Nach der Wahl von Boris Johnson zum britischen Premier "BoJo" treibt Pfund-Anlegern Schweißperlen auf die Stirn

Händler an der Börse in London

Händler an der Börse in London

Foto: © Russell Boyce / Reuters/ REUTERS

Die Wahl von Boris Johnson zum Nachfolger von Premierministerin Theresa May schürt Nervosität am Devisenmarkt. Viele Anleger befürchten, dass Großbritannien nun auf einen chaotischen Brexit zusteuert.

Das Pfund Sterling legte zunächst zu, gab am Dienstagnachmittag dann aber wieder 0,3 Prozent nach auf 1,2439 Dollar. Johnson will das Austrittsabkommen mit der EU neu verhandeln und hat angekündigt, notfalls sein Land am 31. Oktober ohne Abkommen aus der Europäischen Union zu führen.

Es sei aber so gut wie sicher, dass die EU sich weigere, einen neuen Vertrag zu verhandeln, und das britische Parlament werde sich bemühen, einen No-Deal-Brexit zu blockieren, sagte Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft T Rowe Price. "Vor uns liegen große Herausforderungen."

Mehrere Minister kündigten Rücktritt an

Der im Volksmund "BoJo" genannte ehemalige Außenminister und Brexit-Hardliner stach im parteiinternen Duell den aktuellen Außenamtschef Jeremy Hunt aus. Mehrere Minister haben bereits ihren Rücktritt angekündigt, weil sie nicht mit Johnson zusammenarbeiten wollen.

"Mit einer parlamentarischen Mehrheit der Regierung von vier Stimmen und zunehmender innerparteilicher Opposition gegenüber der angekündigten Politik von Johnson könnte es auf Neuwahlen in Großbritannien hinauslaufen", sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Neuwahlen oder ein zweites Referendum seien wohl unausweichlich, glaubt auch Thomas Gitzel, Chefvlkswirt der VP Bank. "Für das zuletzt stark gebeutelte britische Pfund ist deshalb noch nicht aller Tage Abend." Sollte sich in den kommenden Wochen allerdings herausstellen, dass trotz Johnson ein weicher Brexit wahrscheinlich bleibe, "wird die britische Valuta zulegen können", so Gitzel.

rei/Reuters/dpa-afx
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