Anlage Die größten Fonds der Welt - und die Köpfe dahinter

Sie sind viele Milliarden Dollar schwer und agieren dennoch im Hintergrund. manager magazin online zeigt die verschwiegenen Riesen der Finanzwelt. Der Überblick zeigt, dass der Pimco-Abstieg bereits vor dem Abgang von Bill Gross begonnen hat.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Milliardenschwere Fonds werden gemeinhin mit mächtigen Staatsfonds in Verbindung gebracht. Investmentriesen, die im Interesse eines Landes Gelder verwalten. Doch auch in der Privatwirtschaft finden sich solche Giganten. Statt staatlichen Wohlstands wie zum Beispiel aus den Erträgen von Ölquellen finden sich darin die Sparanlagen von vielen Menschen auf der ganzen Welt. Sie sparen damit für ihre Rente, für die Schulausbildung ihrer Kinder oder eben für alle Fälle.

Das Geschäft solcher Schwergewichte ist eher unauffällig und von nüchterner Arbeit geprägt. Das gilt vor allem für die Herren des Geldes, die hinter den Fonds stehen. Es sei denn, sie sorgen mit einem bühnenreifen Abgang für Schlagzeilen, wie es Pimco-Gründer Bill Gross vormachte .

Der Überblick über die zehn größten Fonds der Welt erzählt zwei Geschichten. Die eine ist offenkundig, die andere eher verborgen, hinter Glasfassaden und Zahlenmaterial.

Geldströme, Fondsvolumen: Amerika ist Europa weit enteilt

Die offenkundige Geschichte handelt von einem traurigen Vergleich - zumindest aus Sicht der deutschen Finanzindustrie. Denn Amerika, so zeigt der Überblick, ist weit enteilt. Das zeigen die Volumina der größten zehn Fonds und deren Kapitalströme. So sammelte die gesammte deutsche Fondsindustrie, gemessen in den Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), im Monat Juli 10 Milliarden Euro ein. Eine Menge Geld.

Wer es indes mit den Zahlen der Riesen vergleicht, wird desillusioniert. Denn ein Drittel dieser Summe floß einem einzigen der Großfonds zu. Und wenn die vom BVI beobachteten Fonds in der Summe 2,2 Billionen Dollar verwalten, dann ist das nicht viel mehr als die Summe der zehn größten Fonds (1,8 Billionen Dollar, also rund 1,4 Milliarden Euro). Die Gründe dafür liegen indes nicht in deutscher Hand.

Vor allem hat Amerika einen großen und einheitlichen Markt. Wenn eine Fondsgesellschaft ein Finanzprodukt anbietet, kann sie es landesweit machen. In Europa hemmen noch immer regulatorische Hemmnisse den grenzenlosen Fondsverkehr. Und das hat auch Folgen für den Privatanleger.

Denn groß ist nicht nur beeindruckend, sondern auch billiger. Je größer ein Fonds, um so weniger fallen dessen Gebühren ins Gewicht. Das liegt daran, dass etliche Kosten nicht mit dem Volumen mitwachsen, sondern ein fixer Block sind, Je größer also ein Fonds, um so günstiger kann er sein, das zeigt der Vergleich mit Amerika. Und um so weniger Kosten belasten die Wertentwicklung.

Der Vergleich mit den Großfonds aus Übersee zeigt aber noch etwas anderes.

Die verborgene Geschichte

Viele Großfonds sind passive Fonds. Immer seltener steht ein aktiver Manager dahinter, der darauf sinnt, besser zu sein als ein Marktindex. Umso interessanter der Blick hinter die Kulissen der Top Ten. Passiv gemanagte Fonds haben keinen Fondsmanager, der die Verantwortung für ein Finanzprodukt trägt, so wie Bill Gross es macht. Hinter passiven Fonds steht nur eine Idee und ein System. Die Idee lautet, dass der Versuch des aktiven Managements zum Scheitern verurteilt ist, da es Fondsmanagern in der Regel nicht gelingt, nach Kosten besser dazustehen als der Index. Also mögen Anleger gleich den Index kaufen. Das dazu nötige System bieten die Anbieter der Exchange Traded Funds (ETF).

Deren Produkte gießen den abstrakten Index, zum Beispiel den Dax  , in ein konkretes Produkt, das jeder kaufen kann. Ändert sich dessen Zusammensetzung, sorgt das System dafür, dass die Änderungen auch im ETF nachvollzogen worden.

Der plötzliche Abgang einer Fonds-Legende wie Gross dürfte die Position des ETF stärken. Denn genau das, Kabale und Streit, wollen Anleger nicht - und für ihre Geldanlage erst recht nicht.

Kein Wunder also, wenn der Gross-Fonds bereits seit Ende 2013 nicht mehr der weltgrößte Fonds ist. Das ETF-Prinzip kommt derweil stetig besser an - immer mehr greifen zu ETF, immer größer werden ETF und deren Anbieter.

