Als Krisen-Profiteur kritisiert Hedgefonds-Star verteidigt Milliardengewinn in Corona-Krise

Machte aus 27 Millionen Dollar 2,6 Milliarden Dollar: Hedgefonds-Manager Bill Ackman, Chef von Pershing Capital.

Machte aus 27 Millionen Dollar 2,6 Milliarden Dollar: Hedgefonds-Manager Bill Ackman, Chef von Pershing Capital.

Foto: REUTERS/Brendan McDermid

Bill Ackman liebte einmal den öffentlichen Auftritt, doch das ist lange her - die Art von Öffentlichkeit, die der Hedgefonds-Manager gegenwärtig erfährt, ist ihm offenbar eher unangenehm.

So unangenehm, dass sich Ackman, Gründer und Chef der Investmentfirma Pershing Square Capital, am vergangenen Wochenende zu einem für seine Branche ungewöhnlichen Schritt genötigt sah: Er begab sich auf den Kurznachrichtendienst Twitter , um dort eine wortreiche Rechtfertigung zu einem Deal zu veröffentlichen, der ihm mitten im großen Coronavirus-Börsencrash einen Gewinn von rund 2,6 Milliarden Dollar eingebracht hat.

Die Transaktion, um die es dabei geht, war bereits vergangene Woche publik geworden: Vor etwa einem Monat, als die Corona-Krise begann, ihre Schockwellen über Asien hinaus in die Welt zu senden, nahm Ackman 27 Millionen Dollar in die Hand, um damit Kreditversicherungen, so genannte CDS (Credit Default Swaps), zu erwerben. Dabei handelte es sich in Ackmans Fall um Papiere, die sich an der Entwicklung weltweiter Anleihenindizes orientieren, und deren Wert steigt, sobald die Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen bei Unternehmen zunimmt.

Da dies gewöhnlich passiert, wenn es mit der Wirtschaft und den Börsen abwärts geht, glaubte der Hedgefonds-Manager auf diese Weise eine Absicherung gegen einen möglichen Abschwung am Aktienmarkt gefunden zu haben, den er wegen der Corona-Ausbreitung bereits heraufziehen sah.

Es kam exakt wie von Ackman erahnt: Die Weltbörsen erlebten im März einen Einbruch historischen Ausmaßes. Der deutsche Leitindex Dax  etwa, der US-Blue-Chip-Index Dow Jones  und viele andere Kursbarometer verloren in der Spitze 30 bis 40 Prozent an Wert. Für den Hedgefonds-Lenker allerdings fiel der Schaden nicht so schmerzhaft aus - im Gegenteil: Seine Wette ging auf, aus 27 Millionen Dollar Einsatz machte Ackman binnen weniger Wochen 2,6 Milliarden Dollar Gewinn.

Das bringt ihm nun Kritik ein. Seit die Zahlen vergangene Woche öffentlich wurden, schlägt Ackman der Vorwurf entgegen, er und seine Investoren hätten Profit aus der Corona-Krise geschlagen, schreibt der Hedgefonds-Manager auf Twitter. Ein Auftritt Ackmans beim US-Sender CNBC Mitte März war in dem Zusammenhang offenbar ebenfalls nicht hilfreich: Ackman hatte seinerzeit vor der Corona-Bedrohung für die US-Wirtschaft gewarnt und entschiedene Maßnahmen von Seiten der US-Regierung gefordert. Dabei sprach sich der Investor unter anderem für einen strikten Lockdown der gesamten USA für 30 Tage aus.

Noch während des Interviews verschärfte sich der Abwärtsdruck auf den US-Aktienmarkt, was bei Beobachtern laut "Wall Street Journal " die "Augenbrauen hochgehen ließ". Offenbar kam der Verdacht auf, Ackman wolle den Aktienmarkt schwach reden, um mit Investments davon zu profitieren.

