Sonntag, 15. Dezember 2019

Kein Wohlstand ohne Schuldenabbau So wird die Welt die Schulden los

Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland
DPA / Bund der Steuerzahler
Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland

7. Teil: Entschuldung über die Bilanzen der Notenbanken?

Nachdem die Optionen 1 bis 5 entweder nicht realisierbar sind oder einem politischen Selbstmord gleichkommen, sucht die westliche Welt nach einer Alternative. Diese könnte in der Entschuldung über die Bilanzen der Notenbanken liegen. Letztere sind zunehmend zu den Hauptgläubigern der Staaten geworden.

Da die Notenbanken ohnehin den Staaten gehören, wird vor allem im angelsächsischen Raum diskutiert, dass die Notenbanken die Staatschulden auf ihrer Bilanz einfach annullieren. Ebenso wäre es möglich, die Forderungen gegen die Staaten für die nächsten 500 Jahre zins- und tilgungsfrei zu stellen. Mit dem ehemaligen Chef der britischen Finanzmarktaufsicht, Adair Turner, hat diese Idee einen sehr prominenten Befürworter.

Der Charme dieser Überlegung liegt darin, dass es zu einer Entschuldung kommt, ohne dass es einen Verlierer gibt. Die Notenbank kann ihre Aktiva weitgehend frei bewerten und im schlimmsten Fall würde sie auf Gewinnausschüttungen verzichten.

Ob es in der Praxis wirklich so verlustfrei funktionieren würde, ist offen. Kritiker befürchten einen Vertrauensverlust in Geld und damit eine Hyperinflation. Befürworter halten dies für unbegründete Angstmache. So wie es aussieht, wird Japan das erste Land der Welt sein, welches das Experiment durchzieht.

Fazit:

· Machbarkeit: mittel bis hoch

· Politische Durchsetzbarkeit: je länger die Krise andauert, desto höher

· Realisierungswahrscheinlichkeit: je länger die Krise andauert, desto höher

· Verlierer: umstritten. Hohes Risiko für Geldvermögensbesitzer

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