Sehen Sie also, wer hinter den zehn größten Fonds steckt.

Platz 10 bis Platz 9: Vanguard - Topadresse unter den Passiven

F. William McNabb: Herr über Vanguard

F. William McNabb: Herr über Vanguard

Foto: Carlos Alejandro

Platz 10: Vanguard, Total Bond Market Index Fund (ETF)

Mit einem Volumen von 121,5 Milliarden Dollar ist er im Ranking der größten Zehn noch klein. Beliebt ist er dennoch, allein in diesem Jahr flossen ihm rund 8 Milliarden Dollar zu. Übrigens - es handelt sich um einen Exchange Traded Fund (ETF), also um ein passives Anlagevehikel. Die sind in Amerika weitaus beliebter als hierzulande.

Vanguard ist unlängst zur größten Fondsgesellschaft der Welt aufgestiegen Interessanterweise bietet sie auch aktive Fonds an - nur sind die längst nicht so bekannt wie die passiven Fonds.

In der Summe verwaltet Vanguard mehr als 2 Milliarden Dollar. Will man einen Kopf dahinter zeigen, so wäre es F. William McNabb III. Er ist der Vorstand des Unternehmens. Und seit 1986 bei Vanguard. Stetigkeit wird nach eigenem Bekunden großgeschrieben. Er engagiert sich in Philadelphia im Vorstand der zoologischen Gesellschaft. Dass er nicht genug zu tun hätte, kann man nicht sagen. Immerhin musste er erst im Mai diesen Jahres für den US-Fondsverband ICI (Investment Company Institute) gegenüber dem "Committee on financial services" des US-Repräsentantenhauses aussagen. Mit Blick auf die Stabilität des US-Finanzsystems. Die Sorge des Chefs - dass Politiker Banken mit Assetmanagern verwechseln. Und damit Vanguard ebenso regulieren wie zum Beispiel die US-Großbank Goldman Sachs.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 9: American Funds, Europacific Growth Fund (aktiv)

126,4 Milliarden Dollar ist der Fonds schwer. Und er wächst weiter - seit Beginn des Jahres setzen die Anleger über eine Milliarde Dollar auf das Finanzprodukt. Eine Milliarde Zuflüsse sind eine gewaltige Zahl - in Deutschland haben große Fonds eine Milliarde als Volumen. Fondsmanager ist Carl M. Kawaja - und damit ist klar, dass hinter dem Fonds ein Kopf steckt und er damit einer der aktiven Fonds unter den Riesen ist. Ziel: In Aktien aus dem Euro- und dem Pazifikraum zu investieren und so mehr herauszuholen als ein bloßes Indexinvestment es könnte.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 8 bis Platz 6: American Funds setzt auf Amazon

Platz 8: Vanguard, Prime Money Market Fund

Erneut ein passives Produkt - dieses bildet den Geldmarkt ab und ist damit eine Art billiger Parkplatz für Geld, mit dem man nichts anzufangen weiß. In diesem Jahr wollten die Anleger offenbar weniger parken - denn dem Fonds floss gut 1,2 Milliarden Dollar ab. Bleiben immer noch 130,6 Milliarden Dollar übrig.

Es stammt von Vanguard - unlängst durch eine Empfehlung von Warren Buffet geadelt. Der hatte in seinem unternehmerischen Testament seiner Frau Astrid geraten, einen Indexfonds zu kaufen. Weil die günstiger sind als aktive Produkte.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 7: Vanguard, Total Intl. Stock Index Fund

Fast ein Zehntel seines Volumens sog der Fonds allein in diesem Jahr auf - 13,6 Milliarden Dollar. Damit bündelt er in der Summe inzwischen 133,4 Milliarden Dollar. Er kopiert den FTSE Global All Cap ex US Index. Dahinter steht Vanguard. Einmal mehr.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 6: American Funds, Growth Fund of America

Auch wenn die Anleger seit Beginn des Jahres fast 5 Milliarden Dollar zurückforderten (sprich, Fondsanteile verkauften) - mit einem Volumen von 145,2 Milliarden Dollar steht er noch mehr als stämmig da. Und - er ist ein aktiver Fonds, dessen Manager-Team nach Chancen am Markt sucht, weil Aktien zum Beispiel unterwertet sind. Bei Amazon scheint das der Fall zu sein. Immerhin hält der Fonds im Sommer 4,1 Prozent seines Vermögens in Aktien des Hauses.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 5 bis Platz 3: Spider oder SPDR

Platz 5: SPDR® S&P 500 ETF

Scott Powers: Herr über State Street Global Advisors, des Investmentarms des Unternehmens

Scott Powers: Herr über State Street Global Advisors, des Investmentarms des Unternehmens

Die Spinne, englisch Spider, wird dieser Fonds genannt. Weil SPDR sich so besser aussprechen lässt. Der Name allein dürfte die Anleger nicht locken, wohl aber das Konzept. Inzwischen bündelt der passive Fonds 172,7 Milliarden Dollar. Allerdings hat er zuletzt etwas Federn lassen müssen. Im Wert von rund 15 Milliarden Dollar musste er in diesem Jahr Fondsanteile zurücknehmen - und Anleger auszahlen.

