Dax und Dow legen zu Geld bleibt billig, Anleger haken Zinserhöhung ab

Der Dax legt wieder zu. Die US-Wirtschaft hat im August weniger Jobs geschaffen als erwartet. Damit sinken die Chancen, dass die Fed bereits im September die Zinsen erhöht, gegen Null. Auch die US-Börse zieht an.
Bauarbeiter in New York: Das Jobwachstum hat sich verlangsamt. Die Chancen, dass die Fed bereits Ende September die Zinsen erhöht, tendieren damit gegen Null

Bauarbeiter in New York: Das Jobwachstum hat sich verlangsamt. Die Chancen, dass die Fed bereits Ende September die Zinsen erhöht, tendieren damit gegen Null

Foto: AP

Aktienanleger atmen auf, denn Geld bleibt wohl vorerst billig. Die Chancen auf eine rasche Zinserhöhung in den USA sind nach Bekanntgabe der US-Jobdaten deutlich gesunken. In der US-Wirtschaft sind im August weniger neue Jobs entstanden als erwartet. Private Firmen und die öffentliche Hand schufen insgesamt 151.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington bekanntgab. Volkswirte hatten mit 180.000 gerechnet. Die getrennt erhobene Arbeitslosenquote verharrte bei 4,9 Prozent. Damit setzte sich die Erholung am Jobmarkt insgesamt fort, allerdings etwas verlangsamt.

Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed bei ihrem Meeting am 21. September die Zinsen anheben wird. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) peilt Vollbeschäftigung an und verfolgt für ihre Geldpolitik den Arbeitsmarkt sehr genau. Die Fed hat den Leitzins im Dezember 2015 erstmals seit fast zehn Jahren angezogen und hält ihn seither in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen hatte vorige Woche zwar in einer Rede die Tür für eine Zinsanhebung weit aufgestoßen, den Zeitpunkt aber offengelassen. Frühestens nach der US-Wahl im Dezember, so die Meinung der Mehrheit am Markt, könnte es nun zu einer weiteren Zinsanhebung kommen.

Dax baut Gewinne aus - auch US-Börsen legen zu

Der deutsche Leitindex Dax  baute nach Bekanntgabe der US-Jobdaten seine Gewinne bis zum Schluss des Xetra-Handels auf 1,4 Prozent aus und schloss bei 10.683 Punkten. Auch an der Wall Street starteten Dow Jones  und Nasdaq Composite  mit Gewinnen.

Anleger rechnen vorerst weiterhin mit extrem niedrigen Zinsen in den USA. Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten am Nachmittag die Aktien der Energieversorger RWE  und Eon. Die Aktie von RWE baute zuletzt ihre Gewinne auf rund 5 Prozent aus. Aber auch Pharmatitel wie Merck und FMC waren im Dax gefragt und legten jeweils mehr als 2 Prozent zu.

"Anleger schreiben Zinserhöhung in den Wind"

"Die Börsen schreiben die Zinswende in den Wind und stellen sich wieder auf tiefe Zinsen für längere Zeit ein. Die Sitzungen der Federal Reserve im September und November gelten bereits als abgesagt, bevor sie überhaupt begonnen haben", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets. "Zinsanhebungen erwartet hier keiner mehr."

Der trotz schwacher US-Jobdaten wieder fallende Euro sorgt als zusätzlicher Turbo dafür, dass der Deutsche Aktienindex zum Wochenschluss noch einmal Fahrt aufnehmen kann. "Die Marke von 11.000 Punkten ist heute in Reichweite gekommen", meint Stanzl.

Anleger hoffen auf geldpolitischen Rückenwind durch die EZB

Und auch in Europa hoffen Aktien-Anleger in der kommenden Woche auf geldpolitischen Rückenwind. Bereits am Donnerstag steht der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Agenda. Allgemein wird erwartet, dass EZB-Präsident Mario Draghi den bereits negativen Einlagenzins nicht weiter senken, aber das im März auslaufende Anleihen-Kaufprogramm um mindestens sechs Monate verlängern und das Volumen ausweiten wird. Damit blieben die Anleiherenditen niedrig und Aktien als Anlageklasse attraktiv.

"Denkbar wäre, dass die EZB die Ankaufsgrenze von Staatsanleihen, die bei 33 Prozent einer Emission liegt, anhebt", schrieb Helaba-Experte Ulf Krauss. Die Postbank hält sogar den Kauf von bis zur Hälfte des kompletten Volumens einer Emission für möglich.

Aktie von Rocket Internet bricht ein

Während die meisten Dax-Werte deutlich zulegten, schockte unter den Nebenwerten die Aktie von Rocket Internet (Kurswerte anzeigen) die Anleger. Die Startup-Fabrik war im ersten Halbjahr vor allem wegen Wertberichtigungen bei mehreren Modehändlern tief ins Minus gerutscht. Zudem brach der Halbjahresumsatz der Rocket-Holding ein. Bei Tradegate büßten die Aktien mehr als 8 Prozent ein.

MDax: Hannover Rück gefragt

Demgegenüber sprach die französische Großbank Societe Generale eine Kaufempfehlung für die Aktien der Hannover Rück aus. Die defensiven Qualitäten des Rückversicherers, seine robuste Kapitalausstattung sowie eine nachhaltig höhere Eigenkapitalrendite rechtfertigten einen Bewertungsaufschlag im Vergleich zu den Papieren der Konkurrenz, schrieb Analyst Vikram Gandhi. Bei Tradegate wurden die Anteilsscheine 0,74 Prozent höher gehandelt.

Deutsche Bank prüft Verschärfung des Sparkurses

Die Deutsche Bank beschäftigt sich nach Angaben aus Finanzkreisen mit einer Beschleunigung ihres Spar- und Schrumpfkurses. Der Vorstand werde darüber an diesem Wochenende beraten, am 15. und 16. September folge dann eine gemeinsame Strategie-Klausur mit dem Aufsichtsrat in Mailand, sagten zwei mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Das Strategietreffen auf höchster Ebene findet zwar jedes Jahr um diese Zeit statt. Es bekommt dieses Mal aber eine besondere Brisanz, weil die Bank wegen der Niedrigzinsen unter einem enormen Ertragsdruck steht. Dazu zeichnen sich immer strengere Kapitalanforderungen der Regulierer ab und viele milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten sind noch immer nicht gelöst.

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