Samstag, 16. November 2019

Kein Wohlstand ohne Schuldenabbau So wird die Welt die Schulden los

Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland
DPA / Bund der Steuerzahler
Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland

8. Teil: Schuldenabbau durch Umstellung auf Vollgeld?

Es ist nicht das erste Mal in der Wirtschaftsgeschichte, dass eine Überschuldungssituation zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt. Auf der Suche nach einer Lösung kamen die Professoren Henry Simons und Irving Fisher im Jahre 1936 auf die Idee, die Geldschaffung durch die Geschäftsbanken zu verbieten. Die Banken dürften nur noch jenes Geld verleihen, welches sie wirklich als Einlagen in den Büchern haben. Diese Einlagen würden zu 100 Prozent von der staatlichen Zentralbank zur Verfügung gestellt.

Der Charme des Vorschlags liegt in der Möglichkeit, beim Übergang zum System der völligen Zentralbankgelddeckung auch noch den lästigen Schuldenüberhang loszuwerden. Das liegt daran, dass sich die Banken das zur Hinterlegung der Ausleihungen erforderliche Zentralbankgeld vom Staat leihen müssten, der es dann mit den Forderungen gegen sich selbst verrechnet.

Im Jahr 2012 haben zwei Forscher des IWF die Idee aufgriffen und für die heutige Zeit durchrechnet. Die Modellierung führte zu folgender Erkenntnis:

· Die Umstellung auf ein Vollgeldsystem würde funktionieren und der Nutzen über dem von Fisher und Kollegen erwarteten Werten liegen.

· In den USA würde es sogar eine teilweise Tilgung der privaten Schulden ermöglichen, da der Finanzsektor in Summe Verbindlichkeiten von rund 200 Prozent des BIP hat. Gleiches gilt erst recht für Europa, wo der Bankensektor noch viel aufgeblähter ist.

· Die Forscher erwarten mittelfristig eine Stärkung der Wirtschaftsleistung der USA um zehn Prozent und keinerlei Beeinträchtigung der Kernfunktion des Bankensektors.

Kritiker stören sich an der "Verstaatlichung" der Gelderzeugung und der damit verbundenen Gefahr von Fehlallokation und nachhaltiger Inflation. Zur Zeit gibt es in Island eine ernsthafte Diskussion über diesen Systemwechsel und in der Schweiz steht eine Volksabstimmung bevor.

Letztlich entspräche diese Lösung der Option 6 mit den bereits diskutierten Chancen und Risiken.

Fazit:

· Machbarkeit: mittel bis hoch

· Politische Durchsetzbarkeit: mittel-hoch

· Realisierungswahrscheinlichkeit: gering, da gegen die Interessen des Bankensystems

· Verlierer: umstritten. Hohes Risiko für Geldvermögensbesitzer falls doch inflationär.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung