Montag, 9. Dezember 2019

Versteigerung Supersportwagen vom Finanzjongleur - wer bietet mehr?

Lamborghini, Ferrari, Porsche: Diese Boliden werden versteigert
Industrie Auktionen Bernhard Maier

In Nürnberg kommt am Samstag eine Reihe von Luxuskarossen, Uhren und Kunstwerken unter den Hammer. Die Vermögenswerte stammen aus dem Besitz von Jens B. - der seit vergangenem Jahr unter Betrugsverdacht in Haft sitzt.

Hamburg - Der Lamborghini Galardo Super Trofeo Stradale ist ein Flitzer, den viele gerne hätten. Auf dem Marktplatz mobile.de wird ein Bolide des Typs zurzeit für rund 165.000 Euro angeboten. Wer am Samstag nach Nürnberg reist, hat also die Chance auf ein echtes Schnäppchen - dort wird ein neuer Galardo Super Trofeo Stradale in Knallrot versteigert. Und zwar mit einem Startpreis von 110.000 Euro.

Der Italiener ist nicht die einzige Attraktion des Tages: Mehr als ein Dutzend Luxussportwagen von Lamborghini, Ferrari, Porsche und anderen kommt Samstag ab 10 Uhr im Nürnberger Ofenwerk unter den Hammer. Zudem suchen Kunstwerke und teure Uhren einen Meistbietenden.

Die Vermögenswerte haben eine abenteuerliche Herkunft: Sie stammen aus dem Besitz von Jens B., der seit Mitte vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt. B. soll hunderte Privatanleger um viel Geld betrogen haben.

Wie Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erläutert, hat der Beschuldigte mit seiner Firma Concept 1 Mitarbeiteraktien, Unternehmensbeteiligungen und Sparpläne offeriert.

Renditeversprechen von bis zu 30 Prozent

Der Renner seien die Aktien gewesen, so die Oberstaatsanwältin. Offensichtlich hat B. vorgegeben, durch Beziehungen besonders günstig an die Papiere zu kommen, was ihm viele Anleger auch glaubten. Nach Angaben von Gabriels-Gorsolke flossen insgesamt 56 Millionen Euro in das System des Beschuldigten, allein knapp 50 Millionen davon entfielen auf das Aktiengeschäft.

Den Anlegern seien Renditen von 20, teilweise sogar bis zu 30 Prozent versprochen worden. Tatsächlich haben die Ermittler jedoch den Verdacht, dass das Geld nie die versprochene Verwendung fand. Vielmehr habe B. ein klassisches Schneeballsystem betrieben. Dabei wurden die Einzahlungen der Kunden nach Angaben der Oberstaatsanwältin verwendet, um Ansprüche bestehender Anleger zu bedienen, Vertriebsprovisionen zu zahlen oder private Ausgaben zu decken (Stichwort Lamborghini).

Dabei ging B. offenbar geschickt vor, wie ein Beobachter berichtet. Der Finanzberater habe ein Händchen für Aktien gehabt, die später tatsächlich erfolgreich waren, sagt er. Zudem habe er eher unauffällig gelebt und - abgesehen von seinem offensichtlichen Hang zu schnellen Autos - kaum erkennen lassen, dass die Kundengelder in Wahrheit offenbar nicht in die Kapitalanlagen flossen.

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