Dienstag, 18. Juni 2019

Börse Dax-Anleger zittern, Nasdaq stürzt auf Dreimonatstief

Kursrutsch: Dax-Kurve an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main

Der Dax macht im späten Handel seine Verluste wieder wett. Doch Entwarnung gibt es nicht: Aus China werden die Töne im Handelsstreit mit den USA schärfer. Vor allem die Techwerte an der Nasdaq geraten stark unter Druck.

Reine Nervensache: Nachdem Ende Mai der bisher schlechteste Börsenmonat des Jahres 2019 beendet wurde, ist der deutsche Aktienmarkt auch schwach in den Monat Juni gestartet. Der Dax Börsen-Chart zeigen notierte am Montag zeitweise 0,8 Prozent niedriger bei 11.629 Punkten. Dies war zudem der tiefste Stand seit Anfang April. Im Anschluss wagten sich jedoch einige Käufer vor und schoben den Dax wieder über die Marke von 11.700 Zählern.

Kurz zuvor hatte sich der deutsche Leitindex der 200-Tage-Linie, die aktuell bei etwa 11.617 Punkten verläuft, bis auf rund 3 Punkte genähert. Als Indikator für den längerfristigen Trend des Dax findet diese Linie am Markt große Beachtung.

Sorgen wegen Trump und Salvini

"Ob sich die Aktienmärkte im Juni wieder fangen können, ist aufgrund der zahlreichen Risiken fraglich", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Denn US-Präsident Donald Trump habe mit Mexiko eine weitere Front im Handelskrieg eröffnet. Zudem habe sich das ohnehin nicht einfache Verhältnis zwischen den USA und China noch einmal zum Schlechteren gewendet. "Die Anleger fürchten, dass eine Eskalation des Handelsstreits eine Rezession auslöst. Zudem besteht das Risiko, dass sich der US-Präsident demnächst auch wieder der Europäischen Union widmet und hier mit neuen Strafzöllen droht", so Cutkovic.

Aber auch im politischen Europa gibt es Anlass zur Sorge. "Es wird immer deutlicher, dass Matteo Salvini die Machtprobe mit der EU sucht. Wenn es nach Salvini geht, werden Defizit und Schulden weiter steigen. Das Vertrauen der Märkte in Italien ist jetzt schon stark angekratzt", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

Zudem mehrten sich nach dem Rückzug von Andrea Nahles als SPD-Partei- und Fraktionschefin die Spekulationen über den Fortbestand der "GroKo" und möglicherweise vorzeitige Neuwahlen.


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Infineon plant Übernahme, Aktie knickt ein

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Infineon Börsen-Chart zeigen mit einem Kursabschlag von mehr als 5 Prozent im Anlegerfokus. In den ersten Handelsminuten waren die Titel des Halbleiterkonzerns um 6,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit November 2016 absackt. Infineon wagt den bisher größten Übernahmeversuch seiner Unternehmensgeschichte und will für umgerechnet rund 9 Milliarden Euro den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor erwerben. Die Kaufsumme soll bis bis zu 30 Prozent durch neues Eigenkapital finanziert werden. Infineon hat sich bereits die Unterstützung der Cypress-Führungsspitze gesichert und will die Übernahme bis spätestens Anfang 2020 abschließen.

Dow Jones kaum verändert, Nasdaq stark unter Druck

Weiter zugespitzte Handelsstreitigkeiten sorgten am Montag an der Wall Street weiter für Zurückhaltung. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte zuletzt kaum verändert bei 24 800 Punkten. Die Misere der vergangenen Wochen mit dem US-chinesischen Zollkonflikt als Dreh- und Angelpunkt droht sich damit auch im Juni fortzusetzen. Am Freitag hatte der US-Leitindex den Mai mit seinem ersten Monatsverlust in diesem Jahr beendet.

Während US-Präsident Donald Trump seine Zolldrohungen neuerdings auch nach Mexiko richtet, hat sich die Tonalität im langwierigen Konflikt mit China zuletzt weiter verschärft. Am Wochenende hatte China bereits Gegenzölle als Reaktion auf die zuletzt von den USA erhöhten Sonderabgaben erlassen, nun wiesen die Chinesen der US-Seite die volle Verantwortung für den Stillstand in den Verhandlungen zu.

Die chinesische Führung geht nun offenbar von einem lange andauernden Konflikt aus. Als neueste Waffe will Peking eine Liste mit "unzuverlässigen" ausländischen Firmen aufstellen.

Google-Mutter Alphabet knickt ein, Nasdaq stürzt auf Dreimonatstief

Der technologielastige Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen fiel unterdessen auf den niedrigsten Stand seit Anfang März. Hier belasteten hohe Kurseinbußen großer Internet-Aktien nach Berichten über eine mögliche Untersuchung des US-Justizministeriums gegen Google Börsen-Chart zeigen wegen der immer mehr ausufernden geschäftlichen Aktivitäten des Internetgiganten. Papiere der Google-Konzernmutter Alphabet büßten daraufhin mehr als 6 Prozent ein.