Dahinter steht State Street, ein andere Großer der passiven Branche. In der Summe verwaltet er 2,34 Billionen Dollar. Auch hinter diesem Unternehmen steckt ein Kopf - nämlich der von Scott F. Powers, dem Vorstand der Investmentsparte des Unternehmens. Das F steht dabei für Francis. Seit 2008 ist er im Unternehmen tätig, seitdem auch Vorstand von State Street. Zuvor hat Powers unter anderem bei Copper Rock gearbeitet. Und mit dem Wechsel seine Überzeugung um 180 Grad gedreht.

Denn Copper Rock ist ein aktiver Manager, versucht Marktineffizienzen ausnutzen. Genau das, was Anbieter wie State Street als sinnlos ablehnen.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 4: Vanguard, Institutional Index Fund

Die Zahlen sprechen für sich - 183 Milliarden Dollar Schlagkraft und Mittelzuflüsse allein in diesem Jahr von etwas über 4 Milliarden Dollar. Was bleibt? Zu erwähnen, dass hinter dem Fonds kein Kopf steckt, sondern ein System. Er bildet den S&P 500 ab.

Aufgelegt wurde der Fonds von Vanguard. Wem unwohl wird bei dem Gedanken daran, dass so viel Geld in passiven Investments steckt, befindet sich in guter Gesellschaft. Immer wieder werden Stimmen laut, die daraus Gefahren für die Finanzmärkte ableiten. Auch die Bank of England hat sich schon entsprechend geäußert. LINK Und immer wieder wird beschwichtigt.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 3: Vanguard, Five Hundred Index Fund.

185,2 Milliarden Dollar können nicht irren - so viel Geld steckt Stand Ende August in diesem Fonds. Und seit Beginn des Jahres kamen fast 6 Milliarden Dollar hinzu. Es dürfte niemanden mehr überraschen, dass es sich um einen passiven Fonds handelt - übrigens der erste für Privatanleger. Er bildet den US-Börsenindex S&P 500 ab.

Von wem stammt es? Richtig, von Vanguard.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 1 und 2 - Pimcos Total Return Fund zurückgefallen

Bill Gross: Der Bond-King dankte ab

Bill Gross: Der Bond-King dankte ab

Foto: JIM YOUNG/ REUTERS

Platz 2: Pimco, Total Return Fund

Es gibt sie noch, die Manager, deren Händchen Milliarden bewegen und die Milliarden anziehen. Bill Gross ist so einer. Oder war so einer, sollte man schreiben. Denn er hat Pimco verlassen, um zu Janus zu wechseln. Stand Enge August bündelte sein Fonds bündelt 221,6 Milliarden Dollar. Doch die Schlagkraft sinkt - denn fast 25 Milliarden wurden seit Beginn des Jahres abgezogen. Vielleicht um in den Fonds auf Platz 1 des Rankings investiert zu werden?

Gross ist einer der bekanntesten Fondsmanager der Welt. Zum einen wegen seiner Leistungen - über Jahrzehnte hat er immer wieder gezeigt, dass aktives Management einen Wert hat, indem er sein Vergleichsindex schlug, er hat den milliardenschweren Assetmanager Pimco in Kalifornien gegründet. Zum anderen, weil er sich eine Boulevard-bunte Schlammschlacht mit seinem designierten Kronprinz bei Pimco lieferte, Mohamed El-Erian. Kronprinz und Herrscher konnten offenbar zunehmend schlechter miteinander arbeiten, bis El-Erian entnervt den Betel hinwarf und das Unternehmen verließ. Nun ringt Gross darum, die Anleger im Fonds zu halten. Denn die Achillesverse eines jeden erfolgreichen aktiven Fonds, eines jeden erfolgreichen Assetmanagers ist die Frage, wer dessen Nachfolge antritt. Im Falle Pimcos wurde die Frage virulent, also El-Erian inthronisiert wurde - und sie spitzte sich zu, als er floh.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014

Platz 1: Vanguard, Total Stock Market Index Fund.

Der größte Investmentfonds der Welt ist 361,2 Milliarden Dollar schwer. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie Irland. Und das Geld wächst weiter. Rund 24,5 Milliarden strömten seit Beginn des Jahres in den Fonds. Einmal mehr übrigens ein passiver Fonds, der auf US-Aktien setzt.

Der Vanguard-ETF steht damit an der Spitze der größten Fonds der Welt. Übrigens schon seit November vergangenen Jahres, als er den Pimco-Fonds von Bill Gross überholte.

Quelle: Morningstar, Stand 31. August 2014