Dienstag, 23. Juli 2019

Wölbern-Fonds fordern Millionen-Schadensersatz Mammutklage gegen internationale Kanzlei Bird & Bird

Hamburg, Hafencity: Wölbern und Bird & Bird saßen im gleichen Gebäude
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Fast 30 Immobilienfonds von Wölbern Invest fordern gemeinsam Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe von der internationalen Anwaltskanzlei Bird & Bird. Die Anwälte sollen Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte falsch beraten haben. Interne Mails lassen tief blicken.

Hamburg - Im Spektakel um das Fondshaus Wölbern Invest und dessen ehemaligen Chef Heinrich Maria Schulte (61) rückt ein prominenter Akteur in den Fokus, den Beobachter schon länger misstrauisch beäugen: Die internationale Anwaltskanzlei Bird & Bird. Insgesamt 29 Immobilienfonds von Wölbern Invest haben gegen die weltweit tätige Sozietät beim Landgericht Hamburg eine Schadensersatzklage eingereicht. Das berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die am morgigen Freitag, den 23. Januar, erscheint.

Die mehr als 260 Seiten starken Klageschrift, die bei Gericht unter dem Aktenzeichen Az. 327 O 637/14 geführt wird und die manager magazin vorliegt, hat es in sich: Gemeinsam mit dem Hamburger Rechtsanwalt Tjark Thies, Insolvenzverwalter mehrerer Gesellschaften der Wölbern-Gruppe, fordern die Fonds von der Kanzlei sowie teils ehemaligen Mitarbeitern Wiedergutmachung in Höhe von mindestens 130 Millionen Euro.

Der Grund: In den Kassen vieler Fonds klaffen gewaltige Löcher, mehrere mussten bereits Insolvenz beantragen. Mitverantwortlich dafür sind nach Ansicht der Kläger die Anwälte von Bird & Bird. Denn diese hätten Schulte bei dessen umstrittenen Finanztransfers, die letztlich zur prekären Lage der Fonds geführt hätten, eng beraten und müssten sich zahlreiche Verfehlungen anlasten lassen.

Damit nehmen die Fonds einen offenkundig potenten Gegner ins Visier. Bird & Bird beschäftigt eigenen Angaben zufolge mehr als 1000 Anwälte in 18 Ländern weltweit. 2014 beriet die Sozietät Mandanten aus 118 Ländern, heißt es auf der Website. Auf Anfrage teilte Bird & Bird mit, man sehe keine Grundlage für eine Klage und würde sich gegen eine solche "mit allen rechtlich verfügbaren Mitteln entschieden zur Wehr setzen".

Welche Rolle spielte Bird & Bird?

Die Klage gegen die Wirtschaftsjuristen fügt einem der größten Anlegerskandale der vergangenen Jahre ein weiteres Kapitel hinzu. Seit Mai 2014 wird dem gelernten Mediziner Schulte, der 2006 das Bankhaus Wölbern erwarb und 2007 die Fondssparte Wölbern Invest abspaltete, in Hamburg der Prozess gemacht.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn der gewerbsmäßigen Untreue in mehr als 300 Fällen. Fast 150 Millionen Euro soll er zwischen August 2011 und September 2013 unrechtmäßig aus geschlossenen Wölbern-Fonds zweckentfremdet haben. Bis zu 60 Millionen davon, so die Ankläger, seien in private Kanäle geflossen. Schulte weist die Vorwürfe zurück.

Schon zu Beginn des Schulte-Prozesses hatte der Staatsanwalt festgestellt, dass die Rolle von Bird & Bird in der Causa Wölbern geklärt werden müsse. Die Kanzlei selbst allerdings trug bislang wenig dazu bei. Zur aktuellen Klage teilte die Sozietät auf Anfrage lediglich mit, man sehe keine Grundlage dafür und würde sich "mit allen rechtlich verfügbaren Mitteln entschieden zur Wehr setzen".

Schon dreimal nahmen zudem Bird & Bird-Leute im Schulte-Prozess auf dem Zeugenstuhl Platz. Zweimal erschien der inzwischen bei der Sozietät ausgeschiedene Schulte-Freund Frank Moerchen, und einmal Ole Brühl, der nach wie vor bei Bird & Bird tätig ist. Jedes Mal verweigerten die Juristen, die beide namentlich in der Mammutklage aufgeführt sind, komplett die Aussage.

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