Gerüchte um Börsenrückzug Blackberry-Aktie hebt ab

Die Aktie des strauchelnden Smartphone-Pioniers Blackberry hat am Freitag zu einem unerwarteten Höhenflug angesetzt. Auslöser: Gerüchte über einen möglichen Rückzug von der Börse.
Blackberry-Chef Thorsten Heins: Liegt die Zukunft abseits der Börse?

Blackberry-Chef Thorsten Heins: Liegt die Zukunft abseits der Börse?

Foto: AP/dpa

Toronto - Die Aktie des Smartphone-Produzenten Blackberry ist am Freitag vorbörslich zeitweise um fast 10 Prozent nach oben geschnellt - nach Gerüchten dass sich das Unternehmen vom Aktienmarkt zurückziehen will.

Der deutscheKonzernchef Thorsten Heins und der Verwaltungsrat könnten sich zunehmend mit der Idee anfreunden, dem Unternehmen durch diesen Schritt Luft für eine dringend benötigte Sanierung zu verschaffen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. "Der Ton im Verwaltungsrat hat sich geändert." BlackBerry selbst wollte sich nicht zu den Gerüchten äußern.

Blackberry war einst ein Liebling der Börsen-Investoren, hat den Anschluss aber verloren. Denn der kanadische Konzern, der sich kürzlich aus Imagegründen von Research in Motion (RIM) umbenannte, befindet sich im Klammergriff der stetig wachsenden Rivalen Apple  und Samsung .

Blackberry  fehlt eine Antwort, wie Marktanteile schnell zurückgewonnen werden können. Zusätzlich sorgten zuletzt Verzögerungen bei der Einführung des neuen Modells "Blackberry 10", Probleme im Management, andauernde Quartalsverluste und ein Stellenbau für schlechte Stimmung.

Vorbild Dell?

Ohne Druck von der Börse dürfte es für das Management - Heins ist ein Ex-Siemens-Manager - leichter sein, den Konzern einer Radikalkur zu unterziehen. Blackberry müsste sich nicht vor seinen Anlegern rechtfertigen und stünde weniger im Fokus.

Das ist einer der Hauptgründe, warum auch Firmengründer Michael Dell bei seinem PC-Hersteller diesen Weg einschlagen will und eine rund 25 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte auf den Tisch gelegt hat. Gegen seine Pläne gibt es aber erbitterten Widerstand, weil viele Dell-Aktionäre noch mehr Geld herausholen wollen.

Entscheidung st offenbar noch nicht gefallen

Doch im Gegensatz zu Dell  sind die Überlegungen bei Blackberry nur Gedankenspiele. Den mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge ist noch keine Entscheidung getroffen und dementsprechend kein Verkaufsprozess in Gange. Sollte Blackberry diesen Weg einschlagen, gilt es außerdem viele Hindernisse zu überwinden. Es ist völlig unklar, ob die Kanadier einen Käufer finden, der bereit ist, die Abkehr von der Börse zu finanzieren. So lange der Konzern weiterhin rote Zahlen schreibt, dürfte dies schwierig werden.

Dem Aktienkurs tut die Unsicherheit zur Zukunft der Firma, die sich vor allem wegen ihrer sehr sicheren Datenübertragung einen Namen gemacht hat, nicht gut. Nach dem Rekordhoch 2008, als der Konzern noch 84 Milliarden Dollar wert war, waren es - vor dem gerüchtebedingten Höhenflug vom Freitag - kürzlich nur noch knapp fünf Milliarden Dollar.

Allein in diesem Jahr ist der Kurs um mehr als 19 Prozent gefallen.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Übernahmegerüchte - das kanadische Patent- und Wettbewerbsrecht macht einen Kauf durch ausländische Unternehmen jedoch schwer realisierbar.

Partnerschaften nicht ausgeschlossen

Firmenchef Heins betonte stets, Blackberry könne es alleine schaffen und benötige einfach mehr Zeit. Partnerschaften mit anderen Unternehmen schloss er jedoch nie aus.

Insidern zufolge gibt es diesbezüglich Gespräche mit dem Finanzinvestor Silver Lake. Dieser ist kein Unbekannter. Die Private-Equity-Gesellschaft spielt auch eine wesentliche Rolle bei Dell, weshalb es bereits Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit beider Firmen bei mobilen Geräten gibt.

Die Nummer drei der PC-Branche leidet angesichts des Booms von Tablets und Smartphones unter dem wegbrechenden Geschäft mit klassischen Computern und erhofft sich so mehr Freiheit für eine radikale Neuausrichtung. Mitte September sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Offerte von Michael Dell abstimmen - das Votum wurde aber bereits mehrfach verschoben.

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mihec/rtr,dpa-ax