Sonntag, 21. April 2019

Porträt des Zetsche-Nachfolgers Ola Källenius So tickt der künftige Daimler-Boss

Ola Källenius, löst im Mai 2019 Dieter Zetsche als Daimler-Vorstandschef ab
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Ola Källenius, löst im Mai 2019 Dieter Zetsche als Daimler-Vorstandschef ab

2. Teil: Wo Källenius Erfolge feierte, wo es bislang noch hakte

Källenius größtes Verdienst der vergangenen Jahre war es wohl, das althergebrachte Vertriebsnetz umkrempeln - und dabei den Vertrieb von Pkw- und Nutzfahrzeugen zu trennen. Denn die konzerneigenen Niederlassungen, speziell in Deutschland, verdienen zu wenig Geld. In den Jahren 2015 und 2016 suchte Källenius etwa Käufer für rund 60 deutsche Daimler-Autohäuser - und fand diese zum großen Teil. Verkauft hat er die Niederlassungen vielfach an die dort ohnedies tätigen Händler.

Diese durchaus heikle Operation gelang ihm ohne größeren Aufschrei. Selbst als Daimler den Verkauf von 15 ostdeutschen Autohäusern an eine chinesische Händlergruppe ankündigte, blieben Proteste aus. Auch deshalb, weil Källenius' Mannschaft dabei vieles richtig gemacht hat - und sich mit der IG Metall bereits vorab auf einen Tarifsozialplan verständigte.

Als Entwicklungschef allerdings tat sich Källenius zuletzt bei den Kosten schwer. Als Källenius Anfang 2017 an die Spitze des Daimler-Kernressorts berufen wurde, wollte er Prozesse entschlacken, Entwicklungszeiten verkürzen, das Kapital effektiver einsetzen - kurzum der Daimler-Entwicklungstruppe mehr Kostenbewusstsein einbläuen. Kein Wunder, denn Daimler will in den kommenden zwei Jahren vier batteriegetriebene Oberklassemodelle auf die Straße bringen - der ab Mitte 2019 erhältliche EQC war da nur die Vorhut. Doch der Forschungs- und Entwicklungsetat blieb zuletzt unverändert hoch - mehr dazu auf manager magazin premium.

Modernisierer-Image dank Digitalisierungs-Projekt

Erfolgreicher war Källenius bei einem weiteren Thema, für das er sich auch schon in seiner Zeit als Vertriebschef stark machte: Daimler fit zu machen für das digitale Zeitalter. Noch als Vertriebschef schob Källenius das Projekt "Mercedes Me" an, mit dem Daimlers Pkw-Sparte eine Reihe von Mobilitätsdiensten rund ums Auto an einem Ort versammelt.

Vom Smartphone aus lassen sich so etwa Werkstatttermine online vereinbaren, diverse Fahrzeugfunktionen abrufen oder die Einladungen zu speziellen Daimler-Events verwalten. Daimler ist damit auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, die mit einem einzigen Login ebenfalls sämtliche Dienste vereinen will.

Mit dem "Mercedes Me"-Projekt hat sich Källenius geschickt als Modernisierer, als Digitalversteher positioniert. Ob der mit einer Schwäbin verheiratete Schwede jedoch die Kosten als oberster Daimler-Lenker im Zaum halten kann, muss sich noch erweisen. Da kann er von seinem Mentor Dieter Zetsche noch einiges dazulernen.

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