Freitag, 22. November 2019

Chinesische Antwort auf Facebooks Libra-Plan China plant offenbar staatliche Kryptowährung

Facebook-Logo neben dem der geplanten Digitalwährung Libra

Drei Wochen ist es her, dass Facebook erstmals öffentlich Pläne für seine Krypto-Währung Libra vorgestellt hat. Seitdem gab es vor allem eines von Finanzaufsehern, Notenbankern und Politikern: Kritik. Der US-Kongress forderte in einem Brief an Zuckerberg &. Co jüngst sogar, die Weiterentwicklung von Libra zu stoppen, bis die Regierung mögliche Konsequenzen der neuen Währung abgewogen und darauf reagiert habe

Während im Westen weiter große Aufregung herrscht, ist man in China schon einen Schritt weiter. Chinesischen Medienberichten zufolge arbeitet die chinesische Zentralbank an einer eigenen Kryptowährung - einer Art Gegen-Libra.

Wie "Chinadaily" am Dienstag unter Berufung auf offizielle Quellen berichtete, beschleunigt die chinesische Zentralbank aktuell ihre Bemühungen, eine eigene staatliche Digitalwährung einzuführen; ein Projekt, an dem den Angaben zufolge bereits seit 2014 gearbeitet wird.

"Wir werden die neue globale Digital-Währung genau im Blick behalten", zitierte die Zeitung einen Vertreter der Zentralbank mit Blick auf Facebooks Libra. Ihm zufolge haben der Staatsrat und das Kabinett das Projekt abgesegnet, an dessen Entwicklung unterschiedliche Institutionen beteiligt werden sollen. Eine eigene Digitalwährung könne ein Gegengewicht zu Libra bilden, so der Zentralbankvertreter.

Wie diese konkret aussehen soll, dazu gab es in dem Bericht keine Details. Chinesische Krypto-Experten sprachen von einer "Alarmierung" durch Facebooks Währungsprojekt.

Facebook hatte Mitte Juni angekündigt, eine eigene Cyberdevise mit dem Namen Libra in der ersten Hälfte 2020 an den Start bringen zu wollen und damit in den weltweiten Zahlungsverkehr einzusteigen. Libra soll es allen Nutzern des Netzwerks ermöglichen, untereinander Geld zu versenden und Waren von Unternehmen zu erwerben - für Facebook ein gewaltiger Schub.

Branchenkenner halten es für nicht ausgeschlossen, dass Facebook mit seinen bis zu zwei Milliarden täglichen Nutzern damit das traditionelle Finanzsystem auf den Kopf stellen könnte - wenn auch zugleich gewaltige Zweifel an dem Konzept bestehen.

Libra soll ein an einen Währungskorb gekoppelter sogenannter "Stablecoin" sein. Solche Digitalwährungen sollen durch Koppelung an staatliche Währungen weniger anfällig für Preisschwankungen sein als bestehende Cyber-Devisen wie etwa Bitcoin. Daher könnten Stablecoins auch als Zahlungsmittel große Verbreitung finden und somit traditionellem Geld Konkurrenz machen.

Damit würden Staaten geldpolitisch massiv an Handlungsfähigkeit verlieren, da sie nicht wie bei klassischen Währungen gezielt Liquidität zur Verfügung stellen noch mit geldpolitischen Maßnahmen auf konjunkturelle Schwankungen reagieren könnten. Zudem dürfte für China interessant sein, mit einer eigenen Digitalwährung Geldströme leicht zu überwachen. Die Internetkonzerne Alibaba und Tencent haben bereits erfolgreich Dienste zum mobilen Bezahlen etabliert, die zuletzt von einer halben Milliarde Kunden genutzt werden.

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