Schweizer Kanton Zug akzeptiert Cyber-Währung Steuern zahlen mit Bitcoins - die Schweiz prescht vor

Im Schweizer Zug könnte die Revolution des Finanzsystems ihren Auftakt nehmen. Das glaubt jedenfalls die Stadterwaltung vor Ort. Sie akzeptiert als international erste Behörde die Cyber-Währung Bitcoin als Zahlungsmittel. Das hat einen guten Grund.
"Crypto Valley": Im Schweizer Zug haben sich bereits 15 Firmen der digitalen Finanzbranche angesiedelt

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Erst wenige Tage ist es her, dass sich der Bitcoin-Erfinder geoutet hat. Nun kommt das in der Vergangenheit oft mit Negativschlagzeilen behaftete Cyber-Geld zu unverhoffter Popularität - ausgerechnet im Schweizer Zug. Und glaubt man den Bitcoin-Protagonisten dort, nimmt in dem Schweizer Ort die Revolution des weltweiten Finanzsystems ihren Anfang. Doch von Anfang an.

Bislang kommt die virtuelle Währung Bitcoin vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. In der Praxis ist sie einem kleinen Kreis von Spezialisten vorbehalten und extrem schwankungsanfällig - auch weil Spekulanten damit ihr Zocker-Glück herausfordern.

Doch das Cyber-Geld ist mittlerweile mehr als nur schrille Idee weniger Technikfreaks und Spekulanten. Banken beschäftigen sich intensiv damit, könnte es doch ihr Geschäftsmodell grundlegend verändern. Auch analysieren bereits einzelne Regierungen wie etwa die polnische , wie sie Bitcoin und die Blockchain-Verschlüsselungstechnologie bei der Digitalisierung von staatlichen Diensten vorantreiben können.

Im Schweizer Zug geht man da kürzere Wege. Nach nicht einmal einer Woche Informations- und Beratungsphase führt die gleichnamige Stadt das Cyber-Geld diesen Sommer ein. Ihre Verwaltung akzeptiert damit als international erste Behörde die Digitalwährung als Zahlungsmittel und schreibt damit Geschichte, ist die "Neue Zürcher Zeitung"  (NZZ) überzeugt.

Anfang Mai hatte der Zuger Stadtrat beschlossen, ab dem 1. Juli Bitcoins für Leistungen des Einwohneramtes bis zu 200 Franken (180 Euro) als Zahlungsmittel anzunehmen. Nach Worten des Stadtpräsidenten Dolfi Müller  will Zug damit für Firmen der digitalen Finanzbranche ein Zeichen setzen und zugleich frühzeitig eigene Erfahrungen mit der Digitalwährung sammeln. "Das ist weltweit das erste Mal, dass auf staatlicher Ebene Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert werden", sagte Niklas Nikolajsen, Geschäftsführer der Bitcoin Suisse AG, die ihren Sitz keine fünf Kilometer entfernt vom Stadtparlament hat.

"Künftig die Steuerschuld mit Bitcoins zahlen"

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Laut Stadtpräsident Müller haben sich in der auch als Steuerparadies bekannten Region Zug bereits mehr als 15 Firmen der digitalen Finanzbranche angesiedelt. Mit Blick auf das Silicon Valley in Kalifornien wird sie bereits "Crypto Valley" genannt.

Die Unternehmen begrüßen den Vorstoß natürlich. "Zug gibt damit der Branche zu verstehen, dass sie hier willkommen ist", sagt Luzius Meisser, Präsident der Dachorganisation Bitcoin Association Switzerland. Dies sei wichtig, zumal das Bedürfnis, Bitcoins für Zahlungen im staatlichen Umfeld einzusetzen, noch nicht allzu groß sei.

So stößt die bislang einmalige Initiative auch auf Misstrauen. Die SVP-Fraktion vor Ort gibt zu bedenken, dass die Stadt Zug hier vermutlich gegen die Schweizer Verfassung verstoße, die Geld und Währungswesen als Sache des Bundes definiert.

Bei aller Euphorie gibt es auch Misstrauen

Zudem sei der Bitcoin-Vorstoß "mit erheblichen Risiken für die Steuerzahlenden verbunden". Zum einen, weil Spekulanten den Wechselkurs beeinflussten, zum anderen weil mit dem sogenannten "Mining" es möglich sei, selbst Bitcoins zu schaffen, führen die Parlamentarier aus und hängen ihrem Einspruch gleich einen ganzen Fragekatalog an , der es durchaus in sich hat.

Antworten werden die Stadtväter in Zug spätestens bis Ende des Jahres finden müssen, so lange läuft das Pilotprojekt. Danach fällt die Entscheidung, ob und wie es weitergeht mit "Crypto Valley".

Glaubt man Dolfi Müller, wird es weitergehen. Der Stadtpräsident weiß auch schon wie: "Ich kann mir vorstellen, dass es in absehbarer Zeit möglich ist, auch die Steuerrechnung mit Bitcoins zu begleichen." So viel Empathie für das digitale Geld muss ansteckend wirken: "In Zug hat die Revolution des weltweiten Finanzsystems also erst begonnen", kommentiert die NZZ.

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