Hedgefondsmanager meistert Krise Dieser Mann schaffte 37 Prozent Plus in einem Monat

Erfolgreicher Mai: Fondsmanager Alan Howard

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Ein Renditeplus von 37 Prozent in einem einzigen Monat - das kommt im Kapitalanlagegeschäft nicht allzu häufig vor. Umso bemerkenswerter, wenn es einem Unternehmen gelingt, das eigentlich seit Jahren schwächelt, und von dessen Chef Beobachter bereits erwartet hatten, er könnte womöglich das Handtuch werfen.

Die Rede ist vom Hedgefonds-Haus Brevan Howard mit Sitz auf Jersey, sowie von dessen Mitgründer Alan Howard. Der Nachrichtenplattform Bloomberg  zufolge gelang dem AH Master Fund des Unternehmens, der von Alan Howard persönlich gelenkt wird, im Mai ein Plus von 37 Prozent. Auf das Jahr 2018 gerechnet liege der Fonds damit bereits mit 44 Prozent im grünen Bereich, so Bloomberg mit Verweis auf informierte Kreise.

"Ich bin glücklich, dass die Loyalität und das Vertrauen, das mir die Investoren entgegengebracht haben, mit einem sehr positiven Ergebnis belohnt wurden", schrieb Howard laut Bloomberg in einem Email-Statement - ohne allerdings die exakten Zahlen zu bestätigen.

Die Freude des britischen Investmentprofis, der Brevan Howard bereits vor rund 15 Jahren mit einigen Partnern gestartet hatte, erscheint umso verständlicher bei einem Blick auf die Historie des Unternehmens. Brevan Howard erzielte zunächst Erfolge und galt noch vor einigen Jahren als eines der größten Hedgefonds-Unternehmen im Bereich der Makro-Strategen. Dann geriet die gesamte Branche in eine Krise.

Hintergrund: Bei Makro-Hedgefonds handelt es sich um Investmenthäuser, die ihre Anlageentscheidungen nach geopolitischen sowie geldpolitischen Entwicklungen ausrichten. Diese Fonds hatten in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme, zufriedenstellende Ergebnisse abzuliefern, was Beobachter vor allem mit der extrem freigiebigen Geldpolitik vieler Notenbank begründeten.

Durch ihre Geldflut haben die amerikanische Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und andere jahrelang die Bewertungen an den Finanzmärkten verzerrt und einen Großteil der Volatilität unterdrückt, heißt es. Damit entzogen die Notenbanken den Makro-Fonds zum großen Teil die Basis für ihre Geschäfte.

Warum die Makro-Hedgefonds plötzlich wieder Oberwasser haben

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Weil die Hedgefonds vielfach gleichzeitig an ihren großzügigen Gebührenforderungen festhielten, zogen viele Anleger verärgert Geld ab. Einige der prominentesten Geldverwalter der Branche wie Paul Tudor Jones oder Andrew Law gerieten auf diese Weise erheblich unter Druck, manche musste sogar aufgeben. Auch Brevan Howard kam seinerzeit schwer in die Bredouille.

Zwischen 2014 und 2016 musste das Investmenthaus einen Rückgang der angelegten Gelder von 41 Milliarden Dollar auf 18 Milliarden Dollar, also auf weniger als die Hälfte hinnehmen, wie Mitgründer Alan Howard der "Financial Times" seinerzeitin einem seiner seltenen Interviews  erzählte.

Manch einer rechnete Berichten zufolge bereits damit, dass sich auch Brevan Howard aus dem öffentlichen Anlagegeschäft zurückziehen und - wie andere ebenfalls - in ein Family Office verwandelt werden könnte. Doch das geschah nicht: Das Unternehmen stutzte seine Gebühren und schrumpfte sich gesund. Die Zahl der Mitarbeiter sank auf weltweit eigenen Angaben zufolge gegenwärtig immerhin noch 200. Wie Bloomberg schreibt, ist das verwaltete Vermögen zudem seither weiter gesunken - auf inzwischen nur mehr acht Milliarden Dollar.

Doch damit könnte die Krise nun tatsächlich überstanden sein, wie die beachtliche 37-Prozent-Performance des AH Master Funds im Monat Mai nahelegt. Schließlich erzielte Bloomberg zufolge auch Brevan Howards Hauptfonds, der 4,2 Milliarden Dollar schwere Master Fund, im Mai ein Plus von 7,6 Prozent. Auf das Jahr gerechnet liege dieses Vehikel nun 8,9 Prozent vorne, so der Bericht.

Hat Howard korrekt auf Italien gewettet?

Dabei kommt die Kehrwende offenbar nicht von ungefähr. Auch andere Makro-Hedgefonds konnten zuletzt wieder ordentliche Renditen vorweisen. Bloomberg nennt beispielsweise die Gesellschaft Element Capital Management, bei der Jeffrey Talpins am Ruder sitzt. Das Unternehmen habe im Mai ein Plus von 4 Prozent erreicht, was auf das Jahr gerechnet einen Wertgewinn von bislang immerhin 17,5 Prozent ergebe.

Schon Anfang des Jahres gab es Berichte, dass Makro-Fonds wieder Oberwasser bekommen. So erzielte Brevan Howards Flaggschiff-Fonds bereits im Januar ein Plus von 2,4 Prozent. Im gleichen Monat kam Paul Tudor Jones mit seinem Vorzeigefonds auf 4,8 Prozent, und US-Fondsmanager Louis Bacon von Moore Capital erreichte 5,7 Prozent.

Beobachter erklären das Comeback der Makro-Hedgefonds vor allem mit der geänderten Geldpolitik der Notenbanken, die sich weltweit langsam aber sicher von ihrem ultra-lockeren Umgang mit der Liquidität verabschieden. Die US-Zentralbank Fed etwa befindet sich bereits seit einiger Zeit in einem Zyklus der Zinssteigerungen. Die EZB bemüht sich gegenwärtig ebenfalls, einen Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing zu finden. Für die Hedgefonds mit Makro-Ansatz bedeutet das: Die Marktverzerrungen, die ihnen in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht haben, verschwinden allmählich von der Bildfläche.

Brevan Howards Mitgründer Alan Howard, dessen persönliches Vermögen "Forbes" auf aktuell 1,35 Milliarden Dollar taxiert, gelang es zuletzt offenbar besonders gut, diese Veränderungen zu nutzen. Der Hedgefonds-Lenker gehe in seinem AH Master Fund riskantere Wetten ein, als dies etwa bei dem größeren Hauptfonds seines Unternehmens üblich sei, sagte eine informierte Person laut Bloomberg.

Seine 37-Prozent-Performance gelang Howard ausgerechnet in jenem Monat, als Sorgen um das politische und wirtschaftliche Schicksal Italiens zeitweise zu erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgten. Ob beides tatsächlich miteinander zusammenhängt, ist allerdings unklar.

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