Freitag, 19. April 2019

Aktien des Lieferdienstes vor Börsengang gefragt Delivery Hero verschafft Samwer Atempause

Oliver Samwer: Der Rocket-Chef braucht einen erfolgreichen Börsengang von Delivery Hero

Die Aktien von Delivery Hero sind wenige Tage vor dem geplanten Börsengang Ende Juni gefragt: Gut eine Stunde nach dem Beginn der Zeichnungsfrist lagen bereits ausreichend Kaufaufträge vor, um das Orderbuch für die Papiere des Essens-Lieferdienstes einmal zu füllen, wie ein Investmentbanker von Goldman Sachs am Dienstag in einer Telefonkonferenz sagte. Die US-Bank organisiert zusammen mit Citi und Morgan Stanley die Emission.

Das sind zunächst gute Nachrichten für Rocket Internet, die mit 35 Prozent an Delivery Hero beteiligt sind. Rocket-Chef Oliver Samwer hatte seinen Aktionären einen erfolgreichen Börsengang versprochen und braucht zudem frisches Geld aus dem Emissionserlös. Im Zuge des Börsengangs will Rocket seinen Anteil an Delivery Hero deutlich verringern. Nach dem Kurssturz von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen ist Samwer auf einen erfolgreichen Börsengang von Delivery Hero dringend angewiesen: Die Aktie von Rocket, die in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten war, legte am Dienstag auf Grund der guten Order-Lage bei Delivery Hero zuletzt um rund 4 Prozent zu.

Vorstandschef Niklas Östberg will die 483 Millionen Euro, die Delivery Hero aus dem Börsengang selbst zufließen sollen, vorwiegend zur Tilgung von Bankkrediten und Darlehen eigener Aktionäre verwenden. Das Berliner Unternehmen schuldet seinem Investor Luxor Capital und Goldman Sachs 310 Millionen Euro.

Aber auch für die Finanzierung des Wachstums soll noch Geld übrigbleiben - aus eigener Kraft oder durch weitere Zukäufe. "Wachstum und Größe sind sehr wichtig, um profitabel zu werden", sagte Östberg, der Delivery Hero ("Lieferheld", "Pizza.de", "Foodora") 2011 gegründet hatte. Im Dezember hatte er seinem Großaktionär Rocket Internet Börsen-Chart zeigen den Lieferdienst foodpanda abgekauft. Das trieb den Umsatz im ersten Quartal 2017 auf 121,2 (2016: 62,8) Millionen Euro. Der operative Verlust sank auf 35,7 (53,0) Millionen Euro.

Just Eat und Takeaway.com (Lieferando) sind bereits an der Börse gelistet

Samwers Hoffnungsträger: Niklas Östberg, Chef von Delivery Hero
Jussi Ratilainen / Delivery Hero
Samwers Hoffnungsträger: Niklas Östberg, Chef von Delivery Hero

Die spannende Frage ist, wer sich auf dem Markt durchsetzt - die Kunden dürften auf einen Lieferanten setzen und sich nur eine App herunterladen. "Es ist an der Zeit, dass es ein europäisches Unternehmen im Technologiesektor gibt, das weltweit führend ist", sagte Östberg. Just Eat aus Großbritannien und Takeaway.com ("Lieferando") aus den Niederlanden haben Vorsprung: sie sind bereits an der Börse gelistet.

Den Lieferdiensten droht zudem neue, mächtige Konkurrenz: Zuletzt waren Amazon Börsen-Chart zeigen und der Taxi-Dienst Uber in die Essens-Auslieferung eingestiegen.

Die Anleger setzen trotzdem auf Delivery Hero. So begierig wie jetzt hatten sie zuletzt im Herbst 2014 bei einem Börsengang in Deutschland zugegriffen: bei der Emission des größten Delivery-Hero-Anteilseigners Rocket Internet, der 35 Prozent an Delivery Hero hält.

Nach der Erstnotiz im Herbst 2014 war die Aktie von Rocket Internet Börsen-Chart zeigentrotzdem abgestürzt. Rocket will seinen Anteil an Delivery Hero von 35 Prozent auf bis zu 24,4 Prozent abbauen, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht.

Delivery Hero bietet seit Dienstag und bis zum 28. Juni bis zu 39 Millionen Aktien an und hofft auf einen Erlös von bis zu 996 Millionen Euro. Die Preisspanne liegt bei 22 bis 25,50 Euro.

Für einen erfolgreichen Börsengang müssen etwa doppelt so viele Orders vorliegen wie Aktien zur Verfügung stehen. An Delivery Hero selbst fließen bis zu 483 Millionen Euro.

la/dpa

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