Überschuss gesunken Ruhe an den Finanzmärkten setzt der Deutschen Börse zu

An den Finanzmärkten ist es seit längerer Zeit ruhig. So viel Entspannung ist schlecht für das Geschäft der Deutschen Börse: Im zweiten Quartal sank der Überschuss des Unternehmens erneut. Doch die Talfahrt ist noch nicht zu Ende.
Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn: Sommerflaute belastet Ergebnis

Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn: Sommerflaute belastet Ergebnis

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Boris Roessler/ dpa

Eschborn - Des Anlegers Freud ist des Börsenbetreibers Leid: Die lange Ruhe an den Finanzmärkten hat das Geschäft der Deutschen Börse  im zweiten Quartal belastet. Das Unternehmen setzte daher seinen seit langem anhaltenden Abwärtstrend fort - den es im ersten Quartal dank Sondereffekten unterbrochen hatte.

Der Überschuss sackte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um rund 7 Prozent auf 159,3 Millionen Euro ab, wie der Börsenbetreiber gestern mitteilte. Das Ergebnis lag in Höhe der Erwartungen von Analysten. Die vorsichtige Jahresprognosen bestätigte der Konzern.

Der Börsenbetreiber kann weiter kaum von der insgesamt guten Stimmung an den Aktienmärkten profitieren. Anleger müssen angesichts der allgemeinen Entspannung weniger in ihren Depots umschichten oder sich gegen neue Risiken absichern. Das ist schlecht für die Deutsche Börse. Die Nettoerlöse gingen im abgelaufenen Jahresviertel um knapp 2 Prozent auf 488,4 Millionen Euro zurück. Operativ (Ebit) verdiente der Dax-Konzern mit 235,8 Millionen Euro 8 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Auch niedrige Zinsen erschweren das Geschäft

Besonders betroffen von der Ruhe an den Finanzmärkten ist die Derivate-Tochter Eurex. Die Nettoerlöse des wichtigsten Geschäftsbereichs der Gruppe sackten um 10 Prozent ab. Auch an den Aktienmärkten der Deutschen Börse wurde im zweiten Quartal wieder weniger gehandelt. Damit erwiesen sich die Zuwächse im ersten Quartal als kurzes Strohfeuer. Zuwächse bei der Abwicklungs- und Verwahrtochter Clearstream sowie im Datengeschäft machten die Rückgänge nicht wett.

Ein großer Belastungsfaktor sind auch die niedrigen Zinsen. Sie erschweren der Deutschen Börse das Geschäft mit der Anlage von verwahrten Geldern. Analysten sehen wenig Anzeichen, dass die Talfahrt bald enden könnte. Zuletzt senkten zahlreiche Experten den Daumen über dem Konzern und revidierten ihre Empfehlungen.

Zudem drückten höhere Kosten auf die Bilanz. Das lag auch an neuen Belastungen von 5,1 Millionen Euro durch das laufende Effizienzprogramm. Auch Investitionen in neue Geschäftsbereiche ließen die Kosten um 4 Prozent auf gut 254 Millionen Euro steigen.

Börse will an schärfere Finanzmarktregeln verdienen

Dennoch sieht sich der Vorstand auf "gutem Weg", die eigenen Jahresziele zu erreichen. Die sollen abhängig von der Entwicklung der Konjunktur bei 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro (2013: 1,9) liegen, beim Betriebsgewinn rechnet das Management mit 850 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro (2013: 739).

Bis 2017 sollen die Nettoerlöse auf 2,3 bis 2,7 Milliarden Euro steigen. Das wären 20 bis 40 Prozent mehr als 2013. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf Wachstum in Asien. Um das zu untermauern, soll im kommenden Jahr die Finanzmanagerin Amy Yok Tak Yip in den Aufsichtsrat einziehen.

Zudem investiert die Deutsche Börse in den Ausbau von Angeboten für das Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement. Dabei will der Konzern auch von den schärferen Regeln an den Finanzmärkten profitieren. Zugleich hofft das Unternehmen, sich mit seinen Wachstumsinitiativen vom starken Auf und Ab an Finanzmärkten etwas abkoppeln zu können. Allerdings wird es nach Meinung von Experten dauern, bis sich diese neuen Geschäfte sich deutlich auf den Gewinn auswirken.

wed/dpa

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