Sonntag, 20. Oktober 2019

Platzt jetzt die Blase? Händler-Tweet und Hacker verunsichern Bitcoin-Investoren

Die wichtigsten Akteure der Digitalwährung: Diese Bitcoin-Köpfe müssen Sie kennen
Chamber of Digital Commerce

Platzt jetzt die Blase? Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin Börsen-Chart zeigen brach in der Nacht zu Mittwoch um rund 14 Prozent auf 16.500 Dollar ein. Am Wochenende übersprang der Bitcoin an einigen Handelsplätzen noch die Marke von 20.000 Dollar. Das ist der größte Einbruch seit Beginn des Terminhandels am 10. Dezember. Zuletzt erholte sich der Kurs jedoch wieder und stieg wieder über die Marke von 17.000 Dollar.

Verantwortlich für den Kurssturz sind wohl mehrere Faktoren. Zum einen musste der überraschend von der Handelsplattform Coinbase bekannt gegebene Handel mit Bitcoin Cash, einer Abspaltung des Bitcoin, schon kurz nach dem Start wieder eingestellt werden.

Auffallend war, dass der Bitcoin Cash bei Coinbase den Wert auf anderen Handelsplattformen deutlich überstieg. Coinbase untersucht nun nach eigenen Angaben einen möglichen Insiderhandel. Auslöser des Verdachts ist der kurzfristige Preisanstieg des Bitcoin auf anderen Plattformen, bevor Coinbase den eigenen Handel ankündigte, erläuterte Coinbase-Chef Brian Armstrong in einem Online-Blog.

Dabei fand er klare Worte: Sollte Coinbase einen Hinweis darauf finden, dass Mitarbeiter oder Vertragsnehmer die Geheimhaltungspolitik seines Unternehmens verletzt hätten, werde dies zur sofortigen Entlassung und zu entsprechenden rechtlichen Maßnahmen führen.

Coinbase hatte demnach seiner Belegschaft und Vertragsnehmern bereits vor über einem Monat den Handel mit Bitcoin Cash ausdrücklich untersagt und alle Betroffenen zur Geheimhaltung der Pläne für den Handel mit der Kryptowährung verpflichtet. Bislang habe Coinbase aber keine konkreten Hinweise auf ein Fehlverhalten, schrieb Armstrong.

Japanischer Händler hat Bitcoins verkauft

Ebenfalls kursbewegend könnte der Tweet eines bekannten japanischer Händlers sein, der in den vergangenen 24 Stunden mitteilte, er habe Bitcoin verkauft. Schätzungsweise 30 bis 50 Prozent aller Bitcoin-Investoren sind japanische Privatleute. "Weil dieser Händler viele Anhänger hat, könnten seine Tweets einen Einfluss auf japanische Händler haben, was wiederum den Markt bewegt haben könnte", sagte Sakuma.

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Bitcoin-Börse schließt nach Hackerangriff

Eine dritter Faktor könnte der Hackerangriff auf eine südkoreanische Handelsplattform für Bitcoin sein. Die Börse "Youbit" werde geschlossen und die Zahlungsunfähigkeit erklären, teilte Yapian, der Inhaber der Börse, in der Nacht auf Mittwoch mit. Etwa 17 Prozent aller Bitcoin-Einlagen seien durch den Angriff verloren gegangen. Die verheerende Attacke ist nicht die erste ihrer Art. Schon im April war die Börse Opfer eines Hackerangriffs geworden.

Youbit war keine sonderlich bekannte Bitcoin-Börse. Allerdings gilt Südkorea als eine Hochburg für Digitalwährungen wie Bitcoin, weil diese in der Bevölkerung sehr beliebt sind. Die Regierung hatte sich dagegen unlängst kritisch geäußert und angekündigt, Maßnahmen zur Kontrolle des Handels zu ergreifen. Sie erwägt sogar, Steuern auf Gewinne durch Digitalwährungen zu erheben.

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Zahlreiche Wirtschaftsfachleute und ranghohe Politiker hatten zuletzt eine stärkere Kontrolle der Digitalwährung gefordert. Die Börse CME in Chicago hatte ihren Handel mit Terminkontrakten auf den Bitcoin am vergangenen Montag aufgenommen und war damit der US-Börse CBOE gefolgt, die den Future-Handel eine Woche zuvor gestartet hatte. Die Ausgabe der Futures mache es für institutionelle Investoren leichter, in die Währung zu investieren, sagte Makoto Sakuma vom Forschungsinstitut NLI in Tokio. Zudem ermöglichten sie es, auf fallende Kurse zu wetten.

Seit Jahresbeginn haben sich Bitcoins um das 19-fache verteuert. Das weckt Sorgen vor einer Blase. Dänemarks Notenbankchef Lars Rohde verglich Bitcoin sogar mit der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert. Damals waren die Preise für Tulpenzwiebeln in den Niederlanden in astronomische Höhen geschossen. Als die Blase platzte, verloren viele Menschen ihr Vermögen.

Rei/Mg/Reuters

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