Donnerstag, 12. Dezember 2019

Börsenbeben vor dem Briten-Referendum Blackrock, der Brexit und das Zittern der Bankaktionäre

Börsenjahr 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax
Daimler

Das nahende Votum der Briten über den Verbleib in der EU lässt die Börsen erzittern, der Dax taucht ab. Das größte Risiko besteht für Bankaktien.

Nur noch zwei Wochen bis zum Tag B. Das ist der 23. Juni, an dem die Briten über einen möglichen "Brexit" abstimmen, einen Austritt aus der Europäischen Union also. Der Ausgang dieses historischen Votums ist nicht abzusehen, Umfragen zeigen keine klare Tendenz. Umso größer wird die Nervosität an den Finanzmärkten - der Dax Börsen-Chart zeigen brach in den vergangenen vier Tagen um knapp 5 Prozent ein, und Finanzwerte verloren besonders stark. Denn Banken und andere Finanzhäuser würden zu den größten Verlierern eines solchen Brexit zählen.

Der Grund liegt auf der Hand: London ist neben New York der größte Finanzplatz der Welt. Viele internationale Banken steuern ihr Europageschäft von dort, unter anderem, weil ihnen die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens weitreichende Freiheiten dafür einräumt. So ist London nicht nur zum weltweiten Marktführer im Derivate- und Devisenhandel aufgestiegen. Die Metropole belegt auch als Standort von Hedgefonds und Private-Equity-Firmen europaweit den Spitzenplatz.

Im Umkehrschluss stützt kaum eine andere Industrienation ihre Wirtschaftskraft so sehr auf den Finanzsektor, wie die britische. Rund 80 Prozent des dortigen Bruttoinlandsprodukts werden mit Dienstleistungen erwirtschaftet, und den größten Anteil daran haben Banken, Versicherungen und andere Investmenthäuser. Insgesamt hat der Finanzsektor einen Anteil an der Gesamtwertschöpfung der Briten von 8 Prozent, womit er auch überproportional zum Steueraufkommen beiträgt.

Verlieren die Banken ihren "EU-Pass"?

All dies, so die Sorge an den Märkten, geriete im Falle eines Brexit ins Wanken. Denn die EU-Mitgliedschaft gilt als Voraussetzung für Londons starke Finanzbranche. Vor allem für US-Banken würde sich bei einem Austritt der Briten aus der EU die Standortfrage stellen, schrieb beispielsweise jüngst Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in einem Zeitungsbeitrag.

Noch beschäftigen die fünf größten US-Banken in London 40.000 Menschen, mehr als im Rest Europas zusammengenommen. Das dürfte sich im Falle eines Brexit ändern. Laut Dombret verlören die Institute dann vermutlich den Zugang von London zum EU-Binnenmarkt ("EU-Pass"). Möglich auch, dass London seine starke Position im Handel mit europäischen Anleihen, Währungen und Derivaten einbüßen würde. Bis zu 20.000 Arbeitsplätze, schätzt die Frankfurt School of Finance, könnten nach einem Brexit von London nach Frankfurt wandern.

Kein Wunder also, dass die Börse beim Gedanken an einen Brexit vor allem um die Bank- und andere Finanzaktien zittert. Mahnende Worte sind am Markt immer häufiger zu hören. Zuletzt wurde bekannt, dass Starinvestor George Soros plötzlich wieder aktiv in die Geschäfte seiner Finanzfirma Soros Fund Management eingreift. Soros verkaufe Aktien und baue zur Absicherung Positionen in Gold auf, hieß es im Wall Street Journal. Als Grund wird neben Sorgen um die chinesische Wirtschaft die Gefahr eines Brexit genannt.

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