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Auf Twitter stellt sich Ackman nun der Kritik "in ein paar Tweets", wie er schreibt - tatsächlich reiht er beachtliche 25 Kurzbotschaften zu dem Thema aneinander. Darin stellt Ackman klar, dass er die 27 Millionen Dollar nicht etwa für seinen bereits vor längerem geschlossenen Hedgefonds investiert habe, sondern für die öffentliche, an der Börse notierte Investmentgesellschaft Pershing Capital Holding . Es gehe also um die Investments Tausender Anleger, große und kleine. Immerhin könne eine Pershing-Aktie bereits für weniger als 20 Dollar erworben werden, so Ackman.

Pershing-Aktionäre können sich über den Trubel freuen

Zu den Investoren der Pershing Capital Holding gehören demnach auch Pensionsfonds, die ihrerseits Gelder für Lehrer, Angestellte aus dem Gesundheitssektor, Stahlarbeiter, Feuerwehrleute oder Polizisten anlegten.

Oberste Priorität habe es für Pershing Capital, so Ackmans Kernargument, die Investments der Anleger vor Verlusten zu schützen. Vor dem Hintergrund sei der CDS-Deal eine reine Absicherung gewesen, und zwar für das 8,5 Milliarden Dollar schwere Engagement von Pershing Capital am US-Aktienmarkt. "Unsere Aktion unterscheidet sich nicht von der eines Hauseigentümers, der sich eine Versicherungspolice gegen Überschwemmung zulegt", twittert Ackman.

Tatsächlich ging es nach Angaben des Investors auch mit dem Aktiendepot von Pershing im März rund 30 Prozent abwärts. Die Erträge aus dem CDS-Geschäft hätten insofern gerade ausgereicht, um die Verluste am Aktienmarkt auszugleichen.

"Wir wurden verurteilt, weil wir Profit gemacht haben, als andere Verluste verbuchten", rechtfertigt sich Ackman. "In Wirklichkeit haben wir auf Jahressicht bislang keine signifikanten Gewinne erzielt. Unsere Absicherungserträge gleichen ungefähr unsere Verluste im Portfolio aus."

Auch auf sein umstrittenes CNBC-Interview geht Ackman ein. Der Vorwurf, er habe versucht, den Aktienmarkt mit seinen Worten zu schwächen, um den Profit aus seinem CDS-Deal zu vergrößern, greife nicht, schreibt er. Schließlich habe die Absicherung zu dem Zeitpunkt bereits mit 2,6 Milliarden Dollar im Plus gelegen. Vielmehr habe er in dem Interview zugleich enthüllt, in welche Aktien sein Unternehmen nach dem Marktabschwung wieder investieren wolle, und damit deren Kurse in die Höhe getrieben - auch zum eigenen Nachteil. Tatsächlich, so Ackman, befinde sich Pershing bereits seit dem 12. März an der US-Börse wieder auf der Käuferseite.

Ob Ackman seine Kritiker mit seinem 25-teiligen Twitter-Thread besänftigen kann, ist noch unklar. In den Kommentaren unter dem Beitrag findet sich sowohl Zustimmung als auch Ablehnung.

Für den Hedgefonds-Chef, den "Forbes" auf ein Privatvermögen von 1,5 Milliarden Dollar schätzt, kommt die öffentliche Aufmerksamkeit jedenfalls wohl eher ungewollt. Ackman zählte vor Jahren zwar zu den Lautesten seiner Branche, wenn es darum ging, mit öffentlichen Äußerungen Aktienkurse in die gewünschte Richtung zu lenken. Nach einigen Fehlinvestments war es aber still geworden um den heute 53-Jährigen. Sein nicht öffentlicher Hedgefonds, der Medien zufolge schon lange keine frischen Gelder mehr annimmt, verlor seit 2015 rund neun Milliarden Dollar an Volumen, so das "Wall Street Journal ". Ackman zog sich der Zeitung zufolge seinerzeit bewusst aus der Öffentlichkeit zurück, um sein Unternehmen auf Vordermann zu bringen und sich auf die öffentlich notierte Pershing Capital Holding zu konzentrieren.

Deren Aktionäre jedenfalls dürften das Treiben gegenwärtig mit Zufriedenheit verfolgen. Die Pershing-Aktie legte in den vergangenen Tagen nach wiederKursverlusten wieder um mehr als 20 Prozent zu.