Donnerstag, 17. Oktober 2019

Börsen-Zittern Dax im Bann der Wall Street: Crash oder Comeback?

Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit Ende September um mehr als 1000 Punkte nachgegeben

Der Dax notiert auf Jahrestief, der Dow Jones erlebte die verlustreichste Handelswoche seit mehr als zwei Jahren: Krieg, Krisen und die schwache Konjunktur in Deutschland und Europa ergeben einen brisanten Mix. Anleger hoffen nun auf solide Zahlen der US-Großbanken - JP Morgan, Goldman Sachs und Bank of America sollen die Zuversicht zurückbringen.

Frankfurt am Main - Anleger an den europäischen Aktienmärkten müssen sich auch in der neuen Woche auf einiges gefasst machen. Es könnte - passend zur Jahreszeit - an den Börsen eher ungemütlich werden. Konjunkturdaten und Firmenbilanzen werden den Takt an den Börsen vorgeben.

Die vergangenen Handelstage boten den Anlegern wenig Grund zur Freude. Der Dax Börsen-Chart zeigen verlor in der abgelaufenen Woche mehr als vier Prozent und rutschte sogar unter die Marke von 8800 Punkten. Der Index notiert auf dem niedrigsten Niveau seit 12 Monaten.

Anleger machten vor allem Hiobsbotschaften aus der deutschen Konjunkturdaten nervös: Im August waren die Industrieaufträge, die Produktion und die Exporte eingebrochen. Das beunruhigt auch die Anleger auf der anderen Seite des Atlantiks. Sie fragen sich, inwiefern sich die Schwäche in Europa auf die Bilanzen in den USA ausgewirkt haben könnte.

Dow Jones mit schwächster Woche seit mehr als zwei Jahren

Auf Wochensicht gaben alle drei großen US-Indizes deutlich nach. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen mit einem Minus von 2,7 Prozent und der S&P mit einem Abschlag von 3,1 Prozent hatten zuletzt im Mai 2012 eine so schlechte Woche erlebt.

"Mit dem Dax Börsen-Chart zeigen wird es wohl weiter abwärts gehen", meinte ein Händler. Auch ein Rückfall auf bis zu 8000 Zähler sei nicht ausgeschlossen. "Wenn man sich die Konjunkturaussichten anschaut, sind die bisherigen Kursverluste der Aktienmärkte noch recht moderat."

Dax-Comeback zum Jahresende?

Die Analysten der Commerzbank rechnen dagegen mit einer Erholung am deutschen Aktienmarkt. "Nach einem schwachen Oktober dürfte sich der Dax im November und Dezember wieder erholen", prognostizieren sie. "Da wir einen Konjunktureinbruch für unwahrscheinlich halten, sehen wir Dax-Stände um 9000 Punkte als Kaufgelegenheiten an." Sie rechnen eher mit einer Wachstumsdelle als mit einer Rezession.

US-Bilanzsaison wird den Ton angeben - US-Großbanken im Blick

In den USA geht die Bilanzsaison in der neuen Woche in die heiße Phase. Wenn vor allem Großbanken wie Citigroup Börsen-Chart zeigen , J.P. Morgan (beide Dienstag), Bank of America Börsen-Chart zeigen (Mittwoch), Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen Sachs (Donnerstag) und Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen Stanley (Freitag) ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen, kann das an den Börsen schon mal die Richtung für den Rest des Tages vorgeben.

Außerdem liefern die Berichte Hinweise darauf, wie es um die europäischen Finanzinstitute bestellt ist. Zuletzt schnitten die US-Häuser besser ab. Vieles spricht dafür, dass sie auch dieses Mal die Nase vorn haben, wie die Beratungsfirma Ernst & Young (EY) in einer Studie festgestellt hat.

Die Rahmenbedingungen seien dort derzeit besser als in Europa: Die Wirtschaft laufe rund, der Immobilienmarkt gewinne an Schwung und das Investment- und Transaktionsgeschäft floriere, sagt Dirk Müller-Tronnier von EY. "Da können die US-Banken auch Sonderbelastungen besser wegstecken als die europäischen Banken, die ohnehin erheblich unter Druck stehen."

IBM, General Electric, Roche und Nestle legen Zahlen vor

Neben den Großbanken stehen aus den USA auch Quartalszahlen von großen Konzernen wie IBM (Donnerstag) und General Electric (Freitag) an. Auch in Europa warten bereits einige Firmen mit Ergebnissen auf, darunter Danone (Mittwoch), Nestle und Roche (beide Donnerstag).

Da die Konjunkturentwicklung derzeit sowohl in Europa als auch in den USA die Tendenz an den Börsen bestimmt, warten die Anleger gespannt auf Wirtschaftsdaten.

Konjunkturdaten: ZEW-Index, Beige Book und US-Industrieproduktion

Am Dienstag steht der ZEW-Index für Deutschland an. In den USA wird am Mittwoch der Einzelhandelsumsatz veröffentlicht und die US-Notenbank Fed präsentiert ihren Konjunkturbericht Beige Book; am Donnerstag folgt die Industrieproduktion. Die Commerzbank-Analysten gehen davon aus, dass die Indikatoren aus den USA auf ein solides Wachstum der US-Wirtschaft hinweisen. Die Fed-Banker wollen den Zeitpunkt für eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik primär von der Konjunkturlage abhängig machen, wie sie zuletzt betonten.

von Myria Mildenberger, Reuters

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung