Freitag, 26. April 2019

Phänomenale Finanzpsychologie Wie der Nachname Bank-Karrieren bremst

Wie war doch gleich der Name? Auch die Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse sind vor psychologischen Einflüssen nicht gefeit.

Das Börsengeschehen beruht zu 50 Prozent auf psychologischen Faktoren, mindestens. So lautet eine Faustregel im Finanzgeschäft. Eine Studie von Forschern aus Großbritannien sowie den USA zeigt nun einen besonders bemerkenswerten Bereich auf, in dem sich dieser Spruch bewahrheitet: Offenbar sind die Nachnamen von Finanzanalysten mit ausschlaggebend dafür, wie stark sich ihre Analysen und sonstigen Einschätzungen auf die Entwicklung von Aktienkursen, Indizes und ähnlichem auswirken.

Finanzanalysten, deren Nachnamen als vorteilhaft wahrgenommen werden, lösen stärkere Marktreaktionen auf ihre Gewinnprognosen aus, heißt es in einer Mitteilung der Cass Business School der City University of London, die die Untersuchung federführend publiziert hat.

Die Behauptung klingt kurios - mindestens. Doch sie steht offensichtlich auf einer soliden wissenschaftlichen Basis, wie die 72-seitige Studie zeigt, die frei im Internet einsehbar ist. Darin beschreiben die Wissenschaftler detailliert, wie sie bei ihrer Arbeit vorgegangen sind.

Grundlage der Untersuchung waren demnach zwei exogene Schocks, die die weltweiten Aktienmärkte erheblich erschüttert haben. Dies waren zum einen die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und zum anderen der Irak-Krieg im Jahr 2003, beziehungsweise die scharfe Kritik, die aus Deutschland und Frankreich dagegen laut wurde. Letzteres sei wiederum in den Vereinigten Staaten auf starke Empörung gestoßen, bis hin zu Boykottaufrufen gegen deutsche und französische Produkte, schreiben die Autoren in ihrer Studie.

Die bemerkenswerte Beobachtung, die sich der Untersuchung zufolge daraufhin an den Finanzmärkten beobachten ließ: Analysten, deren Nachnamen arabisch, deutsch oder französisch klangen, fanden in Folge der Terroranschläge sowie der deutschen und französischen Opposition zum Irak-Krieg weniger Gehör. Sprich: Die Kurse reagierten weniger stark auf ihre Aussagen als auf jene anderer Finanzexperten.

Für Jay Jung, Assistenzprofessor an der Cass Business School und einer der Autoren der Studie, kommt das Ergebnis keineswegs überraschend. Vielmehr entspreche es der These, mit der die Forscher von vornherein an ihre Arbeit herangegangen seien und die auf bekannten psychologischen Phänomenen beruhe.

Dabei hängt die Vorteilhaftigkeit des Nachnamens nicht mit der Qualität der Prognosen, mit deren Genauigkeit, Verzerrung oder Aktualität zusammen, so Jung. Vielmehr fällen die Anleger offenbar aufgrund der Wahrnehmung der Nachnamen der Analysten voreingenommene Urteile.

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