Sonntag, 22. September 2019

Abschied des Daimler-Chefs Mercedes-Retter Zetsche hinterlässt unzufriedene Aktionäre

Abschied des Car Guys: Dieter Zetsche (vorn) geht, Ola Källenius (r) kommt

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat Mercedes gerettet, nachdem ihm sein Vorgänger Jürgen Schrempp einen Konzern in Trümmern übergab. Doch trotz der gelungenen Sanierung und Neuaufstellung haben Aktionäre wenig Grund zur Freude. Die Herausforderungen für Daimler bleiben groß.

Der scheidende Chef des Fahrzeugkonzerns Daimler Börsen-Chart zeigen , Dieter Zetsche, hat den Aktionären zum Abschied eine gemischte Bilanz vorgelegt. "Daimler ist in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen - auch wenn wir mit den jüngsten Quartalsergebnissen und dem Aktienkurs nicht zufrieden sind", sagte Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin.

2018 war der Konzerngewinn von 10,6 Milliarden auf 7,6 Milliarden Euro zurückgegangen und auch im ersten Quartal 2019 war der Gewinn mit 2,1 Milliarden Euro rückläufig. Der Aktienkurs sank seit Jahresbeginn 2018 von rund 75 Euro auf aktuell etwa 51 Euro - allein am Tag von Zetsches Abschied gab der Kurs noch einmal um rund 3 Prozent nach. Seit Frühjahr 2015 hat sich der Kurs der Daimler-Aktie beinahe halbiert.

Zetsche hat seine Ziele laut eigenen Angaben erreicht: "Mit Mercedes-Benz wollten wir bis 2020 das Premiumsegment anführen." Die Nummer eins vor BMW und Audi sei Mercedes schon seit 2016 wieder. Auch im Nutzfahrzeugbereich habe Mercedes die Führungsposition weiter ausbauen können.

"Größter Wandel der 130jährigen Konzerngeschichte"

Nun stehe Daimler vor dem größten Wandel in der rund 130-jährigen Unternehmensgeschichte. Durch die Aufspaltung in drei Aktiengesellschaften stelle sich der Konzern "flexibler und fokussierter" auf.

Zudem will Daimler nachhaltiger werden. Bis 2039 sollen Rohstoffe und Lieferkette, die Produktion der Fahrzeuge bis hin zur Nutzungsphase und Recyclingkonzepte klimaneutral gestaltet werden. "Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht derzeit aber vor allem das emissionsarme Auto", sagte Zetsche.

Er warnte allerdings auch: "Die neuen, zusätzlichen Technologien im Auto haben ihren Preis." Mobilität werde künftig teurer. "Unsere Aufgabe als Unternehmen ist, den Anstieg für die Kunden zu begrenzen." Deshalb müsse der Konzern sparen. "Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette", sagte Zetsche. Genaue Pläne kündigte er aber nicht an.

Nachfolger Ola Källenius muss Kosten senken

Diese Aufgabe wird seinem Nachfolger Ola Källenius zukommen, der mit dem Ende der Hauptversammlung vom Entwicklungschef zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigen sollte. Das Erbe der über 13 Jahre langen Ära Zetsche wird aber auch durch den Dieselskandal belastet.


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"Noch letztes Jahr beteuerte Herr Zetsche öffentlich, Daimlerhabe bei den Abgaswerten ihrer Dieselfahrzeuge nicht betrogen. Die vom Kraftfahrt-Bundesamt seitdem ausgesprochenen über 700.000 Rückrufe belegen, dass diese Aussagen offenbar falsch waren", kritisierte der Verkehrsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jens Hilgenberg.

Daimler bestreitet allerdings, illegal Abgasmessungen manipuliert zu haben. Und Zetsche hält bis zum Schluss am Diesel fest. Die Emissionsprobleme seien technisch gelöst, sagte er. Der Dieselmotor werde "in Europa noch für mindestens ein Jahrzehnt eine wichtige Rolle spielen".

Auch beim Klimaschutz warf Hilgenberg dem Konzern Rückschritte vor: "Während über Klimaneutralität 2039 philosophiert wird, steigen im zweiten Geschäftsjahr in Folge die durchschnittlichen CO2-Grenzwerte von Neuwagen der DaimlerAG wieder an", kritisierte er.

Waren es 2016 noch 123 Gramm CO2 je Kilometer, sei der Wert 2018 auf 132 Gramm angestiegen. Um Strafzahlungen an die EU zu vermeiden, müsste der Wert 2021 aber bei rund 100 Gramm liegen. "Daimler steuert in die falsche Richtung und hat eigentlich keine Zeit mehr, dies zu korrigieren", erklärte der Umweltschützer.

la/dpa

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