Steigende Corona-Infektionszahlen Sorge um USA, Brasilien und Co - kommt die zweite Welle?

Mitarbeiter des Gesundheitswesens in New York: Die Corona-Infektionszahlen in den USA steigen wieder an.

Mitarbeiter des Gesundheitswesens in New York: Die Corona-Infektionszahlen in den USA steigen wieder an.

Foto: Mark Lennihan/AP/dpa

An den Finanzmärkten führt die Sorge der Investoren vor einem erneuten starken Anstieg der Corona-Infektionszahlen seit Tagen für Turbulenzen. Aktuelle Zahlen zur weltweiten Pandemie scheinen die Befürchtungen zu bestätigen. So verschärft sich die Corona-Krise in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, erneut dramatisch. Auch Brasilien verzeichnet einen starken Anstieg neuer Ansteckungen. - ebenso wie Deutschland.

Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität vom Mittwoch wurden in den USA binnen 24 Stunden 35.900 neue Infektionsfälle verzeichnet - fast so viele wie zum bisherigen Höhepunkt der Krise im April. Besonders deutlich ist der Anstieg der Zahlen im Süden des Landes. Die Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut ordneten deshalb an, dass aus mehreren Staaten des Südens kommende Reisende in Quarantäne müssen.

Die Gesamtzahl der registrierten Infektionen in den USA liegt nach Angaben der Universität bei knapp 2,4 Millionen. Die Zahl der verzeichneten Todesopfer stieg um weitere 756 Fälle auf etwa 121.900. Die Vereinigten Staaten sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Seit zwei Wochen verzeichnen sie in rund der Hälfte ihrer 50 Bundesstaaten deutlich steigende Ansteckungsraten.

Dies gilt besonders für Regionen des Südens - so registrieren die Bundesstaaten Texas und Florida derzeit ihre höchsten Infektionsraten seit Beginn der Krise. Beobachter führen dies unter anderem auf eine voreilige Lockerung der Corona-Beschränkungen zurück. Der texanische Gouverneur Greg Abbott appellierte nun an die Einwohner, möglichst daheim zu bleiben und beim Verlassen ihrer Häuser Atemschutzmasken zu tragen.

New York und seine Nachbarstaaten New Jersey und Connecticut ordneten eine zweiwöchige Quarantäne für aus Alabama, Arkansas, Arizona, Florida, South Carolina und Texas eintreffende Reisende an. Bei Verstößen in New York drohen Geldstrafen von 2000 Dollar sowie 5000 Dollar im Wiederholungsfall, wie Gouverneur Andrew Cuomo mitteilte.

Reisende aus den inzwischen besonders von der Pandemie betroffenen Gegenden könnten "die Infektion mit sich bringen", warnte Cuomo. "Wir sollten der Realität ins Auge sehen. Leugnen ist keine Lebensstrategie."

Der Schritt zeigt, wie sich die Coronavirus-Krise in den USA regional verlagert hat: Lange Zeit waren der Bundesstaat New York und die gleichnamige Millionenstadt das Epizentrum der Pandemie, dort starben mehr als 30.000 Menschen.

Zwischenzeitlich verlangten andere Bundesstaaten, dass sich New Yorker bei einem Besuch in Quarantäne begeben. Mit strikten Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen konnte die Lage in der Metropole aber in den vergangenen Monaten unter Kontrolle gebracht werden.

Kritiker geben Präsident Donald Trump eine Mitschuld an den verheerenden Auswirkungen des Coronavirus in seinem Land. Der Rechtspopulist hatte die Gefahr durch den neuartigen Erreger zunächst kleingeredet - und dringt bereits seit Monaten auf eine rasche Rückkehr zur Normalität. Vor einigen Tagen nahm Trump auch seine Wahlkampfkundgebungen auf. Er trägt dabei keine Maske.

Wegen der steigenden Infektionszahlen prüft die Europäische Union Medienberichten zufolge, US-Reisenden auch nach der ab dem 1. Juli geplanten schrittweisen Öffnung der EU-Außengrenzen die Einreise zu verweigern. US-Außenminister Mike Pompeo sagte dazu, er erwarte eine Einigung mit der EU über eine Wiederaufnahme des Reiseverkehrs "in den kommenden Wochen". Die USA wollten sich keinem Corona-Risiko durch Reisende aus dem Ausland aussetzen und selbst anderen Ländern keine "Probleme" bereiten.

Im Video: Mehr als 35.000 Corona-Neuinfektionen in den USA an einem Tag

Reuters

Steigende Infektionszahlen auch in Brasilien und Deutschland

Auch in Brasilien hat die Rate der Neuinfektionen mit dem Coronavirus stark zugenommen. Innerhalb von 24 Stunden wurden weitere 42.725 Ansteckungen verzeichnet, wie das Gesundheitsministerium in Brasília am Mittwoch mitteilte. Dies ist die bislang zweithöchste Zahl von registrierten Neuinfektionen im bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land.

Insgesamt wurden in Brasilien bislang mehr als 1,18 Millionen Infektionsfälle verzeichnet. Die offizielle Zahl der Corona-Todesopfer stieg um weitere 1185 Verstorbene auf 53.830. Die brasilianische Corona-Kurve sei im "steilen Anstieg", dabei befinde sich das Land noch in der ersten Ausbreitungswelle des Virus, sagte der Wissenschaftler Domingos Alves, der einer mit der Pandemie befassten Forschergruppe angehört.

Mehrere brasilianische Bundesstaaten hatten gleichwohl zuletzt mit einer Lockerung der Corona-Restriktionen begonnen. Brasilien ist sowohl von den Ansteckungs- als auch den Totenzahlen her nach den USA das weltweit von der Pandemie am stärksten betroffene Land.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte in der Vergangenheit die von dem neuartigen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 als "kleine Grippe" bezeichnet. Die Corona-Maßnahmen der Bundesstaaten kritisierte er wegen ihrer drosselnden Effekte auf die Wirtschaft. Bolsonaro tritt auch immer wieder ohne Atemschutzmaske in der Öffentlichkeit auf und setzt sich über Abstandsvorgaben hinweg, indem er Anhänger umarmt und ihnen die Hände schüttelt.

Ein Bundesrichter forderte den rechtsradikalen Staatschef deshalb zu Beginn der Woche auf, sich an die in der Hauptstadt Brasília geltende Maskenpflicht zu halten. Bei weiteren Verstößen soll Bolsonaro eine Geldstrafe von 2000 Real (rund 340 Euro) zahlen.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland stieg am Donnerstag um 630 auf 192.079, wie Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Infektionskrankheiten zeigen. In einer Übersicht des SPIEGEL ist Deutschland damit das einzige Land, dessen Entwicklung der Neuinfektionen momentan als "stark steigend" eingestuft wird. Weitere 13 Menschen sind hierzulande nach offiziellen Angaben binnen 24 Stunden dem Virus erlegen. Die Zahl der Todesopfer steigt nach offiziellen Angaben auf 8927.

Weltweit sind inzwischen mehr als 9,33 Millionen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, 478.126 sind an den Folgen von Covid-19 gestorben. Das geht aus einer Zählung der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Seit dem Auftreten der ersten Fälle in China im Dezember 2019 wurden Infektionen in mehr als 210 Ländern und Gebieten gemeldet. Die meisten Infektionen und Todesfälle verzeichnet die USA, gefolgt von Brasilien und Russland. Deutschland liegt in der Statistik auf dem 13. Platz. Die Reuters-Zählung basiert auf offiziellen Daten der Länder.

cr/AFP/rtr