Zwielichtige Immobiliengeschäfte Milliardendeals - Donald Trump und die Geldwäscher

Im Zwiespalt: Als US-Präsident sollte Donald Trump Geldwäsche bekämpfen, doch seine Immobilienunternehmen verdienen an verdächtigen Geschäften.

Im Zwiespalt: Als US-Präsident sollte Donald Trump Geldwäsche bekämpfen, doch seine Immobilienunternehmen verdienen an verdächtigen Geschäften.

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Geldwäsche mit US-amerikanischen Luxusimmobilien - das ist ein seit Jahren bekanntes Problem. Und die Haltung der US-Regierung dazu ist eigentlich klar: Das US-Finanzministerium hat erst im August vergangenen Jahres ein Papier  (PDF) herausgegeben, in dem es Finanzdienstleister sowie Vertreter der Immobilienbranche einmal mehr deutlich vor solchen Machenschaften warnt.

Transaktionen, so heißt es in dem Schreiben des Ministeriums, in denen Luxusimmobilien mittels Scheinfirmen erworben werden, können für Kriminelle ein attraktiver Weg sein, illegale Gelder zu waschen, ohne dabei persönlich identifiziert werden zu können. Insbesondere, wenn bei solchen Deals bar gezahlt werde und also keine Bankfinanzierung zum Einsatz komme, sei das Geldwäscherisiko groß, so das Ministerium.

Es ist ein Risiko, das offenbar sehr real ist - und umso bemerkenswerter erscheint es, dass ausgerechnet US-Präsident Donald Trump persönlich, der höchste Vertreter des Staates also, offenbar im großen Stil seit Jahren derartige Geschäfte möglich gemacht hat und nach wie vor möglich macht.

Voraussetzung dafür ist eine Lücke, die seit weit mehr als zehn Jahren im US-Gesetz klafft und nicht geschlossen wird. Sie geht zurück auf den sogenannten Patriot Act, der von der Regierung des früheren US-Präsidenten George W. Bush kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurde, wie etwa das US-Magazin Quartz  erläutert. Das Gesetz verpflichtet Banken eigentlich dazu, herauszufinden, wer hinter einer Firma steckt, bevor sie mit ihr Geschäfte machen. Doch die Immobilienbranche bekam seinerzeit eine Ausnahmeregelung - und die besteht bis heute, so Quartz.

Zwar veranlasste das US-Finanzministerium vor wenigen Jahren die ebenfalls in die fraglichen Transaktionen involvierte Versicherungsbranche, die wahre Identität von reinen Barzahlern bei Luxusimmobilienkäufen in mehreren US-Metropolen offenzulegen, wie seinerzeit auch manager magazin online berichtete. Laut Quartz hat diese Information, nachdem sie an die Behörden übermittelt wurde, jedoch keinerlei Konsequenzen.

Was in USA üblich ist, kommt in Deutschland eher selten vor

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So kann das zum Teil unseriöse Geschäft mit Luxuswohnungen, Villen oder sonstigen Anwesen in den USA nach wie vor florieren. Wie die "New York Times" bereits 2015 in einer umfangreichen Recherche herausfand, wurden zu der Zeit beispielsweise in New York City beinahe die Hälfte aller Luxuswohnimmobilien, also vor allem die teuren Apartments und Penthouses in den Wolkenkratzern Manhattans, von Firmenhüllen gehalten, die dem wahren Eigentümer Anonymität gewähren.

In dieser verschleiernden Form ist das übrigens ein Geschäft, dass in Deutschland Fachleuten zufolge zwar ebenfalls möglich, aber kaum in vergleichbarem Maße üblich ist. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Enthüllungen über Finanztransaktionen, bei denen eine besonders reiche und zum Teil auch prominente Klientel Briefkastenfirmen in Steueroasen wie den Cayman Islands oder den British Virgin Islands einschaltet, um Geschäfte möglichst anonym und steueroptimiert abwickeln zu können. Auf diesem Wege können durchaus auch Gelder in hiesige Luxusimmobilien fließen.

In der Praxis kommt das jedoch zumindest auf dem Markt für luxuriöse Wohnimmobilien in Deutschland so gut wie nie vor, wie Thomas Diehn, Notar in Hamburg, gegenüber manager magazin online erläutert. "Beim Kauf von Gewerbeimmobilien im hohen zweistelligen Millionenbereich ist die Einschaltung einer Firmenhülle vor allem aus steuerlichen Gründen, der sogenannte Share-Deal also, inzwischen eher die Regel als die Ausnahme", sagt Diehn. "Bei privaten Wohnimmobilienkäufen kommt das jedoch nur sehr selten vor."

