Bayern und BVB abgeschlagen Die rentabelsten Clubs der Bundesliga

Borussia Mönchengladbach war in der Saison 2016/17 der rentabelste Club in der Fußballbundesliga. Kein anderer Club gab verhältnismäßig mehr Geld für sein Personal aus als der Hamburger SV. Ein detaillierter Blick auf die Finanz-KPIs der Bundesligisten.
Von Holger Rehm
Yann Sommer: Torwart von Borussia Mönchengladbach und des Schweizer Nationalteams

Yann Sommer: Torwart von Borussia Mönchengladbach und des Schweizer Nationalteams

Foto: Bongarts/Getty Images

Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Münchner Audi Dome im November 2017 wurden wieder Rekorde vermeldet: Der Rekordmeister präsentierte einen neuen Rekordumsatz (640,5 Millionen Euro) und einen neuen Rekordgewinn (39,2 Millionen Euro nach Steuern) und schüttete seinen Aktionären zudem eine Rekord-Dividende aus (16,5 Millionen Euro).

SPONSORs Finanzanalyse der Bundesliga

Die Vermessung der Bundesliga: SPONSORS hat in einem Dossier die Bundesligisten miteinander verglichen und die Liga zudem in einen internationalen Kontext gestellt. Welche Clubs erzielen hierzulande die höchsten Umsatzrenditen? Welche haben die höchsten Personalkostenquoten? Und welche sind zuletzt am stärksten gewachsen? Neues Zahlenmaterial sowie jüngste Entwicklungen geben Anlass zur Hoffnung, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga weiterhin stark ausgeprägt ist.

Auch sportlich bestätigte der deutsche Rekordmeister im Winter 2017/18 eindrucksvoll seine Vorherrschaft in der Bundesliga. Standen die Bayern noch Ende November nur knapp vor dem zweitplatzierten RB Leipzig, thronte der FC Bayern Mitte März mit 20 Punkten Abstand auf den Zweitplatzierten FC Schalke 04 wieder unangefochten an der Spitze der Bundesliga. Das liegt natürlich auch am Kader der Münchner. In der Saison 2016/17 gaben die Bayern mit 264,9 Millionen Euro mit großem Abstand in der Bundesliga (siehe Tabelle unten) das meiste Geld für ihr Personal aus.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die sportliche Dominanz des FC Bayern nicht von ungefähr kommt. Setzt man allerdings verschiedene Kennzahlen in Relation, ergibt sich ein anderes Bild - nicht nur über den Rekordmeister, sondern über die gesamte Bundesliga.

Fünf Erstligisten mit negativer Umsatzrendite

Der erste Blick geht auf die Umsatzrentabilität der Bundesligisten in den Geschäftsjahren 2016/17 beziehungsweise 2016 (siehe Kasten unten). Dabei schrieben in der vorliegenden SPONSOR-Analyse fünf Erstligisten (Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hannover 96, Hertha BSC und RB Leipzig) rote Zahlen und weisen damit eine negative Umsatzrendite aus.

Finanz-KPI in der Bundesliga (Saison 2016/17)

Finanz-KPI in der Bundesliga (Saison 2016/17)

Dabei haben die Verluste unterschiedliche Gründe. Bei Hannover 96 beispielsweise stehen die roten Zahlen in direktem Zusammenhang mit dem Gang in die 2. Bundesliga. Die Niedersachsen kürzten trotz Abstieg und einer einkalkulierten Halbierung des Umsatzes (2016/17: 45,22 Millionen Euro / 2015/16: rund 85 Millionen Euro) ihre Personalkosten lediglich um ein Drittel (2016/17: 26,42 Millionen Euro / 2015/16: 38,37 Millionen Euro).

Dass am Ende der Saison unterm Strich ein Verlust von knapp zwölf Millionen Euro stand, hatte 96-Präsident Martin Kind vorher einkalkuliert, "weil wir ein vernünftiges Eigenkapital haben". Kinds Plan ging auf. Denn durch das Investment in den Spielerkader schaffte der Club den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga - Verlust hin oder her.

