Stirnrunzeln beim reichsten Mann der Welt Was Bill Gates an den Panama Papers merkwürdig findet

Skeptischer Blick: Milliardär Gates fragt sich, wo die amerikanischen Steuerhinterzieher ihr Geld verstecken

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Direkt aus dem Offshore-Briefkasten: Hot Stuff! Diese Infos stehen nicht mal in den Panama Papers

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Bill Gates wundert sich. Auch der Microsoft-Gründer, seines Zeichens mit um und bei 80 Milliarden Dollar reichster Mann der Welt, hat in den vergangenen Wochen die Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers verfolgt. Und dabei fiel ihm auf: Seine Landsleute halten sich im angeprangerten Geschäft mit Briefkastenfirmen allem Anschein nach ziemlich zurück.

"Ich war überrascht, dass so wenige Amerikaner dabei waren", sagte Gates dem US-Sender CNBC  in einem Interview. "Jeder, der seine Steuererklärung macht, muss auch Überseekonten und -anlagen angeben. Das heißt aber nicht, dass das auch jeder absolut korrekt tut."

Klingt, als wisse Gates mehr als die meisten anderen. Unklar ist indes, ob er bei seinen Worten die eigenen Gewohnheiten bei der Abgabe der Steuererklärung im Kopf hatte.

Tatsächlich war Beobachtern schon zuvor aufgefallen, dass unter den zahlreichen Prominenten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus aller Welt, die durch die "Panama Papers" kompromittiert wurden, so wenige Amerikaner zu finden waren.

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Der russische Präsident Wladimir Putin geriet in den Fokus, weil Vertraute von ihm unseriöse Geschäfte gemacht haben sollen. Ebenso Großbritanniens Premierminister David Cameron sowie Syriens Machthaber Bashar al-Assad. In Island stolperte der Regierungschef über die Affäre und musste zurücktreten. Dazu kursieren die Namen von Politikern, Wirtschaftsführern, Oligarchen und anderen aus aller Welt.

Mehr als 200.000 Briefkastenfirmen von Personen aus mehr als 200 Ländern wurden durch die "Panama Papers" enthüllt. Aber prominente Verdächtige in den USA? Still ruht der See.

Steckt die CIA hinter Panama-Leaks?

Woran könnte das liegen? In Medien kursieren verschiedene Erklärungsversuche, die mal mehr, mal weniger vernünftig erscheinen. Ein Kommentator schreibt, die Amerikaner würden ihre Briefkastenfirmen eben nicht in Panama registrieren, sondern in anderen Steueroasen wie beispielsweise Singapur. Diese Theorie erscheint allerdings wackelig, denn die Panama Papers heißen nicht Panama Papers, weil sich alle mehr als 200.000 dadurch enthüllten Briefkästen in Panama befinden würden.

Die etwa 11,5 Millionen Unterlagen, auf deren Grundlage die "Süddeutsche Zeitung" gemeinsam mit anderen Medien ihre Enthüllungskampagne gestalten konnte, haben ihren Namen vielmehr, weil sie aus der Kanzlei Mossack Fonseca stammen, die in Panama sitzt. Diese Kanzlei hatte die Briefkastenfirmen für ihre Kunden eingerichtet und registriert, und zwar in Steueroasen rund um den Globus.

Glaubhafter sind daher wohl eher andere Erklärungsversuche: Mossack Fonseca ist zwar offenbar ein Big Player im Geschäft mit Briefkastenfirmen. Die Kanzlei dürfte aber kaum das einzige Unternehmen sein, das diese Dienstleistung anbietet. Möglicherweise hat sich auf dem US-amerikanischen Markt schlicht ein Wettbewerber etabliert, von dem die Öffentlichkeit - bislang noch - nichts weiß.

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Oder es ist so, wie der erfahrene Whistleblower und Steuerflucht-Experte Bradley Birkenfeld vermutet. Der frühere UBS-Manager hatte vor Jahren Daten der Schweizer Großbank an die US-Behörden übergeben und dem Institut damit eine drohende Klage sowie eine dreistellige Millionen-Dollar-Bußgeld-Zahlung eingebrockt. Denn durch Birkenfelds Informationen flog die jahrelange Praxis der UBS auf, reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung zu helfen. Ganz nebenbei sorgte Birkenfeld damit auch dafür, dass das einstmals hochgepriesene Schweizer Bankgeheimnis inzwischen zum Großteil ein Relikt der Geschichte ist.

Dass die Panama Papers so wenige prominente Amerikaner bloßstellen, so sagte Birkenfeld ebenfalls dem Sender CNBC, könnte einen einfachen Grund haben: Drahtzieher der Enthüllung könnte seiner Ansicht nach niemand anderes als der US-Geheimdienst CIA sein. Mögliches Ziel der Geheimdienstaktion: Ausländische Politiker wie den Kreml-Chef zu diskreditieren.

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