Montag, 18. November 2019

Chefwechsel Ceconomy-Aktie gibt weiter nach

Chefwechsel: Ceconomy-Aktie unter Druck
Armin Weigel/dpa
Chefwechsel: Ceconomy-Aktie unter Druck

Der Führungswechsel beim Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt, Saturn) hat dem Aktienkurs des Handelskonzerns keinen Auftrieb gegeben. Im Gegenteil: Die Ceconomy-Aktie Börsen-Chart zeigen verlor am Freitagvormittag zunächst noch einmal mehr als 8 Prozent an Wert. Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jella Benner-Heinacher, bemängelte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, die wirklichen Probleme des Konzerns seien auch nach dem Machtwort des Aufsichtsrats ungelöst.

Neuer Ceconomy-Chef: Bernhard Düttmann

Der Ceconomy-Aufsichtsrat hatte am Donnerstagabend die Trennung vom bisherigen Vorstandschef Jörn Werner bekanntgegeben. Er hatte sein Amt erst im März angetreten. In einer außerordentlichen Sitzung berief das Kontrollgremium stattdessen den Aufsichtsrat Bernhard Düttmann zum vorläufigen neuen Konzernchef für die nächsten zwölf Monate. Der Finanz-Experte hatte bereits zwischen Januar und März dieses Jahres im Vorstand der Ceconomy ausgeholfen.

Als Grund für die Trennung von Werner nach nur sieben Monaten nannte Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen unterschiedliche Auffassungen über die Führung des Unternehmens. Medienberichten zufolge soll es in den vergangenen Monaten auch zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Werner und dem MediaMarktSaturn-Chef Ferran Reverter gekommen sein.

Düttmann wird nicht nur neuer Vorstandschef von Ceconomy. Er wird zudem Arbeitsdirektor und verantwortet neben Personal künftig die Strategie des Konzerns. Die Umsetzung der Strategie soll durch ein neues Gremium sichergestellt werden, dem neben dem Ceconomy-Vorstand auch die Geschäftsführung von MediaMarktSaturn angehört.

Trotz Personalie strukturelle Probleme der Konzernstruktur geblieben

Benner-Heinacher mahnte, nötig sei eine neue Konzernstruktur, die dafür sorge, dass die Holding Ceconomy und die wichtigste Tochter MediaMarktSaturn an einem Strang ziehen. Der Elektronikhändler steckt seit geraumer Zeit in der Krise - nicht zuletzt wegen des Wettbewerbs im Online-Handel.

Die Baader Bank hat die Einstufung für Ceconomy nach einem Chefwechsel auf "Hold" mit einem Kursziel von 5,20 Euro belassen. Der Wechsel an der Spitze des Elektronikhändlers ändere nicht an den strukturellen Problemen der Konzernstruktur, schrieb Analyst Volker Bosse in einer am Freitag vorliegenden Studie. Der eigentliche Gewinner des Abgangs von Jörn Werner sei der Chef der Media-Saturn-Holding, Ferran Reverter, der in Ingolstadt sitze.


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Das Analysehaus Independent Research hat das Kursziel für Ceconomy von 5,60 auf 5,40 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Halten" belassen. Die Trennung von Konzernchef Jörn Werner sei grundsätzlich eine negative Nachricht, eine längere strategische Unsicherheit dürfte sie aber wegen der vorübergehenden Nachfolge durch ein Aufsichtsratsmitglied nicht zur Folge haben, schrieb Analyst Lars Lusebrink in einer am Freitag vorliegenden Studie. Positiv wertet er den bestätigten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.

dpa-afx/akn

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