Nullzins Wie Anleger jetzt noch zu Geld kommen

Von Arne Gottschalck und Christoph Rottwilm

Es ist ein historischer Moment und ein Alarmsignal für Anleger: Erstmals ist am Dienstagvormittag die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit unter Null Prozent gefallen. Das Papier zählt zu den weltweit am meisten beachteten Wertpapieren. Und es steht stellvertretend für den gesamten hiesigen Zinsmarkt.

Damit stellt sich erneut die Gretchenfrage der Geldanlage: Wie sollen Investoren angesichts des von Zentralbanken auf historisch niedriges Niveau gedrückten Zinsniveaus überhaupt noch eine angemessene Rendite erzielen?

So viel steht fest: Wer eine höhere Rendite will, muss auch ein größeres Risiko eingehen. Das ist eine Grundregel der Geldanlage, die man allerdings derzeit auch etwas schärfer formulieren könnte: Mit ihrer Niedrigzinspolitik zwingen die Zentralbanken - allen voran die EZB - die Anleger auf der Suche nach Rendite immer weiter ins Risiko.

Wo Investoren fündig werden können, zeigen die folgenden Beispiele: vier Geldanlagen, bei denen das Verhältnis von möglicher Rendite und vermutlichem Risiko vernünftig erscheint.

Immobilienfonds - solide, aber nicht ganz Brexit-fest

Geht es um eine solide Geldanlage mit Renditepotenzial, so wird in der Regel stets die Immobilie genannt. Der Grund: Wer ein Gebäude mit guter Ausstattung in der richtigen Lage erwirbt, kann sich meist auf regelmäßige Mieteinnahmen verlassen. Diese können zwar sinken oder ausfallen, sollten die Finanzmärkte oder die Konjunktur schwächeln. Selbst dann verliert der Immobilienbesitzer aber nicht sein gesamtes Investment - das Gebäude bleibt normalerweise in seinem Besitz.

Allerdings empfiehlt es sich aus Gründen der Risikostreuung kaum, als Kapitalanlage eine einzige Immobilie zu erwerben. Eine gute Alternative stellen dagegen offene Immobilienfonds dar, die die Gelder der Anleger auf zahlreiche Objekte in unterschiedlichen Regionen und Lagen verteilen.

Etwa ein Dutzend offene Immobilienfonds stehen Privatanlegern hierzulande zurzeit zur Auswahl. Und tatsächlich wenden sich angesichts der Unsicherheiten an den Märkten offenbar immer mehr Investoren dieser Anlageklasse zu. Die Fonds jedenfalls verzeichneten in den vergangenen Monaten zum Großteil so starke Mittelzuflüsse, dass einige die Aufnahme neuer Gelder bereits stoppen mussten.

Wertsteigerungen von bis zu 5 Prozent möglich

Kein Wunder: Offene Immobilienfonds erzielten zuletzt Wertsteigerungen von bis zu knapp 5 Prozent pro Jahr. Zudem hat sich die Qualität der Investmentvehikel im Schnitt verbessert, wie die Ratingagentur Scope unlängst in einer Studie festgestellt hat.

Von einem möglichen Austritt der Briten aus der Europäischen Union ("Brexit"), so Scope, wären allerdings mit Verzögerung auch die Immobilienfonds betroffen, denn viele von ihnen haben in Objekte in Großbritannien investiert. Immerhin 80 Prozent dieser britischen Investments stecken der Scope-Analyse zufolge in Gebäuden im Londoner Finanzdistrikt, der nach Ansicht von Experten wohl besonders hart vom möglichen Brexit getroffen würde. Anleger, die in einen offenen Immobilienfonds investieren wollen, sollten also wohl zunächst genau hinschauen, wo der Fonds seine Gelder angelegt hat.

Gold - "sicherer Hafen" mit Tücken

Gold gilt seit jeher als "sicherer Hafen" für Geldanlagen. Das beherzigen offenbar zurzeit erneut zahlreiche Investoren: Mit zunehmender Nervosität bezüglich eines drohenden Brexits ist der Goldpreis in den vergangenen Wochen wieder signifikant gestiegen. Insgesamt hat der Preis damit 2016 inzwischen um etwa 20 Prozent zugelegt.

Das Problem ist nur: Anders als andere Geldanlagen wirft Gold keinerlei Zins ab. Investoren können also einzig und allein auf die Preisentwicklung hoffen, und damit darauf, dass die Nachfrage weiterer Anleger den Preis zumindest stabil hält oder weiter in die Höhe treibt.

