Samstag, 21. September 2019

Vergleichsportal beantragt eigene Banklizenz Check24 drängt immer stärker ins Bankgeschäft

Check24-Zentrale in München: Mit eigener Banklizenz will das Unternehmen noch unabhängiger werden.

Das Finanzvergleichsportal Check24 treibt seine Expansion als Finanzdienstleister weiter voran - und will künftig offenbar noch stärker als eigenständiger Anbieter von Finanzprodukten agieren. Zu dem Zweck beantragt Check24 bei der Finanzaufsicht Bafin jetzt eine eigene Banklizenz, wie ein Sprecher gegenüber manager-magazin.de bestätigte. Das Portal Finanz-Szene.de hatte die Pläne zuvor publik gemacht.

"Wir befinden uns gerade im Antragsprozess für eine Vollbanklizenz, um unser Geschäftsmodell flexibel weiterentwickeln und auf Veränderungen im Bankenmarkt reagieren zu können", teilte der Check24-Sprecher mit. So wolle das Unternehmen mit der Lizenz auf Kundenbedürfnisse reagieren und Produkte anbieten, die der Markt nicht bereitstelle. Ein Beispiel dafür seien Kredite mit Negativzins.

Die Bereitstellung von Krediten mit negativen Zinsen wird hierzulande angesichts des allgemein extrem niedrigen Zinsniveaus derzeit angeregt diskutiert. Während solche Darlehen im Ausland von Banken bereits angeboten werden, zieren sich hiesige Institute bislang noch. Negative Zinsen auf Konten ab einem bestimmten Anlagebetrag dagegen erheben einige Banken auch in Deutschland bereits.

Kredite mit negativen Zinsen hatte Check24 dem Sprecher zufolge in der Vergangenheit bereits sporadisch angeboten. Nun will das Unternehmen bei derartigen Offerten offenbar mehr Freiheiten gewinnen. "Wir wollen mit unseren Partnerbanken nicht in Wettbewerb treten, sondern deren bestehendes Angebot dort ergänzen, wo Lücken existieren", so der Sprecher zu manager-magazin.de.

Extra ein Tochterunternehmen gegründet

Als weiteren möglichen Fall, in dem die Banklizenz zum Einsatz kommen könnte, nannte der Unternehmenssprecher den Bereich "Check24 Profis", in dem das Unternehmen Dienstleistungen vermittelt und den Zahlungsverkehr zwischen Kunden und Anbietern abwickelt. "Dafür sind wir bislang auf einen externen Zahlungsdienstleister angewiesen", so der Sprecher. "Denn ohne Banklizenz dürfen wir kein Geld vereinnahmen oder auszahlen."

Hintergrund: Check24 ist vor allem für die Vermittlung von Gas- und Stromverträgen, Handy-Angeboten, Reisen oder Mietwagen bekannt. Nutzer können auf dem Portal Preise vergleichen und ihre bevorzugte Wahl über Check24 abschließen. Das Portal kassiert dann vom Anbieter eine Provision. Jährlich vermittelt Check24 nach eigenen Angaben Dienstleistungen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Doch Check24 vermittelt auch klassische Bankprodukte: Ratenkredite, Tages- und Festgelder, Kreditkarten oder Immobilienfinanzierungen. Dabei arbeiten die Münchener mit Partnerbanken wie der SWK Bank und Finanz-Start-ups zusammen - was viel Abstimmungsbedarf erfordert.

Teils konnten Banken die Wünsche von Check24 auch nicht erfüllen, so Geschäftsführer Christoph Röttele laut Nachrichtenagentur dpa. Mit einer Banklizenz könne man flexibler agieren und Kundenbedürfnisse einfacher erfüllen. "Wir wollen unser Geschäftsmodell trotz einer immer schärferen Regulierung der Banken vorantreiben", so Röttele.

Wie weit die Bankpläne von Check24 schon gediehen sind, lässt sich laut Finanz-Szene.de daran erkennen, dass das Unternehmen schon vor Monaten eine Tochterfirma namens "C24 GmbH" gegründet hat, über die der Antrag bei der Finanzaufsicht gestellt wurde. Als Geschäftsführer firmiere Matthias Orlopp, früherer Finanzchef des Unternehmens.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Daneben gehören dem Management laut der C24-Website, die dieser Tage live ging, zwei gestandene Banker an: Robert Genz, zuletzt Risikochef der Hyundai Bank. Und der langjähriger Targobank-Vorstandschef Franz Josef Nick, der beim Düsseldorfer Ratenkreditfinanzierer 2015 ausschied. "Sobald die Lizenz erteilt ist, werden Herr Nick und Herr Genz die Leitung übernehmen", zitiert Finanz-Szene.de Check24-Geschäftsführer Röttele.

Dem Unternehmenssprecher zufolge hofft das Unternehmen auf Erteilung der Lizenz von Seiten der Finanzaufsicht Anfang 2020.

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