Samstag, 7. Dezember 2019

Erster Cum-Ex-Prozess beginnt in Bonn Cum-Was? Alles über die Milliarden-Steuer-Trickserei

Banken-Skyline von Frankfurt: In einigen dieser Gebäude dürften Cum-Ex- und Cum-Cum-Investments ausgetüftelt worden sein.
Max Rumpenhorst / DPA
Banken-Skyline von Frankfurt: In einigen dieser Gebäude dürften Cum-Ex- und Cum-Cum-Investments ausgetüftelt worden sein.

5. Teil: Wie funktioniert ein Cum-Cum-Geschäft?

Das Cum-Cum-Geschäft ist deutlich leichter zu verstehen als das Cum-Ex-Geschäft. Bei dieser Transaktion gibt es lediglich vier Beteiligte: das Unternehmen (nehmen wir wieder die Allianz), einen institutionellen Investor im Inland (nennen wir ihn Karl), einen institutionellen Investor im Ausland (er heiße George) - und wieder den Staat, der in die Röhre schaut.

Schritt 1: George besitzt ein Aktienpaket der Allianz im Wert von 150.000 Euro. Der Tag der Dividendenzahlung steht an, für dieses Paket sollen es in diesem Jahr 5000 Euro sein. Das Problem: Als ausländischer Investor kann sich George die Kapitalertragsteuer nicht vom deutschen Fiskus erstatten lassen. Er möchte aber nicht auf das Geld verzichten.

Schritt 2: George verleiht seine Allianz-Aktien kurz vor dem Dividendentermin an Karl. Letzterer kassiert die Dividende inklusive der Bescheinigung für die Steuergutschrift. Damit lässt er sich die Kapitalertragsteuer vom Finanzamt zurücküberweisen.

Schritt 3: Unmittelbar nach dem Dividendentermin gibt Karl die Aktien an George zurück. Zudem überweist er ihm eine Leihgebühr, etwa in Höhe der erhaltenen Dividende, sowie einen Teil, beispielsweise die Hälfte der erstatteten Steuer. Schließlich soll jeder von dem Deal profitieren - außer der Staat selbstverständlich.

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