konfrontation oder wird es beiden Seiten trotz der Vorgeschichte aus dem Wahlkampf gelingen, sich miteinander zu arrangieren.

Warum Trump sich noch über niedrige Zinsen freuen dürfte

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Zwar gelten die ersten Auftritte Trumps seit seinem Wahlsieg zweifellos vor allem der Galerie und der Besänftigung seiner Kritiker. Es ist jedoch auffällig, wie sehr der noch vor Kurzem so populistische Wahlkämpfer darauf bedacht ist, nun plötzlich den souveränen Staatsmann zu geben. Das war bereits bei seiner Dankesrede am Wahlabend in New York zu bemerken (was vermutlich bereits zur Beruhigung der Börsen beigetragen hat), und es setzte sich beim Besuch im Weißen Haus am Donnerstag fort.

Auch inhaltlich scheint Trump den Fuß bereits ein wenig vom Gas zu nehmen. Viele seiner radikalen Forderungen aus dem Wahlkampf hat er inzwischen von seiner Website gelöscht, wie Medien berichten.

Wird also auch im Hause Trump nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Klar ist wohl: Sollte der künftige Präsident ernst machen mit seiner Ankündigung, massiv in die Infrastruktur der USA zu investieren, so wird er um eine höhere Staatsverschuldung kaum herumkommen ("deficit spending").

Spätestens dann dürfte auch ein US-Präsident Trump lernen, was der Immobilienunternehmer Trump zweifellos längst weiß: Die von geldpolitischen "Tauben" wie Notenbankchefin Yellen bevorzugten tendenziell niedrigen Zinsen haben durchaus auch ihr Gutes. Und daran ändert auch ein weiterer kleiner Zinsschritt im September nichts.

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