Flucht in sichere Anlagen

"Die Flucht in sichere Anlagen ist das Gebot der Stunde", schrieb Analyst Bernd Krampen von der NordLB am Morgen in einem Kommentar. Dies geht zu Lasten von Aktien und erhöht die Nachfrage nach den als sicher geltenden Staatsanleihen, zum Beispiel jene der USA.

Zwischen die Fronten des Konflikts gerät am Montag auch die Aktie von Fedex , die vorbörslich 2,4 Prozent verliert. Chinas Behörden ermitteln gegen den US-Paketdienst, der mehrere Pakete des chinesischen Telekom-Riesen Huawei in die USA umgeleitet hatte. FedEx entschuldigte sich und sagte, die Pakete seien versehentlich fehlgeleitet worden.

Wirecard-Aktie legt gegen den Trend zu

Wirecard-Anteilsscheine Börsen-Chart zeigen profitierten von Aussagen von Konzernchef Markus Braun zum Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr. Braun hatte am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben, dass Wirecard auf ein herausragendes erstes Halbjahr 2019 zusteuere. Die Aktie legte zuletzt um knapp 3 Prozent zu. Am Freitag war die Aktie noch um rund 10 Prozent eingebrochen, da neue Gerüchte über die Bilanzierungsmethoden der Aktie kräftig zusetzten. Seit Anfang April hat Wirecard dennoch mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen.

Deutsche Bank stürzt unter 6 Euro

Die Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen rutschten erstmals unter die Marke von sechs Euro. Die Aktien des krisengeplagten Instituts fielen um bis zu 2,6 Prozent auf 5,94 Euro. Damit schrumpft der Börsenwert des Instituts auf 12,3 Milliarden Euro. Ein unmittelbarer Abstieg aus der ersten deutschen Börsenliga droht allerdings nicht, da vier andere Dax-Werte eine noch geringere Marktkapitalisierung aufweisen.

Die Deutsche Bank ist seit Jahren in der Krise. Vorstandschef Christian Sewing hatte auf der Hauptversammlung im Mai harte Einschnitte angekündigt. Außerdem spekulieren Anleger wegen des kostspieligen Umbaus des Investmentbankings auf eine erneute Kapitalerhöhung. Insidern zufolge will die Deutsche Bank dies allerdings verhindern.

Deutz schafft Comeback

Der Motorenhersteller Deutz Börsen-Chart zeigen hat mit dem chinesischen Baumaschinenkonzern Sany einen Vertrag über ein Gemeinschaftsunternehmen geschlossen. Die Kölner wollen damit ihre Wachstumsstrategie in China ausbauen und halten künftig 51 Prozent der Anteile des Gemeinschaftsunternehmens.

Der Online-Modehändler Global Fashion Group (GFG) will in Frankfurt an die Börse gehen. Der Gang aufs Parkett soll der Beteiligung des Start-up-Investors Rocket Internet brutto rund 300 Millionen Euro einbringen. Die Erlöse aus dem Börsendebüt will der Modehändler dazu verwenden, weiteres Wachstum zu fördern. Die Titel von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen sanken um 0,4 Prozent.

Die Aktien des Laborzulieferers Sartorius Börsen-Chart zeigen fielen nach einem skeptischen Analystenkommentar der Bank of America um 2,2 Prozent. Die Experten nahmen die Bewertung der Papiere des MDax -Konzerns mit "Underperform" und einem Kursziel von 116 Euro auf. Damit sehen sie ein Risiko von rund 30 Prozent.

Eurokurs legt weiter zu

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Montag an die Kursgewinne vom Freitag angeknüpft. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,1178 US-Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1151 Dollar festgesetzt.

Marktbeobachter sprachen von einer breitangelegte Dollar-Schwäche zum Wochenauftakt. Als Ursache wurde die jüngste Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China genannt.

Im weiteren Handelsverlauf dürfte auch die konjunkturelle Entwicklung wieder etwas stärker in den Fokus der Anleger am Devisenmarkt kommen. Auf dem Programm stehen Daten zur Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone und aus den USA, die am Markt in der Regel stark beachtet werden.

Ölpreise fallen weiter

Die Ölpreise haben am Montag die Verluste der vergangenen Woche fortgesetzt. Die Notierungen wurden weiterhin durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet, der die Sorge vor einem weiteren Abflauen der Weltwirtschaft und einer damit verbundenen schwächeren Nachfrage nach Rohöl verstärkt.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen kostete am Morgen 61,33 US-Dollar. Das waren 66 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 38 Cent auf 53,12 Dollar. Seit Mitte Mai sind die Preise für US-Öl und für Rohöl aus der Nordsee um jeweils etwa 16 Prozent eingebrochen.

mit Nachrichtenagenturen

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