Dienstag, 17. September 2019

Wackelbörse So handeln Profi-Investoren an der Börse

Investoren: Kennt man einen, kennt man alle?
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Investoren: Kennt man einen, kennt man alle?

Die Börse ist fest in der Hand der Profiinvestoren. Aber einheitliche Ziele verfolgen sie deswegen noch lange nicht, im Gegenteil. Drei Dinge, die Sie über diese Investoren wissen sollten.

Was für eine Woche: Die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigen fielen am Donnerstag um knapp 10 Prozent, nachdem die Airline ihre Gewinneziele kassiert hat. Auch Nintendo-Papiere fielen zweistellig, nachdem sie zuvor extrem gestiegen waren. Offenbar fragen sich Investoren, wie viel Geld das Unternehmen denn nun wirklich aus der globalen Begeisterung für das Handyspiel Pokémon Go wringen kann. Und in den USA wird die Aktie des Elektroautobauer Tesla dadurch bewegt, dass Tesla-Chef Elon Musk seinen neuen Masterplan vorstellt.

An starke Schwankungen haben sich Investoren in den vergangenen Wochen gewöhnt - doch wie kommt es zu einer solchen Wackelbörse?

Kurse steigen, wenn die Nachfrage nach den Papieren deren Angebot übertrifft. Und sie fallen, wenn die Mehrheit diese Aktien loswerden will. Aber wer lässt Angebot und Nachfrage eigentlich steigen oder fallen? Investoren, klar. Aber wie ticken die Investoren eigentlich? Ganz unterschiedlich - und sie prägen die Börse daher auch ganz unterschiedlich.

Ganz grob lassen sich Profi- von den Laieninvestoren trennen. Der Höflichkeit halber wird jener Laie als Retail-Kunde bezeichnet. Sie halten bei deutschen Aktien rund ein Zehntel, zählt die Bundesbank. Bleibt die große Mehrheit der institutionellen Anleger. Eine einheitliche Gruppe? Von wegen - sie haben unterschiedliche Stoßrichtungen. Und das ist schon die erste Lektion über institutionelle Investoren.

Auf der einen Seite stehen langfristig orientierte Investoren wie die Staatsfonds. Sie sollen das Vermögen eines Volkes mehren, indem sie zum Beispiel Einnahmen aus Ölquellen investieren. Der bekannteste Vertreter dürfte der norwegische Staatsfonds ein, der zum Beispiel auch bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen investiert ist und laut "FAZ" weiter sein wird, auch wenn er den Autokonzern kritisiert. Einmal investieren und dann die Aktie mit "starker Hand" halten, das ist die Devise der meisten Staatsfonds - und das ist gut für stabile Aktienkurse.

Das andere, kurzfristig denkende Ende des Spektrums markieren die Hochgeschwindigkeitshändler (HFT): Sie setzen hochgerüstete Computer ein, um in Bruchteilen einer Sekunde Transaktionen auszuführen. Eine einzelne Transaktion bringt keine hohen Gewinne - aber eine Vielzahl von Transaktionen schon. Langfristiges Investieren? Fehlanzeige. Und ein Treiber für Unruhe an der Börse.

Zwischen den beiden Polen tummeln sich Investment- und Pensionsfonds oder auch Lebensversicherungen. Sie haben bestimmte Anlageziele, die ihnen vom Gesetz oder von den eigenen Verträgen vorgegeben werden - Lektion zwei. Das bedeutet nämlich auch, dass sie manchmal eine Anlageentscheidung treffen, die sie aus Investorensicht eigentlich nicht treffen würden, aber treffen müssen, weil es die Regularien so wollen.

Fallen die Aktienkurse zum Beispiel, ist irgendwann einmal ihr vorab festgelegtes Risikobudget aufgebraucht. Und das bedeutet "Verkaufen". Verluste über einen längeren Zeitraum auszusitzen, können sich diese Investmentfonds auf Grund ihres internen Regelwerks nicht erlauben.

Wenig homogen sind die Investoren auch mit Blick auf ein anderes Kriterium. Quantitative Anleger nutzen fast nur Computer, andere wiederum fast nur menschliche Manager. Während die einen also auf die Zahlen setzen, sind für die anderen Gespräche wichtig. Mit den Unternehmen, in die sie investieren, mit Wirtschaftsexperten, um deren Sicht zu verstehen.

Das bringt ganz unterschiedliche Folgen mit sich: Die einen arbeiten nach Programmen und Algorithmen, die Kauf und Verkauf bei bestimmten Parametern auslösen. Das kann die Schwankungen der Börse verstärken. Die andere Gruppe arbeitet auch nach dem Stimmungsbild. Eine aktuelle Fondsmanagerumfrage von Bank of America Merrill Lynch zum Beispiel zeigt, dass die Experten zuletzt mehr Bargeld horteten - so viel wie seit November 2001 nicht mehr. Geopolitische Risiken und die Angst vor mehr Protektionismus treiben also Anlageentscheidungen. Und stecken über die Psychologie andere Anleger an, die ähnlich arbeiten.

Alle gemeinsam stehen unter Erfolgsdruck. Denn wer sein Geld einem Profi-Investor anvertraut, will Rendite sehen. Und auch nicht Kursverlierer im Depot haben. Was wiederum dazu führt, dass Profis bei wankenden Börsenkursen schneller nervös werden und handeln. Wie etwa bei Lufthansa Börsen-Chart zeigen, Nintendo Börsen-Chart zeigen oder Tesla Börsen-Chart zeigen .

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