Fintech Cashcloud am Abgrund Ex-Promi-Berater Moritz Hunzinger bei Notverkauf erwischt

PR-Profi und Fintech-Chef: Cashcloud-Chef Moritz Hunzinger

PR-Profi und Fintech-Chef: Cashcloud-Chef Moritz Hunzinger

Foto: DPA

Moritz Hunzinger ist wieder da. Der ehemalige Promi-PR-Berater, der Anfang des Jahrtausends Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) mit fragwürdigen Geldzahlungen in Schwierigkeiten gebracht hatte, hat das Metier gewechselt: Hunzinger ist jetzt Chef des Fintech-Unternehmens Cashcloud, das eine Lösung zum mobilen Bezahlen anbietet.

Eines hat sich in der Zwischenzeit allerdings kaum geändert: Auch auf dem neuen Posten agiert Hunzinger offenbar mit nicht allzu viel Fortune.

Wie die Cashcloud AG am späten Dienstagnachmittag per Ad-hoc-Mitteilung publik machte, verkauft das Unternehmen sein operatives Geschäft an eine namentlich nicht genannte Investorengruppe. Zudem wurde die Umfirmierung in InFin Innovative Finance AG beschlossen, so die Meldung.

Eine Überraschung ist das nicht, Cashcloud hatte die Transaktion vor wenigen Wochen bereits angekündigt. Eine Neuausrichtung solle es sein, hieß es. Die Firma wolle sich von "Außeneinflüssen befreien", hatte Hunzinger dem "Handelsblatt" gesagt.

Cashcloud seit April kurz vor der Pleite

Informationen, die manager magazin online vorliegen, lassen den Deal nun jedoch in einem anderen Licht erscheinen. Demnach erfolgt der Verkauf des operativen Cashcloud-Geschäfts alles andere als freiwillig. Vielmehr steht Firmenchef Hunzinger offenbar mit dem Rücken zur Wand, und das bereits seit Monaten.

Wie manager magazin online aus gut informierten Kreisen des Unternehmens erfuhr, stand Cashcloud mindestens seit Mitte April offenbar kurz vor der Insolvenz. Spätestens im Juni war in Unternehmenskreisen bereits von möglicher Insolvenzverschleppung die Rede.

Hintergrund der Geldknappheit ist demnach ein gescheitertes Börsenlisting der Cashcloud-Aktien: Für die Papiere war derart massiv von Börsenbriefen geworben worden, dass die Finanzaufsicht Bafin darauf aufmerksam wurde.

Eine ominöse Adresse an der Hanauer Landstraße in Frankfurt

Die Folge: Die Aufseher veröffentlichten im Mai eine Warnung vor Kaufempfehlungen für die Cashcloud-Aktien. Es gebe Anhaltspunkte, dass unrichtige oder irreführende Angaben in den Börsenbriefen gemacht würden, hieß es. Zudem deutete die Bafin an, dass möglicherweise "bestehende Interessenskonflikte pflichtwidrig verschwiegen" würden.

Auf die Warnung der Bafin folgte eine Handelsaussetzung der Cashcloud-Aktien seitens der Börse. Damit sei die Finanzierung des Unternehmens praktisch gescheitert, sagt ein Kenner der Materie zu manager magazin online. Die Pleite habe spätestens seitdem unmittelbar vor der Tür gestanden.

Welche Interessenkonflikte bei den Börsenbriefen eine Rolle gespielt haben könnten, schrieb die Bafin nicht. Cashcloud-Chef Hunzinger wies eine Verbindung seines Unternehmens zu den Briefen öffentlich zurück.

Eine Recherche zeigt allerdings: Eine der Publikationen, die besonders lautstark für Cashcloud-Aktien trommelte, ist das sogenannte "Bullenblatt", herausgegeben von der Firma Ultimo Media LP in Frankfurt. Und nicht irgendwo in Frankfurt: Laut Impressum residiert Ultimo Media in der Main-Metropole unter der Adresse Hanauer Landstraße 293.

Hunzinger: Cashcloud braucht bis zu 15 Millionen Euro

Zufall oder nicht: Die gleiche Anschrift - Hanauer Landstraße 293 - hat auch die MIT Event- und Incentive-Management GmbH. Deren Geschäftsführender Gesellschafter heißt Max Hunzinger und ist der Zwillingsbruder von Cashcloud-Chef Moritz Hunzinger.

Auf Anfrage teilte Max Hunzinger gegenüber manager magazin online mit, ihm sei Ultimo Media nicht bekannt, und er stehe mit diesem Unternehmen auch in keiner Verbindung. Auch Cashcloud-Chef Moritz Hunzinger verneint in einer Stellungnahme an manager magazin online erneut, hinter den fragwürdigen Börsenbriefen zu stehen.

