Börsenprofi Thomas Grüner zeigt Warum Bayer und Daimler einen Blick wert sind

Von Thomas Grüner
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Traditionelle Sparer haben es seit einigen Jahren nicht leicht. Niedrigzinsen nagen an der deutschen "Sparer-Mentalität" - und dennoch wird der Aktienmarkt von vielen deutschen Sparern eher gemieden. Wieso eigentlich? Selbst die durchschnittlichen Dividendenrenditen im Dax  schlagen etwa eine 10-jährige deutsche Staatsanleihe und liegen derzeit weit über dem aktuellen Zinsniveau.

Thomas Grüner

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman des Vermögensverwalters Grüner Fisher Investments (www.gruener-fisher.de ) mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Aber der wirkliche Vorteil der Aktienmärkte liegt im langfristigen Wertzuwachs bei einem entsprechend langem Anlagehorizont. Dividenden sind dabei nur ein zusätzlich positiver Nebeneffekt.

An der Entwicklung des Dax-Performanceindex wird deutlich, dass die Dividende einen entscheidenden Part bei der Wertentwicklung einnimmt. Denn der Dax-Kursindex verharrt auf dem Niveau von 1998, während sich der Dax-Performance-Index (inklusiv Dividende) binnen dieses Zeitraums mehr als verdoppelt hat.

Die vermeintlich fetten Jahre sind nicht vorbei. Auch in diesem Bullenmarkt gab es immer wieder Schwankungen und Markteinbrüche. Dass wir dies vergessen, verdanken wir dem berühmten Rezenzeffekt - der nahen Vergangenheit mehr Gewichtung zu verleihen. Blicken Sie aber wie die Märkte in die Zukunft und denken Sie dabei langfristig und global.

Daimler - viel besser als der Kurs vermuten lässt

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Der Abgasskandal bei VW  hat nicht nur dunkle Wolken über den Wolfsburger Konzern geworfen, sondern überschattet den gesamten Automobilsektor. Die Befürchtung, dass auch weitere Automobilhersteller bei den Emissionswerten getrickst haben könnten, ließ die Aktienkurse vieler Automobilhersteller einbrechen - ungeachtet der positiven Entwicklungen, wie im Falle Daimlers.

Daimlers Fundamentaldaten für 2016 sehen solide aus und sollten das trübe Sentiment ausgleichen. Insbesondere das Kerngeschäft mit Mercedes-Benz hat sich robust entwickelt: Die Verkaufszahlen haben sich im ersten Quartal 2016 in Europa um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr gebessert und in China stiegen die Zahlen sogar um 24 Prozent. Die zugeschnittene Einführung neuer Modelle in verschiedenen geographischen Endmärkten verläuft weiterhin einwandfrei.

Doch nicht nur die absoluten Zahlen sprechen für die Stuttgarter. Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist Daimler  mit einer operativen Marge von 8,6 Prozent wesentlich profitabler als die Konkurrenz mit durchschnittlich 6,5 Prozent. Im Reich der Mitte gelingt es Daimler zunehmend, Marktanteile von den Wettbewerbern zu gewinnen. Umso erstaunlicher erscheint Daimlers temporäre Underperformance gegenüber dem gesamten Automobilsektor. Langfristig orientierte Anleger, die auf dividendenstarke Qualitätswerte aus sind, dürften sich die Hände reiben.

Bayer - Vorstand steigt ein, im richtigen Moment

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Unruhige Zeiten für den deutschen Chemie-Giganten Bayer : Die Diskussionen um die geplante Monsanto-Übernahme schlagen hohe Wellen. Viele Anleger machen aus ethischen Gründen einen weiten Bogen um den US-Konzern - und jetzt streckt ausgerechnet der deutsche Vorzeigekonzern Bayer die Fühler nach Monsanto  aus.

Um die Wogen zu glätten, zeigte sich die Bayer-Vorstandsriege um Vertrauensbildung bemüht und kaufte eigene Aktien im großen Stil ein. Angesichts der attraktiven Fundamentaldaten wohl auch keine schlechte Idee - völlig losgelöst von der Monsanto-Diskussion. Bayer steht für Qualität. Anleger dürfen sich auf spannende Verhandlungen gefasst machen.

Gold - längst nicht so stabil wie gedacht

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Gold: Erst die Euphorie, dann der Absturz bis ins Börsenjahr 2015 hinein. Kaum näherte sich der Goldpreis der Marke von 1.000 US-Dollar an, machte sich erste Resignation unter Anlegern breit - was den Wendepunkt zu Beginn des Jahres 2016 bedeutete.

Nach der Erholung hat dann fast jeder Analyst wieder vom großen Comeback geschrieben. Dabei ist klar: Gold führt immer die Mehrheit der Leute an der Nase herum und liebt es, die Marktteilnehmer und Analysten zu überraschen. Und Gold ist dabei auch sehr volatil.

Kein wirklich gutes Instrument zur Absicherung. Gold verhält sich eher wie ein schmaler Aktienindex, nicht wie eine klassische Absicherung. Beim genauen Hinschauen fällt auf, dass Gold nicht die Stabilität aufweist, die ihm viele Anleger zubilligen.

Anleihen - Niedrigzinsen treiben ins Risiko

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Wo gibt es aktuell noch Rendite bei Anleihen erstklassiger Bonität? Jedenfalls nicht bei europäischen Staatsanleihen, zumindest nicht bei kurzen Laufzeiten.

Während Deutschland und Frankreich bei zweijährigen Staatsanleihen schon seit über einem Jahr nur noch negative Zinsen bieten und mittlerweile minus 0,5 Prozent bzw. minus 0,44 Prozent Rendite offerieren, wird der einst exklusive Club der Strafzinsenländer immer größer.

Mittlerweile sind die Zinsen auch in Italien, Spanien und sogar kleineren Staaten wie Slowenien ins Negative gerutscht. Für höhere (bzw. überhaupt eine) Rendite müssen Geldmarktmanager in Europa sich nun händeringend nach Alternativen umsehen.

Bei kurzlaufenden Anleihen ist dies nur im High-Yield-Bereich möglich, zum Beispiel bei Staatsanleihen risikoreicher Titel aus Griechenland oder Portugal, bei denen man eine Rückkehr zur Drachme oder zum Escudo nie ganz ausschließen kann.

Eine andere Möglichkeit sind Unternehmensanleihen. Dort gibt es bei Titeln höchster Bonität aber auch kaum noch Rendite, eine Siemens-Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit ist beispielsweise auch schon in den Minuszinsbereich gefallen. Bei niedrigerer Bonität von Unternehmen aus dem Finanz- oder dem Versorgersektor gibt es allerdings durchaus noch Renditen zu holen - bei höherer Ausfallwahrscheinlichkeit.

Die dritte Möglichkeit besteht darin, das Geld außerhalb Europas anzulegen. In den USA gibt es für zwei Jahre immerhin 1 Prozent "risikolosen" Zins und auch in vielen Schwellenländern existieren kurzfristige Zinsen von teils über 5 Prozent, zu beachten ist jedoch das Wechselkurs- bzw. Inflationsrisiko.

Zusammenfassend muss man konstatieren, dass Anleger Zinsen nur noch bei höherem Risiko erhalten können - sind da Dividendenrenditen erstklassiger Unternehmen nicht interessanter?

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