Montag, 30. März 2020

Leitfaden in der Corona-Liquiditätskrise - 5 Tipps Was Firmen tun können, wenn das Geld knapp wird

Frankfurter Bankenviertel
Arne Dedert / dpa
Frankfurter Bankenviertel

Lieferketten brechen zusammen, die Nachfrage erodiert, Beschäftigte müssen in Quarantäne oder fallen wegen Kinderbetreuung aus - die Corona-Krise trifft Unternehmen unmittelbar. Die große Sorge von Politik und Ökonomen: Viele Firmen könnten aus dem wirtschaftlichen Winterschlaf nicht mehr erwachen, weil der Mangel an Liquidität sie in die Insolvenz treibt. Der Bund hat schon einen ersten Schutzschirm aufgespannt.

Von selbst ist jedoch keine Firma gesichert. "Geldpolitische Maßnahmen werden jetzt nicht helfen. Die Lösung müssen liquiditätsstützende Maßnahmen für Unternehmen sein", sagt Kati Beckmann, Expertin für Unternehmensfinanzierung in der Wirtschaftskanzlei Greenberg Traurig. Ein Leitfaden für Manager.

Als erster Schritt ist eine schriftlich dokumentierte Liquiditätsplanung Pflicht - nicht nur für Geschäftsführer, sondern auch für Aufsichtsgremien. Mindestens die kommenden 13 Wochen sollten sämtliche fälligen Verbindlichkeiten und Forderungen sowie zu erwartende Einnahmen aufgelistet werden. Um eine Überschuldung auszuschließen, muss sogar das gesamte laufende und kommende Geschäftsjahr erfasst werden. Doch schon dieser kurzfristige Blick dürfte in dieser sich rasch ändernden Lage viele Manager überfordern.

In diese Planung können auch schon einige der nun möglichen Erleichterungen einfließen - beispielsweise das Kurzarbeitergeld, das rückwirkend ab 1. März schon bei einem Zehntel betroffener Beschäftigter gezahlt werden kann. Die Arbeitsagenturen erstatten nun die vollen Sozialversicherungsbeiträge. Diese Maßnahme kann helfen, die Lohnkosten drastisch zu senken, ohne Belegschaft zu entlassen. In der Finanzkrise 2008/2009 hatte sie sich bewährt.

"Kurzarbeit kann nicht einseitig vom Arbeitgeber verkündet werden", warnt Beckmann jedoch - eine Einigung mit den Arbeitnehmern, gegebenenfalls dem Betriebsrat, muss her. Und ob das Geld tatsächlich rechtzeitig fließt, "hängt auch ganz praktisch davon ab, wie schnell die Arbeitsagenturen sind". Eine solche Situation habe es noch nie gegeben. Laut Bundesarbeitsministerium rufen die Agenturen für Arbeit wegen des hohen Andrangs dazu auf, von Anrufen außer in Notfällen abzusehen. Es existiert jedoch eine Unternehmer-Hotline der Bundesagentur: (0800) 45555 20.

Stundung von Steuern zum Teil möglich

Auch mit der Stundung von Steuern lässt sich die Kasse schonen. Zumindest für die Ertrags- und die (besonders für Selbständige und Freiberufler essenzielle) Umsatzsteuer ist das vorgesehen, für die Lohnsteuer bislang nicht. Allerdings fehlt es an konkreten Anweisungen. Das bayerische Finanzministerium hat immerhin ein Formular online gestellt.

Wenn das nicht reicht, gibt es verschiedene weitere Hilfen. DerIndustrie- und Handelskammertag ebenso wie das Bundeswirtschaftsministerium bieten Übersichten zur Corona-Krise an, das Ministerium hat auch eine Hotline eingerichtet: (030) 18615 1515.

Hilfen von der KfW

Am Wichtigsten sind die Kreditprogramme der staatlichen Förderbank KfW, die nun einen höheren Anteil des Haftungsrisiko übernimmt und auch größere Unternehmen bis zu fünf Milliarden Euro Jahresumsatz fördert. Außerdem ist ein Sonderprogramm geplant, das nicht an diese Grenzen gebunden ist. Darüber hinaus bieten die Förderbanken der Länder eigene Kreditprogramme, die oft auch Unternehmen helfen, die sich nicht für die KfW-Förderung qualifizieren.

"Die KfW-Programme sind kein Selbstläufer", erklärt Kati Beckmann. "Sie setzen immer voraus, dass eine Geschäftsbank Kredit gewährt."

Wie das Beispiel der Lufthansa zeigt, ist für sehr große Konzerne außer direkten Staatshilfen - die sind dann eher eine politische Entscheidungen über die Systemrelevanz - auch noch Marktlösungen zugänglich. Beispielsweise lassen sich am weiterhin liquiden Markt für Commercial Papers kurzfristige Schuldscheine platzieren. Sofern die Krise nur einige Monate dauert, ist der Unterschied zwischen illiquiden und insolventen Unternehmen durchaus noch relevant.

Falls doch die Zahlungsfähigkeit droht, sind die Eigentümer in der Pflicht. "Gesellschafter stehen nun oft vor der Entscheidung, liquide Mittel nachzuschießen", sagt Benedikt de Bruyn von GT Restructuring. "Das ist die schnellste und unbürokratischste Methode, Liquidität zu sichern. Sie müssen aber auch einschätzen: Reicht das aus, um die Krise durchzustehen?" Außerdem sollten sie sich bewusst sein, dass ihre Ansprüche im Insolvenzfall hintenanstehen.

Der kann nämlich durchaus noch kommen, auch wenn das Justizministerium am Montag eine Aussetzung der Insolvenzantragspflicht angekündigt hat, vorerst bis September. Eine Verlängerung bis Ende März 2021 ist in Aussicht. "Ich glaube nicht, dass dies für Geschäftsführer die notwendige Rechtssicherheit bringt", meint jedoch de Bruyn. "Denn der Persilschein gilt nicht für alle Unternehmen in der Krise und damit verbundene Risiken." Wer nicht sicher nachweisen kann, dass die Insolvenz alleine auf Corona zurückgeht, sollte lieber auf Nummer sicher gehen.

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