Zwar erwarten einige Fachleute im aktuell unruhigen Umfeld zunächst einen weiteren Anstieg des Goldpreises. Manch einer sieht die Kosten für eine Unze im Falle eines Brexits sogar schon auf 1400 Dollar nach oben schnellen (derzeit kostet die Feinunze Gold rund 1286 Dollar). Eine Gewähr dafür gibt es jedoch nicht.

Keine Gewähr für Performance

Wie schnell es beim Goldpreis auch in die negative Richtung gehen kann, dürfte dagegen vielen Investoren noch in unguter Erinnerung sein: Von seinem Rekord im Jahr 2011 bei mehr als 1900 Dollar je Unze bis zum jüngsten Tief Ende vergangenen Jahres bei 1050 Dollar fiel der Preis um nicht weniger als 45 Prozent.

Immerhin: Bei Gold handelt es sich wie bei Immobilien um einen Sachwert. Es ist also nach menschlichem Ermessen kaum zu erwarten, dass der Anleger sein Geld damit komplett verliert - dazu müsste der Preis schon auf Null fallen.

Tagesgeld - Bank ist nicht gleich Bank

Das Tagesgeld ist ein Klassiker der Geldanlage. Das Ersparte wird dort kurzfristig geparkt, dafür erhält der Parker von der Bank Zinsen. Bei hohen Leitzinsen entsprechend hohe Zinsen - und in einem Umfeld wie dem aktuellen niedrige Zinsen. Allerdings gibt es noch immer erhebliche Unterschiede in der Höhe der einzelnen Angebote.

Wer zum Beispiel 10.000 Euro über drei Monate anlegen will, bekommt bei der Volkswagen Bank einen jährlichen Zins von 1,1 Prozent, wie die Seite FMH  zeigt. Die Hanseatic Bank bietet dagegen nur 0,3 Prozent.

Bei 50.000 Euro, die ein Bestandskunde investieren will, liegt der Zinssatz bei ähnlich hohen 1 Prozent - bei der slowakischen Postava Banka. Das Geld ist bis zu 100.000 Euro unter anderem durch die slowakische Einlagensicherung unterfüttert.

Allerdings gibt es auch Angebote außerhalb der EU, wie die der Deniz Bank oder der Garantie Bank. Es gilt also wie immer bei der Geldanlage nicht überstürzt abzuschließen, sondern sich zu informieren.

Investmentfonds - die Flucht an den Aktienmarkt

Ein Ratschlag, wie er auch für Geldmarktfonds gilt. Bei denen versucht ein Fondsmanager, in diesem schwierigen Umfeld Geld für seine Kunden zu verdienen. Manche mischen etwas mehr homöopathische Risiken bei, andere nicht. Und entsprechend klaffen die Ergebnisse auseinander: Der Hansa Geldmarkt verdiente laut "Morningstar " seit Beginn des Jahres 0,23 Prozent, der Bayern Invest Asset Light Fonds verlor 0,66 Prozent. Wenig zu verdienen ist damit zu einem Risiko der ganz eigenen Art geworden, zu einem zinslosen Risiko, wie es immer wieder heißt.

Deswegen liegt es nahe, dass Anleger gezielt Risiken eingehen, um noch Erträge zu erzielen. Risiko bedeutet an dieser Stelle das Risiko von Kursrückschlägen, wie sie an den Börsen nun einmal existieren. Weltweit aktive Aktienfonds mindern dieses Risiko, indem sie das Geld der Investoren in verschiedene Aktien aus verschiedenen Ländern und Wirtschaftssektoren stecken.

Leidet also ein Sektor an der Börse, bleibt der Rest des Portfolios unberührt. Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis ist es auch für die Experten gar nicht so einfach, ein Portfolio möglichst unkorrelierter Aktien zu konstruieren.

Entsprechend kann ein Börsenrücksetzer auch den Fonds in Mitleidenschaft ziehen. Es bleibt die Frage, was im aktuellen Umfeld die Alternative sein kann. Denn immerhin bieten diese Fonds die Chance auf Wertsteigerungen (die Risikoprämie) und, ein entsprechendes Management vorausgesetzt, die Einvernahme von Dividendenzahlungen, die jene Kursrücksetzer etwas abfedern können.

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