Stuttgart und Borussia Mönchengladbach mit den höchsten Umsatzrenditen

Dass ein Bundesliga-Absteiger im Folgejahr sowohl den sofortigen Wiederaufstieg schaffen als auch einen zweistelligen Millionengewinn (14,8 Millionen Euro) erzielen kann, zeigte in der Saison 2016/17 eindrucksvoll der VfB Stuttgart. Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass die Schwaben wie vier andere Erstligisten ihre Finanzzahlen traditionell kalendarisch ausweisen. In die vorliegende Betrachtung des Geschäftsjahres 2016 fließen damit also auch die Zahlen aus der Rückrunde der Abstiegssaison 2015/16 mit ein.

Die wirtschaftliche Leistung des VfB soll dies aber nicht schmälern, der mit 11,17 Prozent vor dem FC Schalke 04 (10,98 Prozent) die zweithöchste Umsatzrentabilität aller Erstligisten erzielte (siehe Grafik links).

Noch besser als der VfB Stuttgart wirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr nur Borussia Mönchengladbach (Umsatzrendite: 13,61 Prozent). Der Club konnte seit 2010 seinen Umsatz verdreifachen. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden die Erlöse um rund 70 Millionen Euro gesteigert (2014: 130 Millionen Euro / 2015: rund 160 Millionen Euro). Im Geschäftsjahr 2016 setzte die Borussia erstmals knapp 200 Millionen Euro um.

Die Analyse

Zurückzuführen sind die Umsatzsprünge der Gladbacher vor allem auf die sportlichen Erfolge. So erhielt die Borussia im Geschäftsjahr 2016 rund 40 Millionen Euro vom Europäischen Fußballverband (UEFA) für die Teilnahme an der Fußball-Champions- League. Weitere rund 43 Millionen Euro nahm Gladbach durch den Verkauf des Schweizer Mittelfeldspielers Granit Xhaka an den FC Arsenal ein. Das heißt: Ohne die beiden Einnahmeposten hätte der Umsatz der "Fohlen" bei unter 120 Millionen Euro gelegen und damit auf einem transferbereinigten Niveau von Hertha BSC oder dem Hamburger SV.

Weil Gladbach aber - vereinfacht ausgedrückt - weiterhin seine Ausgaben im Griff hatte, blieb für die Borussia am Ende des Geschäftsjahres 2016 ein Nachsteuer-Gewinn von 26,8 Millionen Euro. Hinter dem FC Bayern (39,2 Millionen Euro) und dem FC Schalke 04 (29,1 Millionen Euro) war dies der dritthöchste Jahresüberschuss in der Bundesliga.

HSV: Erfolglose Wette

Dass hohe Umsätze allein nicht ausreichen, um sportlich zumindest im gesicherten Mittelfeld der Tabelle spielen zu können, zeigte in den vergangenen Jahren der Hamburger SV. Die Norddeutschen setzten im Geschäftsjahr 2016/17 zwar rund 122 Millionen Euro um und landeten im Umsatzranking auf dem zehnten Platz. Allerdings schrieb der HSV im Geschäftsjahr 2016/17 auch zum siebten Mal in Folge rote Zahlen. Am Ende stand ein Minus von 13,4 Millionen Euro - der höchste Verlust aller Bundesligisten.

Der damalige Finanzvorstand Frank Wettstein, nach dem Ausscheiden von Heribert Bruchhagen interimistischer Vorstandsvorsitzender des HSV, führte den hohen Jahresfehlbetrag vor allem auf die Investitionen in den sportlichen Bereich zurück. In der Sommertransferperiode der Saison 2016/17 hatte der HSV laut Transfermarkt.de knapp 45 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben - und damit mehr als zwei Drittel aller Erstligisten (siehe Übersicht links). Der HSV hatte darauf spekuliert, durch zusätzliche Investitionen in den sportlichen Bereich auch seine sportliche Situation zu verbessern, um laut Wettstein "eine Einnahmensteigerung in den folgenden Spielzeiten bei der Verteilung der Fernsehgelder" zu erreichen.

