Porträt des Zetsche-Nachfolgers Ola Källenius So tickt der künftige Daimler-Boss

Ola Källenius, löst im Mai 2019 Dieter Zetsche als Daimler-Vorstandschef ab

Ola Källenius, löst im Mai 2019 Dieter Zetsche als Daimler-Vorstandschef ab

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Premiere von Daimlers E-SUV: Das ist der Elektro-Hoffnungsjäger Mercedes EQC

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Es wäre für ihn ein echtes Heimspiel gewesen. Doch als Mercedes Anfang September in Stockholm den ersten Vertreter seiner Elektroauto-Familie EQ enthüllte, überließ Ola Källenius dem scheidenden Daimler-Chef Dieter Zetsche die große Bühne im Alleingang.

Dabei hätte der gebürtige Schwede Källenius, der seit Anfang 2017 als Daimlers Forschungs- und Entwicklungschef fungiert, einiges erzählen können zur künftigen Elektroauto-Strategie der Schwaben. Das tat er letztlich auch, allerdings abseits der Bühne - höflich, souverän und unaufgeregt, wie er sich am liebsten gibt.

Die EQC-Weltpremiere in Schweden war das letzte große Daimler-Event, bei dem der 49-jährige Betriebswirt nicht im Mittelpunkt steht. Denn ab Mai 2019 folgt er Dieter Zetsche als Vorstandschef bei Daimler nach, wie der Autohersteller nun bekanntgab.

Damit wird erstmals ein Ausländer Daimler-Chef - und noch dazu einer, der anders als die meisten seiner Vorgänger kein studierter Ingenieur ist. Ein Problem für die stolze Daimler-Truppe dürfte das aber kaum sein. Denn Källenius kennt den Konzern von der Pike auf: Der Vater von drei Kindern ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Daimlers Diensten. Seinen Einstieg bei den Schwaben schaffte er 1993 gleich als Mitglied von Daimlers internationaler Nachwuchstruppe, direkt nach seinem Wirtschaftsstudium in Stockholm und St. Gallen.

Bei Mitarbeitern gilt er hart, aber fair

Als Nichttechniker hat er ziemlich viele Stationen im Lebenslauf, die bei Autoherstellern oft an Manager mit Ingenieurstitel gehen: Källenius leitete unter anderem Daimlers US-Werk im amerikanischen Tuscaloosa und ein Motorenwerk in Großbritannien. Ab 2010 war er drei Jahre lang Geschäftsführer von Mercedes' hauseigener Sportwagensparte AMG.

Er möge Autos und wisse, was Performance heiße, sagte Källenius einmal. Und das nehmen ihm die Daimler-Mitarbeiter mit diesem Lebenslauf auch ab. Zumal er vom obersten Chef den Ritterschlag erhielt. Källenius sei ein echter "car guy", befand Dieter Zetsche, als er Källenius 2015 als Vertriebschef in den Konzernvorstand berief.

Im persönlichen Umgang ist Källenius jedoch ganz Automanager neuen Zuschnitts: Bei Gesprächen tritt er höflich und entspannt auf, auf der großen Bühne kommt er smart und unaufgeregt rüber. Seinen Untergebenen soll er viel Eigenverantwortung geben, hieß es immer wieder im Konzern. Doch hinter der weichen Schale steckt ein managertauglicher Kern: Im Zweifel soll Källenius schnell und durchaus hart entscheiden.

Seine Untergebenen schätzen ihn als fair, Vorstandskollegen bezeichnen ihn als "sehr guten Manager". Allerdings: Durch spektakuläre Sanierungen, erfolgreiche durchgezogene Sparprogramme oder herausragende Rekorde ist der Schwede bislang nicht aufgefallen.

Wo Källenius Erfolge feierte, wo es bislang noch hakte

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Källenius größtes Verdienst der vergangenen Jahre war es wohl, das althergebrachte Vertriebsnetz umkrempeln - und dabei den Vertrieb von Pkw- und Nutzfahrzeugen zu trennen. Denn die konzerneigenen Niederlassungen, speziell in Deutschland, verdienen zu wenig Geld. In den Jahren 2015 und 2016 suchte Källenius etwa Käufer für rund 60 deutsche Daimler-Autohäuser - und fand diese zum großen Teil. Verkauft hat er die Niederlassungen vielfach an die dort ohnedies tätigen Händler.

Diese durchaus heikle Operation gelang ihm ohne größeren Aufschrei. Selbst als Daimler den Verkauf von 15 ostdeutschen Autohäusern an eine chinesische Händlergruppe ankündigte, blieben Proteste aus. Auch deshalb, weil Källenius' Mannschaft dabei vieles richtig gemacht hat - und sich mit der IG Metall bereits vorab auf einen Tarifsozialplan verständigte.

Als Entwicklungschef allerdings tat sich Källenius zuletzt bei den Kosten schwer. Als Källenius Anfang 2017 an die Spitze des Daimler-Kernressorts berufen wurde, wollte er Prozesse entschlacken, Entwicklungszeiten verkürzen, das Kapital effektiver einsetzen - kurzum der Daimler-Entwicklungstruppe mehr Kostenbewusstsein einbläuen. Kein Wunder, denn Daimler will in den kommenden zwei Jahren vier batteriegetriebene Oberklassemodelle auf die Straße bringen - der ab Mitte 2019 erhältliche EQC war da nur die Vorhut. Doch der Forschungs- und Entwicklungsetat blieb zuletzt unverändert hoch - mehr dazu auf manager magazin premium .

Modernisierer-Image dank Digitalisierungs-Projekt

Erfolgreicher war Källenius bei einem weiteren Thema, für das er sich auch schon in seiner Zeit als Vertriebschef stark machte: Daimler fit zu machen für das digitale Zeitalter. Noch als Vertriebschef schob Källenius das Projekt "Mercedes Me" an, mit dem Daimlers Pkw-Sparte eine Reihe von Mobilitätsdiensten rund ums Auto an einem Ort versammelt.

Vom Smartphone aus lassen sich so etwa Werkstatttermine online vereinbaren, diverse Fahrzeugfunktionen abrufen oder die Einladungen zu speziellen Daimler-Events verwalten. Daimler ist damit auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, die mit einem einzigen Login ebenfalls sämtliche Dienste vereinen will.

Mit dem "Mercedes Me"-Projekt hat sich Källenius geschickt als Modernisierer, als Digitalversteher positioniert. Ob der mit einer Schwäbin verheiratete Schwede jedoch die Kosten als oberster Daimler-Lenker im Zaum halten kann, muss sich noch erweisen. Da kann er von seinem Mentor Dieter Zetsche noch einiges dazulernen.

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