Kaffee so günstig wie lange nicht  Warum der Kaffeepreis bald wieder steigen dürfte

Zwei Cappuccino, bitte: Kaffee ist zurzeit so günstig wie lange nicht - aber wie lange noch?

Zwei Cappuccino, bitte: Kaffee ist zurzeit so günstig wie lange nicht - aber wie lange noch?

Foto: Sean Gallup/ Getty Images
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Am internationalen Tag des Kaffees, dem heutigen 1. Oktober, gibt es für Kaffeetrinker eine schlechte Nachricht: Es regnet derzeit nicht ausreichend in Brasilien.

Das Land in Südamerika ist mit Abstand der größte Kaffeeproduzent der Welt. Mehr als 60 Millionen Säcke Kaffee à 60 Kilogramm wurden dort im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. Mit großem Abstand folgte Vietnam und noch weiter abgeschlagen Kolumbien, Indonesien und andere. Brasilien beherrscht den Kaffeemarkt - und die Preise.

Letztere sind nicht nur von der Ernte in Brasilien abhängig. Experten zufolge wirkt sich aufgrund der Dominanz des Landes sogar der Wechselkurs der dortigen Landeswährung, des Real, zum Dollar auf den Kaffeepreis aus: Einer Faustregel zufolge gerät der Kaffeepreis eher unter Druck, wenn auch der Real schwächer tendiert.


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In den vergangenen Monaten hatte all das für Kaffee-Fans weltweit erfreuliche Auswirkungen: Starke Ernten in Brasilien ließen den Kaffeepreis erheblich absinken. Nach Angaben der International Coffee Organization (ICO) fiel der Preis für Rohkaffee im August dieses Jahres allein im Vergleich zum Juli um knapp 7 Prozent. Mit 96,07 US-Cent pro Pfund lag der Durchschnittswert um mehr als acht Cent unter dem Wert vom August 2018. Im April war der Preis mit 94,42 Cent sogar so tief wie seit Juli 2006 nicht mehr. Im April 2011 hatte er noch bei mehr als 2,30 Dollar gelegen.

Deutsche kaufen Kaffee gerne im Angebot

Die Konsequenz: In Supermärkten und bei Spezialhändlern ist Kaffee vielfach so günstig wie lange nicht. Der Hamburger Röster Tchibo beispielsweise senkte schon im Februar die Preise. Pünktlich zum 1. Oktober - Tag des Kaffees - lässt das Unternehmen noch einmal nach. Um bis zu 40 Cent weniger müssen Kunden künftig für ein Pfund Kaffee bezahlen, berichtet das "Hamburger Abendblatt ". Die "beliebte Sorte Feine Milde" beispielsweise koste damit 5,29 Euro, der "Herzhafte" sei für 4,49 Euro zu haben, so die Zeitung.

Beim Konsumenten dürfte das auf großen Zuspruch treffen. Schließlich ist das Preisbewusstsein hierzulande insbesondere beim Thema Kaffee stark ausgeprägt. Beim Blick in die deutschen Verkaufsregale fällt auf: Verbraucher kaufen Kaffee häufig im Angebot, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Sie zitiert das Marktforschungsunternehmen Nielsen, demzufolge der Absatzanteil von Filterkaffee, der im Angebot erhältlich ist, im ersten Halbjahr auf 61 Prozent stieg. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 59 Prozent. "Gerade der Filterkaffee ist eine Kategorie, bei der der Verbraucher auch die Eckpreise im Kopf hat", so Christiane Stuck, Getränke-Expertin bei Nielsen.

Aber, wie gesagt, die schlechte Nachricht des Tages: Es regnet derzeit nicht genug in Brasilien. Entgegen Erwartungen, die noch vor Kurzem die Runde gemacht hatten, dürfte die kommende Ernte in dem Erzeugerland Nummer eins daher deutlich schwächer ausfallen. Für den Kaffeepreis heißt das: Das Ende der Talfahrt ist möglicherweise in Sicht.

Die Kehrseite - Bauern in Mittelamerika leiden unter niedrigen Kaffeepreisen

Noch vor wenigen Monaten sagten Experten eine weitere Rekordernte für Brasilien voraus, so der Finanznachrichtendienst Bloomberg . Die Kaffee-Futures notierten daraufhin im Bereich ihrer 13-Jahres-Tiefststände. Doch das Wetter entwickelte sich offenbar anders als erwartet. Ungewöhnlich niedrige Temperaturen sowie geringere Niederschläge lassen einen Rückgang des Angebots erwarten, so Bloomberg. Die Preise seien daraufhin zuletzt bereits um 13 Prozent gestiegen.

Mit 70 Millionen Kaffee-Säcken wollte Brasilien Fachleuten zufolge sogar das starke Ernteergebnis des vergangenen Jahres in den Schatten stellen. Diese Aussicht hat sich aber inzwischen aufgelöst wie schlecht gemachter Milchschaum auf einem Cappuccino: Laut Bloomberg erwartet die staatliche Agentur Conab inzwischen für die kommende Ernte nur noch ein Ergebnis von 49 Millionen Säcken.

Die Bewertung dieser Entwicklung hängt allerdings wie immer vom Standpunkt ab. Der preisbewusste Konsument mag sich ärgern, wenn der Kaffee in nächster Zeit womöglich wieder teurer wird. Viele Kaffeebauern und Plantagenarbeiter insbesondere in Mittelamerika dagegen dürften aufatmen. Sie waren in den vergangenen Monaten durch den Preisverfall zum Teil in existenzielle Nöte geraten. Berichten zufolge leidet in Mittelamerika die gesamte Branche derart, dass einige Bauern aufgeben und zum Teil schon ihr Heil in der Flucht vorzugsweise in die Vereinigten Staaten suchen müssen.

In der Kaffeeindustrie jedenfalls dürfte sich kaum jemand darüber beschweren, wenn die Preise wieder steigen. Der Markt boomt und ist hart umkämpft. Selbst US-Getränkeriese Coca-Cola sieht offenbar Chancen und drängt ins Kaffeegeschäft.

Die Amerikaner kennen vermutlich Zahlen, über die auch die "Neue Zürcher Zeitung " berichtet. Demnach beziffert das Marktforschungsunternehmen Euromonitor den Wert des Kaffeemarktes für das vergangene Jahr auf bis zu 200 Milliarden Dollar. Die Wachstumsrate im Kaffeegeschäft, so die "NZZ", werde von Analysten bis 2025 auf 5,5 Prozent taxiert.

Vor allem die Großen im Markt dürften von diesen Wachstumsraten profitieren. Platzhirsch im weltweiten Geschäft ist mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent nach wie vor der Schweizer Nahrungsmittelgigant Nestlé . Doch ein deutsches Unternehmen holt auf: Die JAB Holding machte in den vergangenen Jahren mit mehreren Kaffee-Deals auf sich aufmerksam und kommt laut "NZZ" bereits auf einen Weltmarktanteil von rund 12 Prozent. Damit ist JAB nach Nestlé weltweit bereits die klare Nummer zwei.

Dass sich mit Kaffee Geld verdienen lässt, wissen die Verantwortlichen des Unternehmens nur zu gut: Hinter JAB steht bekanntlich die deutsche Milliardärs-Familie Reimann - sie wurde gerade von manager magazin zur reichsten Sippe Deutschlands gekürt .

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