Die Wette auf den sportlichen Erfolg ging aber nicht auf. Im Gegenteil: "Um den Schaden abzuwenden", erklärte Wettstein damals, "musste entgegen der Planung im Winter 2016/17 erneut in den Kader investiert werden." Die weitere Geschichte ist bekannt: Am Ende der Saison 2016/17 retteten sich die "Rothosen" am 34. Spieltag vor der Relegation. Ausbleibende Erfolge, daraus resultierende Trainerentlassungen und personelle Wechsel im Vorstand führten allerdings zu einer weiteren Erhöhung des Jahresfehlbetrags und damit auch zu einer deutlich negativen Umsatzrendite von minus elf Prozent. Und weil der Hamburger SV keine hohen Transfereinnahmen aufweisen und schon gar nicht auf gefüllte Festgeldkonten oder verbundene Konzerne wie Volkswagen oder Bayer zurückgreifen konnte, erhöhten sich die Verbindlichkeiten des Bundesliga-Dinos auf 105 Millionen Euro.

45 Prozent für Personal

Dass der Hamburger SV in den vergangenen Jahren in erste Linie ein Kostenproblem hatte, zeigt sich auch an der Personalkostenquote. Der HSV gab in der Saison 2016/17 nämlich knapp 61 Prozent seiner Umsätze für sein Personal aus, also für Gehälter der Spieler und den Trainer- und Betreuerstab, aber auch für seinen Vorstand und das Verwaltungspersonal. Bei keinem anderen Bundesligaclub war die Personalkostenquote höher (siehe Grafik links).

Personalkostenquote in der Bundesliga (2016/17)

Personalkostenquote in der Bundesliga (2016/17)

Ähnlich hoch wie in Hamburg war die Personalkostenquote nur gut 160 Kilometer südlich, bei Hannover 96. Allerdings spielten die Niedersachsen in der Saison 2016/17 wie erwähnt in der 2. Bundesliga und wollten mit aller Kraft den Wiederaufstieg schaffen.

Die durchschnittliche Personalkostenquote aller derzeitigen Erstligisten lag in der Saison 2016/17 übrigens bei 45 Prozent. Insgesamt unterschritten 9 von 16 Clubs diese Marke. Verhältnismäßig wenig Geld für ihr Personal gaben Borussia Mönchengladbach (37,42 Prozent), der FC Augsburg (37,44 Prozent) sowie der 1. FSV Mainz 05 (38,87 Prozent) aus.

Viele Einmaleffekte

Der zweitgrößte Ausgabenposten neben den Personalkosten waren in der Saison 2016/17 die Transferausgaben, die laut DFL-Report gegenüber dem Vorjahr um 31,41 Prozent stiegen. Zwar konnten die 18 Erstligisten auch ihre Transfereinnahmen steigern, jedoch lediglich um 9,2 Prozent. Dazu passt auch, dass laut SPONSORS- Analyse insgesamt lediglich 6 der 16 betrachteten Erstligisten in der Saison 2016/17 einen Transferüberschuss erwirtschafteten.

Wie wichtig Transferüberschüsse für einen Bundesligisten sein können, zeigen seit Jahren Clubs wie der 1. FSV Mainz 05 oder der SC Freiburg. Die Breisgauer verlieren Spielzeit für Spielzeit zwar ihre besten Spieler, erzielen so aber auch wichtige Transfereinnahmen. Beim SC Freiburg ist dies Teil des Geschäftsmodells, das funktioniert, weil sich der Sport- Club zuletzt immer wieder auf seine hervorragende Jugendarbeit verlassen und regelmäßig "Eigengewächse" in den Profikader überführen konnte.

Anteil Transfereinnahmen am Umsatz in der Bundesliga (Saison 2016/17)

Anteil Transfereinnahmen am Umsatz in der Bundesliga (Saison 2016/17)

Mit knapp über fünf Millionen Euro waren die Transfererlöse des SC Freiburg in der Saison 2016/17 im Vergleich mit anderen Clubs allerdings verhältnismäßig gering (siehe Grafik links). Setzt man Transfereinnahmen und den Gesamtumsatz des Sport-Clubs allerdings ins Verhältnis, so liegen die Südbadener auf einem Niveau mit Bayern München. Bei beiden Clubs betrugen die Transfereinahmen rund acht Prozent des Gesamtumsatzes. Der deutsche Rekordmeister nahm dabei in der Saison 2016/17 52,3 Millionen Euro über Spielerverkäufe ein, das sind gerade mal zehn Millionen Euro weniger, als der SC insgesamt pro Jahr erlöst.

