Montag, 20. Mai 2019

Deutschland und die Eurokrise Zehn Gründe, warum wir die Verlierer des Euro sind

Der Euro entwickelt sich zu einer deutlich schwächeren Währung, als es die D-Mark einst war - zum Nachteil der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

3. Teil: Die wahren Gewinner der Euro-Einführung

So ist festzuhalten, dass die Eigentümer der exportorientierten Unternehmen am meisten von der Euroeinführung profitierten. Bei den börsennotierten Unternehmen sind dies übrigens zu einem überwiegenden Teil ausländische Investoren, gegeben die Abneigung der Deutschen vom Aktienmarkt. Die weitere Gruppe der Profiteure sind die Beschäftigten der Exportunternehmen, die zwar stagnierende Löhne hatten, dafür aber einen Arbeitsplatz. Dabei muss man im Hinterkopf haben, dass zugleich auf den Binnenmarkt ausgerichtete Arbeitsplätze verloren gingen und das Lohnniveau insgesamt stagnierte.

  • Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung nach Einführung des Euro, den gedämpften Steuereinnahmen und anhaltend hohen Kosten für Sozialleistungen und Aufbau Ost ging die Politik dazu über, die Ausgaben für Investitionen zu kürzen. Dies führte zu einer weiteren Senkung der Binnennachfrage in Deutschland.
  • Ein Handelsüberschuss geht immer mit einem Ersparnisüberschuss einher. Dies führte zu einem enormen Kapitalexport in das Ausland. Teilweise als Direktinvestitionen, überwiegend jedoch als Kredit zur Finanzierung des Schuldenbooms in anderen Ländern. Wenig verwunderlich, dass deutsche Banken viel Geld im US-Immobilienmarkt verloren haben. Schon vor Jahren bezifferte das DIW die Verluste auf Auslandsinvestitionen auf mindestens 400 Milliarden Euro.
  • Als die Krise in Europa offensichtlich wurde, haben deutsche Banken ihr Geld aus den Krisenländern abgezogen. Dabei wurden sie entweder von öffentlichen Geldgebern abgelöst - Modell Griechenland - oder aber die Bundesbank musste den Geldabfluss durch die Gewährung von TARGET II Krediten ausgleichen. In Summe wurden so die von privaten Banken gegebenen Kredite - unsere Ersparnisse - durch direkte und indirekte Kredite des deutschen Staates ersetzt.
  • Angesichts von mindestens drei Billionen fauler Schulden in Europa ist sicher, dass Deutschland als Hauptgläubiger einen großen Teil der Verluste tragen wird. Noch ist offen, auf welchem Wege dieser Verlust realisiert wird: durch Pleiten, eine geordnete Schuldenrestrukturierung oder eine Monetarisierung durch die EZB. In jedem Fall wird die Hauptlast den deutschen Bürger treffen.

Daniel Stelter
Alle Bemühungen, den Euro durch noch tiefere Zinsen über die Runden zu bringen führen bereits für jeden offensichtlich zu einer Enteignung der Sparer. Ein schwacher Euro mag zwar der Exportindustrie erneut helfen, für den Mann auf der Straße bedeutet er jedoch höhere Kosten durch steigende Importpreise und verringert den Effekt des fallenden Ölpreises.

Für den Durchschnittsdeutschen stellt sich die Situation so dar: Die Einführung des Euro führte zu einer langen Phase geringen Wachstums, hoher Arbeitslosigkeit und Lohnstagnation. Die Tage der billigen Urlaube in Italien und Griechenland waren vorbei. Der Staat hat Ausgaben für Sozialleistungen und Infrastruktur und Investitionen gekürzt.

Die Wirtschaft musste sich ihrerseits auf den Export konzentrieren, weil die Binnennachfrage gedrückt war und die Ersparnisse dazu genutzt wurden, Lieferantenkredite zu gewähren.

Jetzt, wo diese Kredite nicht bezahlt werden können, müssen wiederum die deutschen Sparer und Steuerzahler für den Schaden aufkommen.

Zu allem Überfluss werden wir auch noch von den anderen Ländern kritisiert.

Vor diesem Hintergrund ist die Aussage, dass wir Deutschen die Hauptnutznießer des Euro wären, schwer haltbar. Ohne den Euro hätte es die Schuldenparty im Süden nicht gegeben, aber auch nicht die großen Exportüberschüsse. Dafür einen höheren Lebensstandard und bessere Infrastruktur in Deutschland.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .

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