Von einer drohenden Insolvenz will Hunzinger ebenfalls nichts wissen. Er spare allerdings "mit harter Hand" und "male schon mal den Teufel an die Wand, wenn Geld verpulvert" werde. Der Vorstand von Cashcloud lasse sich nicht einmal entsprechend anwaltlich beraten, so Hunzinger. Die von der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft abgegebene Fortführungsprognose sei "stets positiv" und es gebe "keinen einzigen Ausfall".

Zudem macht er keinen Hehl daraus, dass Geld benötigt wird: Cashcloud habe weiterhin einen Kapitalbedarf von über zehn bis 15 Millionen Euro, teilt Hunzinger mit. Der neue Großaktionär stelle diese Mittel bereit. Um wen es sich bei diesem Investor handelt, will der Cashcloud-Chef allerdings auch auf Nachfrage nicht verraten.

Cashcloud-Aktionär: "Die Firma wird ausgehöhlt."

"Cashcloud hatte sich glänzend entwickelt", schreibt Hunzinger in seiner Stellungnahme. "Nun habe ich den Verkauf vollzogen, das großartige Unternehmen kann sich ohne Beeinträchtigungen weiterentwickeln."

Das klingt nach einer PR-Botschaft wie aus dem Lehrbuch. Und es passt gut ins Gesamtbild, das Cashcloud-Chef Hunzinger seit seinem Amtsantritt Anfang des Jahres abgibt: Laut Website hat das Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge in verschiedenen europäischen Ländern insgesamt etwa 60 Mitarbeiter beschäftigt, allein im Juni und Juli dieses Jahres bereits mehr als 40 Pressemitteilungen versendet. Die meisten davon beginnen mit "Cashcloud-CEO Hunzinger: ..." Hunzinger zur bargeldlosen Zukunft, Hunzinger über die Ukraine als digitaler Partner, Hunzinger über globale Marken. Hunzinger, Hunzinger, Hunzinger.

Es gibt offenbar kein Thema rund um die Finanz- und Fintech-Szene, zu der sich der Mann, der nebenbei unter anderem Professor für PR und Kommunikation der Nationalen Pädagogischen Dragomanov-Universität in Kiew ist, und der es einmal mit einer Riesen-Swatch-Uhr ins "Guinness-Buch der Rekorde" geschafft hat, keine Meinung zutraut.

"Die Anleger gehen leer aus"

Kein Wunder: In der Öffentlichkeitsarbeit war Hunzinger schon immer zu Hause. Mit 20 Jahren gründete er Ende der 1970er Jahre seine erste PR-Agentur. Bundesweit bekannt wurde Hunzinger Anfang des Jahrtausends durch die "Hunzinger-Affäre", in der es um fragwürdige Zahlungen des PR-Mannes und Networkers an die Politik ging. Dem seinerzeitigen Verteidigungsminister Scharping etwa hatte Hunzinger 140.000 D-Mark gezahlt, was ein Grund dafür war, dass Scharping später als Minister entlassen wurde.

2008 sorgte Hunzinger noch einmal für Schlagzeilen. Da verurteilte ihn das Landgericht Stuttgart zu einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro. Im so genannten Flowtex-Untersuchungsausschuss soll er die Unwahrheit gesagt haben, um den damaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister Walter Döring zu entlasten. Seither ist Hunzinger vorbestraft.

Und nun also der Notverkauf der Cashcloud-Geschäfte. Leidtragende des Deals sind vor allem die Aktionäre der Cashcloud AG, die künftig an einem Unternehmen ohne Geschäftstätigkeit beteiligt sein werden. Zwar befindet sich der Großteil der Anteile im Besitz einer Firma namens SPP Capital, hinter der vermutlich ein Investor namens Steffen Korbach steht (Anm. d. Red.: Herr Korbach schrieb uns längere Zeit nach Erscheinen dieses Artikels, diese Darstellung sei nicht korrekt. Er habe seinen Anteil an Cashcloud in Höhe von knapp 20 Prozent vielmehr über eine Firma namens Cybernet Capital Limited gehalten und komplett im März 2016 an SPP Capital verkauft). Zudem hält Cashcloud-Gründer Sven Donhuysen über eine Stiftung nach wie vor einen Minderheitsanteil.

Es gibt aber auch viele Kleinaktionäre, die sich an Cashcloud beteiligt haben. "Die Firma wird ausgehöhlt", schimpft einer der Anteilseigner gegenüber manager magazin online. "Und die Anleger gehen leer aus."

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