Briefkasten-Connection des britischen Premiers Camerons Offshore-Fonds noch immer am Markt

Erfolgreich als Politiker und Geldanleger: Großbritanniens Premier David Cameron

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Nachdem der britische Premierminister David Cameron unter dem Druck der Öffentlichkeit erst spät eingeräumt hatte, in der Vergangenheit von einer Offshore-Firma seines verstorbenen Vaters profitiert zu haben, kommen nun weitere Details ans Licht. Demnach war Camerons Investment in den Offshore-Trust seines Vaters Ian offenbar überaus lukrativ. Das gehe aus Informationen hervor, die Cameron mittlerweile veröffentlicht hat, berichtet die US-Website Quartz .

So steckten der heutige Premierminister und seine Gattin Samantha Cameron bereits im Jahr 1997 zusammen 12.497 britische Pfund in die Firma Blairmore Holdings. Dabei handelt es sich um besagten Fonds, den Ian Cameron schon in den 1980er Jahren von der in Panama ansässigen Kanzlei Mossack Fonseca hatte gründen und auf den Bahamas hatte registrieren lassen.

2010, so Quartz weiter, habe Cameron seine Anteile wieder verkauft - für dann 31.500 Pfund. Das bedeutet einen Gewinn von knapp 20.000 Pfund (heute knapp 25.000 Euro) oder 152 Prozent. Damit hat Cameron mit seinem Offshore-Investment binnen 13 Jahren eine mehr als doppelt so hohe Performance erreicht, als nahezu alle wichtigen Aktienindizes weltweit im gleichen Zeitraum, inklusive Dax , S&P 500, FTSE 100 , MSCI World und Nasdaq Composite .

Bemerkenswert: Die Dividenden-Erträge aus dem Investment hat Cameron eigenen Angaben zufolge ordnungsgemäß versteuert. Nicht jedoch die Wertzuwächse, denn die übertrafen nicht den zu jener Zeit für Paare gültigen Freibetrag von 20.200 Pfund, so Quartz.

152 Prozent Gewinn binnen 13 Jahren

Allzu schwer ins Gewicht fiel der Vermögenszufluss aus dem Blairmore-Investment im Hause Cameron allerdings offenbar dennoch nicht, denn David Cameron strich nach dem Tode seines Vaters ebenfalls im Jahr 2010 eine Erbschaft von 300.000 Pfund aus dessen Nachlass ein.

Unterdessen hat der Premierminister seine Finanzen am Montag im britischen Unterhaus verteidigt. Es handele sich um eine vollkommen gängige Praxis, die nichts mit Steuervermeidung zu tun habe und von vielen Institutionen ausgeübt werde, so Cameron nach Angaben der "Financial Times " ("FT"). Als Beispiele nannte er unter anderem die BBC sowie die Zeitungen "Mirror" und "Guardian", die ebenfalls Übersee-Investments hielten.

Der "Guardian" war zusammen mit der "Süddeutschen Zeitung" an den Veröffentlichungen der sogenannten Panama Papers beteiligt, durch die Camerons Anlagen öffentlich geworden waren.

Laut Cameron halten Millionen Briten über Investmentfonds Anteile an Firmen wie der Blairmore Holdings seines Vaters. Der Anteilspreis des Unternehmens sei in der "Financial Times" gelistet gewesen. Der Grund für die Offshore-Registrierung sei lediglich, dass die Firma auch in Dollar-Papiere investiert habe, so Cameron im Unterhaus laut "FT".

Fraglicher Offshore-Fonds ist noch immer aktiv

Tatsächlich existiert der Investmentfonds Blairmore Holdings bis heute, inzwischen mit einem verwalteten Vermögen von rund 30 Millionen Pfund und einem Sitz, der nach Irland verlegt wurde. Firmen wie Alphabet (Ex-Google), Walt Disney sowie Tencent befinden sich in seinem Portfolio. Die Performance war zuletzt allerdings weniger erfreulich als zu Camerons Beteiligungszeiten: Über die vergangenen fünf Jahre verlor der Fonds etwa 7 Prozent an Wert, während beispielsweise der britische Leitindex FTSE 100 um rund 20 Prozent gestiegen sei, so Quartz.

Hintergrund: Durch die Enthüllung der Offshore-Firma seines Vaters ist David Cameron in seiner Heimat stark unter Druck geraten. Denn der britische Premier zögerte zunächst, Informationen zu dem Engagement auf den Tisch zu legen. Dabei hatte Cameron in der politischen Diskussion bisher selbst mehr Transparenz bei Offshore-Firmen gefordert.

Manche Kritiker sehen die Glaubwürdigkeit des Premiers deshalb jetzt beschädigt, was insbesondere bei der laufenden Debatte um einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union fatal sein könnte. Selbst Rücktrittsforderungen hat es aus den Reihen der Cameron Gegner bereits vereinzelt gegeben.

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