Ohnehin müssen Notare sowie vor allem beteiligte Banken und andere Finanzinstitute nach Angaben Diehns hierzulande aufgrund der Geldwäschegesetzgebung den letztlich wirtschaftlich Berechtigten bei einem Immobilienkauf ermitteln. "Wer eine Immobilie anonym erwerben möchte, für den ist eine Treuhandlösung der wesentlich einfachere Weg."

Ähnlich sind die Erfahrungen von Tom Kirst, der für den Luxusmakler Dahler & Company auf der Promiinsel Sylt, einem der nobelsten Immobilienmärkte der Republik also, tätig ist. "Immobilienkäufe über anonyme Scheinfirmen gibt es bei uns nicht", sagt Kirst zu manager magazin online. "Es kommt lediglich vor, dass verschiedene Gesellschafter zum Erwerb eines Objektes eigens beispielsweise eine GbR gründen. Das hat allerdings in der Regel eher steuerliche Gründe."

Trump verkaufte Immobilien für 1,5 Milliarden Dollar an Scheinfirmen

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Das ist in den USA also offensichtlich anders. Und besonders pikant: Einer, der in diesem Geschäft offenbar besonders munter mitmischt, ist ausgerechnet Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten höchstpersönlich.

Wie gegenwärtig verschiedene US-Medien berichten, hat Trump im Laufe seiner Karriere als Immobilienmagnat Milliardenumsätze beim Verkauf von Objekten an reine Firmenhüllen gemacht. Selbst nach seinem Amtsantritt im Weißen Haus, so heißt es, habe Trumps Immobiliengruppe - geführt von den Präsidentensöhnen Eric Trump und Donald Trump Jr. - Millionensummen mit solchen Geschäften bewegt.

Besonders intensiv hat die US-Newsplattform Buzzfeed  Trumps Geschäftsgebaren in dem Zusammenhang unter die Lupe genommen. Der Recherche zufolge verkaufte der New Yorker Milliardär seit den 1980er Jahren mehr als ein Fünftel aller Wohnungen in reinen Barzahlungs-Geschäften, die den Käufern maximale Anonymität ermöglichen. Mehr als 1300 Objekte habe Trump während der Zeit an Firmenhüllen veräußert, so Buzzfeed weiter. Dabei wurde also keine Hypothek aufgenommen, die zu Nachforschungen des Kreditgebers geführt hätte.

Diese beiden Charakteristika, so zitiert auch Buzzfeed das US-Finanzministerium, signalisieren, dass der Erwerber bei diesen Deals möglicherweise Geld wäscht. Insgesamt, so die Newsseite, habe Trump im Laufe der Jahre solche Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Besonders bemerkenswert: Laut Buzzfeed nahmen diese fragwürdigen Geschäfte innerhalb der Trump Organisation ausgerechnet in den späten 2000er und frühen 2010er Jahren zu. Das sei die Zeit gewesen, so heißt es weiter, als Donald Trump Jr. ein gegenwärtig viel beachtetes Statement gemacht habe, wonach "viel Geld aus Russland" in die Unternehmensgruppe geflossen sei. Trumps Verbindungen zu Russland stehen bekanntlich spätestens seit seinem 2015 begonnenen Wahlkampf um das Präsidentenamt unter besonders kritischer Beobachtung.

Und damit nicht genug: Selbst als amtierender US-Präsident profitiert Trump offenbar nach wie vor vom Verkauf luxuriöser Immobilien durch seine Unternehmensgruppe an anonyme und daher möglicherweise unseriöse Erwerber. Insgesamt verkauften die Firmen des Präsidenten im Jahr 2017, dem Jahr also, zu dessen Beginn er ins Weiße Haus einzog, Objekte im Wert von zusammen 35 Millionen Dollar, schreibt beispielsweise USA Today . Der Anteil der Käufer daran, die ihre Identität verschleierten, sei auf 70 Prozent sogar noch einmal drastisch angestiegen, so der Bericht.

Die Gewinne aus diesen Verkäufen laufen durch eine Gesellschaft, die von Trumps Söhnen geleitet wird, heißt es bei USA Today weiter. Doch der US-Präsident habe als einziger Begünstigter der Gesellschaft jederzeit die Möglichkeit, Gelder zu entnehmen.

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