Umsatz über Spielerverkäufe

Den größten Anteil am Gesamtumsatz machten die Transfers in der Saison 2016/17 bei den beiden Zweitligisten Hannover 96 (30,96 Prozent) und VfB Stuttgart (29,81 Prozent) aus. Das Duo musste nach dem Bundesliga-Abstieg eine Vielzahl seiner Spieler abgeben. Auf Rang drei in diesem Ranking liegt der SV Werder Bremen, der in der Saison 2016/17 über Spielerverkäufe knapp 34 Millionen Euro einnahm. Das sind etwa 27 Prozent des gesamten Werder-Umsatzes.

Doch nicht bei allen Clubs sind hohe Transfereinnahmen auf ein bewusstes Geschäftsmodell zurückzuführen, sondern eher auf Einmaleffekte. Der FC Schalke zum Beispiel verdankt seinen hohen Nachsteuergewinn in der Saison 2016/17 (29,1 Millionen Euro) vor allem dem Verkauf von Leroy Sané. Mit dem Transfer des Nachwuchsstars an Manchester City sollten die "Knappen" rund 50 Millionen Euro eingenommen haben. Ähnliches gilt auch für den beschriebenen Transfer von Granit Xhaka von Mönchengladbach zum FC Arsenal.

Bundesliga: Transferbilanz und Jahresergebnis (Saison 2016/17)

Bundesliga: Transferbilanz und Jahresergebnis (Saison 2016/17)

Auch Borussia Dortmund erzielte im Geschäftsjahr einen hohen Transferüberschuss (mehr als 45 Millionen Euro), der vor allem auf die Verkäufe von Henrikh Mkhitaryan, Mats Hummels und Ilkay Gündogan zurückzuführen ist. Und das, obwohl im Gegenzug neue Stars wie André Schürrle oder Mario Götze gekauft wurden. Sicherlich wären die Nationalspieler Schürrle und Götze ohne den Abgang der drei genannten Profis nicht geholt worden. Sehr vereinfacht dargestellt könnte man dennoch sagen: Ohne seinen Transferüberschuss hätte der BVB keinen Nachsteuergewinn von 8,2 Millionen Euro erwirtschaftet, sondern stattdessen einen Verlust von mehr als 37 Millionen Euro ausweisen müssen.

Fazit

Gestiegene Umsätze sind also nicht automatisch mit einer gestiegenen Wirtschaftskraft gleichzusetzen. Das zeigen die oben genannten Beispiele. Clubs sind daher gut beraten, hohe Transferüberschüsse richtig einzuordnen - auch gegenüber den Fans - und den Mehrumsatz anschließend vernünftig einzusetzen.

Sicherlich gibt es kein Patentrezept, keine Formel, die für alle Clubs gleichermaßen gilt. Dazu sind die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen an den einzelnen Bundesliga-Standorten zu unterschiedlich. Wie wichtig es allerdings ist, eine gesunde Balance aus Personal- und Transferausgaben und erwirtschaftetem Umsatz zu finden, zeigt das Negativbeispiel des Hamburger SV, der in den vergangenen Jahren regelmäßig über seine Verhältnisse gelebt hat und dadurch in eine sportliche wie finanzielle Abwärtsspirale geraten ist.

Beispiele wie die des HSV werden in der Gesamtbetrachtung der DFL nicht explizit ausgewiesen. Zu lesen ist hier vor allem von gestiegenen Umsätzen und neuen Rekorden. Darauf können DFL-Chef Seifert - vor allem aber die meisten Clubs - stolz sein.

Umso spannender wird es daher zu beobachten sein, wie sich die einzelnen Kennzahlen der Clubs in den kommenden Jahren entwickeln werden. Für SPONSORS ist es die erste Detailbetrachtung dieser Art. In ein, zwei oder drei Jahren wird man noch besser ablesen können, welche Clubs tatsächlich nachhaltig wirtschaften - und wo das Erreichen einzelner KPIs nur eine Eintagsfliege oder auf einige glückliche Deals zurückzuführen war.